Bischöfe in Deutschland gegen sexuellen Missbrauch
publiziert: Freitag, 27. Sep 2002 / 15:58 Uhr

Fulda - Die katholischen Bischöfe in Deutschland wollen einen härteren Kurs im Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche einschlagen. Entsprechende Leitlinien verabschiedeten sie an ihrer Herbst-Vollversammlung.

Bischöfe gegen sexuellen Missbrauch.
Bischöfe gegen sexuellen Missbrauch.
Künftig soll jede Anzeige und jeder Verdacht gegen einen Priester umgehend geprüft werden. Bei einem erwiesenen sexuellen Vergehen soll gegen den Täter eine Kirchenstrafe bis hin zur Entlassung aus dem Klerikerstand verhängt werden.

Den Opfern wollen die Bischöfe umfangreiche Hilfsangebote machen. Zugleich drückten sie ihr Bedauern über vergangene Versäumnisse in diesem Bereich aus.

Mit den neuen Leitlinien wollen die Bischöfe verloren gegangene Glaubwürdigkeit und Vertrauen in die Kirche zurückgewinnen. Nach einer Reihe von Vorwürfen gegen Priester wegen sexuellen Missbrauchs war die katholische Kirche vor einigen Monaten unter Druck geraten. Vorwürfe des Vertuschens waren laut geworden.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Mainzer Bischof Kardinal Karl Lehmann, warnte aber vor einem Generalverdacht gegen Priester.

Schätzungen von Theologen gehen davon aus, dass in Deutschland rund 200 bis 300 von insgesamt 17 000 Priestern pädophile Neigungen haben. Die Angaben sind Hochrechnungen auf Basis der grossen Zahl von Missbrauchs-Fällen in den USA.

Lehmann kritisierte, er halte diese Vorgehensweise für nicht seriös. Deutsche Bistümer hatten 47 Fälle sexuellen Missbrauchs durch Priester in den vergangenen 30 Jahren angegeben.

(sda)

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