Biometrische Überwachung von Fussball-Hooligans?
publiziert: Mittwoch, 17. Mai 2006 / 20:00 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 17. Mai 2006 / 20:19 Uhr

Bern - Die kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren fordern im Kampf gegen Fussball-Hooligans eine biometrische Überwachung.

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Bei der Swiss Football League (SFL) kann man sich für solche Ideen indes nicht begeistern. Er wolle in den Stadien kein «Big Brother is watching you» für Leute, die friedliebend seien, sagte Thomas Helbling, Präsident der Sicherheits- und Fankommission der SFL, gegenüber Radio DRS. Er erachtet die im Hooligangesetz vorgesehene Datenbank als ausreichend.

Bei der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) stösst die Haltung der SFL auf Unverständnis. Er könne sich nicht erklären, wie die SFL Stadionverbote ohne biometrische Überwachung durchsetzen wolle, sagte KKJPD-Generalsekretär Roger Schneeberger im Radio DRS.

Verfahren eröffnet

Die SFL-Disziplinarkommission eröffnete am Mittwoch ein formelles Verfahren gegen den FC Basel und den FC Zürich. Wie die SFL schreibt, wurde auch gegen FCZ-Spieler Iulian Filipescu ein Verfahren eröffnet. Der Schütze des Siegestores war von Hooligans angegriffen worden.

Biometrische Überwachungen fordert auch Novartis, der Hauptsponsor des FC Basel, wie Thomas E. Preiswerk, Leiter Sponsoring, auf Anfrage sagte. Neben dem Verein sei deshalb insbesondere der Gesetzgeber gefordert.

Bei der Fussball-WM in Deutschland ist biometrische Überwachung dagegen kein Thema, wie ein Sprecher des Organisationskomitees auf Anfrage sagte.

Pilotversuch in Bern

In der Bern Arena, dem Stadion des SC Bern, wurde diesen Frühling ein Pilotversuch mit biometrischer Überwachung abgeschlossen. 100 SCB-Fans hatten sich seit November 2005 freiwillig daran beteiligt.

Die Erfolgsquote habe bei rund 80 Prozent gelegen, sagte Urs Schmied, Projektleiter beim beauftragten IT-Dienstleister, auf Anfrage.

Eine hunderprozentige Treffersicherheit gebe es aber nie, sagte Schmied. Dazu wären Fingerabdrücke oder Irisabgleichungen nötig, was in einem Stadion nicht machbar sei. Erfahrungen aus Grossbritannien hätten aber gezeigt, dass der präventive Effekt sehr gross sei.

Für den Pilotversuch war eine Videokamera beim Stadioneingang installiert worden. Diese verglich die Gesichter der Eintretenden mit den abgespeicherten Gesichtern der Probanden. Bei einer grossen Ähnlichkeit wurde ein Sicherheitsbeamter alarmiert, der die Person überprüfte.

(bert/sda)

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