Biodiesel auf der Anklagebank
publiziert: Montag, 11. Jun 2007 / 11:18 Uhr / aktualisiert: Montag, 11. Jun 2007 / 11:59 Uhr

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Auch an dieser Stelle wurde aus Nahrungsmitteln hergestellter Biodiesel, schon kritisiert. Der Schnellschuss, aus schon vorhandenen Agrarprodukten Treibstoff zu produzieren, bringt ökologisch gesehen recht wenig, birgt ökonomische Risiken und ist, sozial gesehen, geradezu explosiv.

Diese kritische Position wird durch eine kürzlich veröffentlichte EMPA-Studie noch bekräftigt. Als Folge davon forderten die Schweizer Grünen ein Import-Moratorium für Bio-Diesel, da «es unter dem Strich keine ökologische Rechtfertigung für den Anbau von Biomasse als Ausgangsprodukt für Treibstoff» gäbe.

Und wieder beweisen die Grünen damit, dass diese Partei mit ihrer General-Verdammung eben nicht das macht, was sie immer behauptet, nämlich weiter zu denken. Denn das Problem ist nicht der Bio-Treibstoff an sich, sondern es sind die dafür momentan verwendeten Pflanzen.

Eines der grössten weltweiten Probleme ist die Verkarstung von Böden und die immer grössere Ausdehnung von Wüsten durch die Übernutzung des Landes und den Wandel des Klimas. Diesen Böden noch irgend einen Ertrag abzutrotzen, ist mit herkömmlichen Agrarprodukten fast unmöglich. Doch genau solche trockenen Böden bieten die Möglichkeit, verschiedene Grasssorten und vor allem den Jatropha-Busch anzubauen, Pflanzen die für die Produktion von Bio-Treibstoffen geradezu prädestiniert sind.

Der mögliche Ertrag aus diesen Pflanzen, deren Fähigkeit, aus verkarsteten Böden nicht nur Ertrag zu erzielen, sondern diese auch für andere Pflanzen wieder nutzbar zu machen, armen Gegenden neue Perspektiven zu geben, verloren gegangene Anbauflächen zurück zu erobern und zudem CO2-Neutral Treibstoff zu erzeugen (Jatropha-Öl braucht fast keine Nachbearbeitung), sollte schon Grund genug sein, diese Pflanze und allfällige Möglichkeiten, deren Produkte zu fördern, zu prüfen.

Dass mit herkömmlichen landwirtschaftlichen Produkten und den Strukturen, in denen diese erzeugt werden, kein Staat zu machen ist, sollte eigentlich klar sein. Schon die Tatsache, dass viele lokalen landwirtschaftlichen Produkte nur mit extremem Energieeinsatz erzeugt werden können, macht sie als Energiequelle schon völlig untauglich. Der Ansatz Biomasse ist eigentlich richtig, doch wenn man diesen einer Subventions-Verseuchten, Protektions-Süchtigen Agrar-Lobby vorwirft, kann es nur schief gehen.

Es wäre darum wichtig, gerade jetzt nicht wieder die gleichen Fehler wie schon in der Landwirtschaft zu machen und die dritte Welt mit Zöllen und Restriktionen auszugrenzen. Wenn es in den Subtropen und Tropen etwas im Überfluss gibt, sind dies ausgelaugte Böden, die dringend bewirtschaftet werden sollten.

Deshalb ein kleiner Vorschlag an die Grünen (die aber eh nicht darauf hören werden, also eher an die Sozis und Grün-Liberalen): Statt nutzloser Entwicklungshilfe könnte die Schweiz ja Jatropha-Plantagen in Drittweltländern anlegen. Einige hunderttausend Hektaren, bewirtschaftet von lokalen Arbeitskräften.

Die möglichen Resultate sind eigentlich ein Wunschtraum für alle, die sich nach einer besseren Welt sehnen: Reell erzieltes Einkommen für arme 3. Welt Bevölkerung, Produktion von Bio-Treibstoff auf sonst brach liegenden Böden, kein Abbrennen und Roden von Urwäldern, die Möglichkeit, für die Bevölkerung auf dem wieder urbaren Boden, Nahrungsmittel anzubauen und eine Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

Dieser Vision stehen eigentlich nur die festgefahrenen Strukturen bei uns und die Korruption in der dritten Welt im Wege. Aber wir sind nun an einem Ort angelangt, an dem diese Stolpersteine im Interesse aller auf die Seite geräumt werden sollten. Den Bio-Diesel, weil man was gegen Strassenverkehr hat, einfach auf die Anklagebank zu setzen, hilft da nicht, sondern nur weiter und jenseits der momentan noch so eng gesteckten Grenzen zu denken.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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