«Bitte, gebt mir eine Chance»
publiziert: Freitag, 28. Jul 2006 / 15:48 Uhr / aktualisiert: Freitag, 28. Jul 2006 / 18:57 Uhr

Tour-de-France-Sieger Floyd Landis hat sich erstmals selber zu seiner positiven A-Dopingprobe geäussert. Wenig überraschend bestritt der amerikanische Phonak-Profi, wissentlich gedopt zu haben.

Floyd Landis gab nicht genau Auskunft: «Es kann ein Fehler gewesen sein oder etwas, das mit den Umständen des Rennens zu tun hat oder etwas, was ich getan habe.»
Floyd Landis gab nicht genau Auskunft: «Es kann ein Fehler gewesen sein oder etwas, das mit den Umständen des Rennens zu tun hat oder etwas, was ich getan habe.»
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Landis wies alle Doping-Vorwürfe als falsch zurück. Er könne sich das alles nicht erklären. Er bitte darum, dass man ihm eine Chance gebe, die Unschuld zu beweisen, sagte der 30-jährige Amerikaner in einer ersten telefonischen Schaltkonferenz in der Nacht auf Freitag. «Ich möchte als unschuldig gelten, bis die Schuld bewiesen ist. So halten wir das in Amerika.» Landis will möglichst bald nach Hause zurückkehren.

Der festgestellte erhöhte Testosteron-Wert habe «eine natürliche Ursache», sagte der Amerikaner später bei einer Medienkonferenz am Fraitagabend in Madrid. «Mein Sieg ist einzig auf mein hartes Training zurückzuführen», betonte der Captain des Phonak-Teams. Landis hatte nach der 17. Tour-Etappe einen ungewöhnlich hohen Testosteron/Epitestosteron-Wert aufgewiesen und war als erster Tour-Sieger positiv getestet worden.

Landis betonte, dass er als Radprofi immer schon hohe Testosteronwerte aufgewiesen habe. Die Werte während der Tour wie auch während seiner gesamten Karriere seien «absolut natürlich» gewesen. Er erklärte sich zu einer genauen Überprüfung bereit, die seine Unschuld beweisen werde. «Ich möchte absolut klarstellen, dass ich meinen Fall nicht für einen Doping-Fall halte», sagte Landis.

Trotz seines Dementi ist sich Landis der Tragweite der aktuellen Ereignisse durchaus bewusst: «Ich benötige Zeit, um meinen Namen reinzuwaschen. Trotzdem werde ich diese Geschichte wohl nie loswerden, egal, was noch passiert.»

Landis sagte weiter, er könne über die Ursache für den Befund nur spekulieren: «Entweder war es ein Fehler oder dann ein anderes Vorkommnis, das durch Umstände des Rennens oder durch eine Handlung meinerseits entstanden ist.» Klar sei aber, so Landis, dass «das Testosteron nicht über eine externe Quelle in meinen Körper gelangt ist.»

Testosteron: Wirkung nicht über Nacht

Floyd Landis war nach der 17. Etappe nach Morzine, die er in überlegener Manier gewonnen hatte, in einer Dopingkontrolle hängen geblieben. Beim Amerikaner war ein überhöhter Anteil des männlichen Geschlechtshormons Testosteron festgestellt worden. Das Ergebnis der B-Probe steht allerdings noch aus. Testosteron gilt als das von Spitzensportlern am häufigsten angewandte anabole Steroid, zumindest in der Phase der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Das Hormon entfaltet sehr schnell seine Wirkung, durchläuft auch schnell den Stoffwechsel und wird dann sofort ausgeschieden.

Landis durfte sich mit dem Einverständnis der Tour-Ärzte wegen seines Hüftleidens während der Tour mit (auf der Dopingliste stehendem) Cortison spritzen lassen. Zudem gab Landis bekannt, wegen einer Schilddrüsenüberfunktion täglich Tabletten geschluckt zu haben. Doch das kann den Testosteron-Spiegel nicht in die Höhe getrieben haben.

Mit einer einmaligen Testosteron-Gabe ist die wundersame «Auferstehung» Landis´ nach Morzine allerdings nicht erklärbar, wie renommierte Doping-Fahnder in Deutschland und den USA unabhängig voneinander betonten. Testosteron habe eine vielfältige Wirkung, auch eine psychische. Über Nacht sei eine solche Wirkung wie bei Landis nicht zu erwarten. Ein solcher Effekt sei eher durch Einnahme von Stimulanzien wie Amphetaminen, Kokain oder auch Ecstasy vorstellbar, so die Fachleute.

Kritik von WADA-Chef

Dick Pound, Vorsitzender der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, kritisierte ein weiteres Mal die Vorgehensweise des Radsport-Weltverbands UCI im Kampf gegen Doping: «Wir haben gegenüber der UCI unsere Bedenken geäussert, dass es ernste Lücken in ihren Test-Protokollen gibt.» Er wolle den Radsport nicht verdammen, aber es müssten einige grundlegende Änderungen erfolgen, so Pound.

«Natürlich ist keine Sportart immun gegen Doping, aber der Radsport ist aussergewöhnlich gefährdet, da muss etwas getan werden. Zunächst müsste die UCI mal anerkennen, dass es ein Problem gibt, das sie bisher nicht kontrollieren konnten», sagte Pound. Der Kanadier nannte ausserdem Gewichtheben, Leichtathletik, American Football und Schwimmen als besonders anfällige Sportarten.

Der irische UCI-Präsident Pat McQuaid kündigte eine komplette Revision des Radsports und harte Entscheidungen an: «Das wird mein persönlicher Kreuzzug. Wir müssen alle loswerden, die dopen - ein für alle Mal.»

Die internationale Empörung schlug sich am Freitag in harten Schlagzeilen nieder. Die englische Zeitung «The Times» sprach vom letzten Nagel im Sarg für den Radsport: «Der Radsport stirbt an einer Überdosis Gier, Arroganz und Betrug. Das ist kein lebenswerter Sport mehr.» Frankreichs Sportzeitung «L´Equipe», sah es indes etwas differenzierter und bezeichnete solche Affären als notwendig im Kampf gegen das Doping.

(fest/Si)

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