Birma: Korrespondenten haben Angst vor Repressionen
publiziert: Samstag, 29. Sep 2007 / 11:20 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 30. Sep 2007 / 15:58 Uhr

Bern - Die Arbeit der Korrespondenten in Birma ist heikel: Wer es bis nach Rangun geschafft hat, achtet tunlichst darauf, dass er unerkannt bleibt - aus Angst vor Repressionen. Auch die Übertragung der Informationen wird immer schwieriger.

Die Angst des Korrespondenten ist berechtigt: Am Donnerstag starb ein japanischer Reporter durch eine Kugel der Sicherheitskräfte.
Die Angst des Korrespondenten ist berechtigt: Am Donnerstag starb ein japanischer Reporter durch eine Kugel der Sicherheitskräfte.
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Die Schweizer Medien äussern sich nur sehr zurückhaltend und ungern darüber, woher sie ihre Informationen beziehen.

«Aus Sicherheitsgründen informiert Radio RSR nicht über ihren Korrespondenten in Birma», lässt beispielsweise die Geschäftsleitung des Radios ausrichten.

Andere Medien wollen nicht einmal veröffentlicht sehen, dass sie jemanden vor Ort haben, wie sie gegenüber der Nachrichtenagentur SDA ausführen.

NZZ-Korrespondent bei Demo dabei

Eine ausführliche Berichterstattung über Birma liefert seit Tagen die NZZ: Ihr Korrespondent ist seit Mittwoch Abend in der Hauptstadt Rangun. Am Montag hatte er in Bangkok sein Visum beantragt; im praktisch leeren Flugzeug reiste er später nach Birma.

Es sei ausserordentlich schwierig, mit ihm Kontakt aufzunehmen, sagte Beat Wieser, Asien-Redaktor der NZZ, gegenüber der SDA. Versuche per Telefon seien meist gescheitert. Normalerweise rufe der Korrespondent an und diktiere ihm die Artikel.

In Rangun ist der Korrespondent zu Fuss und mit dem Taxi unterwegs. Während der Demonstration bei der Sule-Pagode vom Donnerstag lief er am Rande mit und hat so die Anzahl Leute schätzen können. «Durch Gespräche mit Demonstranten konnte er eine realistische Einschätzung der Lage abgeben», sagte Wieser. Bisher sei der Berichterstatter noch nie an die Polizei geraten. «Er hat aber am Telefon auch schon darüber gesprochen, dass er sehr vorsichtig sein muss», sagte Wieser.

Die Angst des Korrespondenten ist berechtigt: Am Donnerstag starb ein japanischer Kriegsreporter durch eine Kugel der Sicherheitskräfte. Am Freitag veröffentlichte ein japanischer Privatsender Bilder, nach welchen der Reporter von einem Soldaten offenbar absichtlich getötet worden ist.

Agenturen haben Leute in Rangun

Die SDA beruft sich bei ihrer Berichterstattung auf ausländische Nachrichtenagenturen. Während sich die Deutsche Presse-Agentur dpa auf Informationen von langjährigen, einheimischen Mitarbeitern stützt, unterhält Agence France Press (AFP) sogar ein Büro in Rangun. Mehr dazu wollten die Agenturen nicht sagen.

Einige Medien suchten in den letzten Tagen nach verlässlichen Quellen und veröffentlichten Interviews mit Ausländern in Birma - meist ohne Namen. «Die Demonstranten kommen auf der Strasse spontan auf die wenigen Ausländer zu und sprechen mit ihnen», sagte beispielsweise ein Mann am Donnerstag in der Sendung 10vor10 des Schweizer Fernsehens (SF).

Wie ein grosses Mosaik

Viele Medienleute müssen sich mit Berichten aus Bangkok oder Singapur begnügen. SF-Korrespondent Pascal Nufer aus Bangkok erzählte in einem Beitrag, seine Berichterstattung sei wie ein grosses Mosaik: Viele kleine Steinchen ergäben ein Bild.

Er spreche mit Diplomaten und Exilbirmanen in Thailand. Diese hätten zum Teil Kontakte zu Freunden und Verwandten in Birma, sagte Nufer. Dazu höre er Radio, surfe im Internet oder schaue das staatliche birmanische Fernsehen. Dieses sei zwar «eher lächerlich» und berichte nur am Rande über die Vorgänge. Immer schwieriger wird die Übermittlung von Informationen: Während die Militärregierung die Handy-Netze bereits am Mittwoch abgeschaltet hat, schnitt sie am Freitag offenbar den Zugang zum Internet ab.

(von Rémy Kappeler/sda)

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