Blitztornado: Jura besonders gefährdet
publiziert: Montag, 4. Aug 2008 / 21:25 Uhr

Bern - Tornados kommen auf allen Kontinenten vor. Am häufigsten und mit der grössten Wucht wüten sie in Nordamerika. In der Schweiz ist mit einem bis fünf stärkeren Tornados in zehn Jahren zu rechnen.

La Chaux-de-Fonds wurde schon mehrmals von Tornados heimgesucht. (Archivbild)
La Chaux-de-Fonds wurde schon mehrmals von Tornados heimgesucht. (Archivbild)
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Am grössten ist die Tornadogefahr während heissen Sommertagen bei ausgeprägter Gewitterneigung, wie Stephan Bader von MeteoSchweiz erklärt.

Die Bedingungen für die Bildung von Tornados sind insbesondere im westlichen Jura gegeben. Von heftigen Tornados heimgesucht wurden in der Vergangenheit das Vallée de Joux im Waadtländer Jura und die Region um La Chaux-de-Fonds.

Schneisen im Wald

Über das Vallée de Joux fegten am 19. August 1890 und am 26. August 1971 Tornados. Beide Stürme schlugen kilometerlange Schneisen in den Wald. Zahlreiche Gebäude wurde teilweise oder total zerstört. Beim Sturm von 1971 flog zudem ein Wohnwagen über die Wipfel ausgewachsener Tannen hinweg. Verletzt wurde niemand.

La Chaux-de-Fonds wurde am 12. Juli 1926 und am 23. August 1934 von Tornados heimgesucht. 1934 kamen drei Menschen ums Leben, und 1926 erlitt ein achtjähriger Junge tödliche Verletzungen, als er vom Sturm durch die Luft geschleudert wurde. Gemäss Bader können Hinweise auf heftige Tornados in der Schweiz bis ins Jahr 1624 zurückverfolgt werden.

Zahlreiche Opfer in den USA

Vergleichsweise ist die Zahl der Tornados in der Schweiz jedoch eher gering. Dies ist laut Bader auf die Alpen zurückzuführen, die eine Barriere bilden. In Nordamerika ist die Gefahr besonders gross, weil dort die feuchtwarmen Luftmassen aus dem Golf von Mexiko ungehindert auf die von Nordkanada herkommende polare Kaltluft treffen können.

In den USA werden jährlich rund 800 Tornados gezählt. Durchschnittlich sterben pro Jahr 80 Personen durch solche Stürme. Am 19. Februar 1884 rissen Tornados an einem Tag 1200 Menschen in den Tod.

Rotierender Schlauch

Tornados sind heftige, aber kleinräumige Wirbelstürme. Aus der Unterseite von Gewitterwolken bildet sich zu Beginn eine kegelförmige Ausstülpung. Diese wächst, oft innert weniger Minuten, zum rotierenden Wolkenschlauch und senkt sich gleichzeitig bis zur Erdoberfläche.

Vorausseztung für die Wirbelbildung sind hohe Aufwärtsbewegungen in der Gewitterwolke. Im Innern eines Tornados sind Rotationsgeschwindigkeiten von 450 bis 500 Kilometern pro Stunde möglich, wie Bader in einem Artikel auf der Website von MeteoSchweiz schreibt.

Plötzlicher Druckabfall

Der Sog im Schauch kann eine Aufwärtsbewegung von 160 Kilometern pro Stunde erzeugen, und der Schlauch zieht im Durchschnitt mit etwa 50 Kilometern pro Stunde über die Erdoberfläche. Schwache Tornados dauern einige Minuten, sehr starke über eine Stunde.

Die Zerstörungsgewalt ergibt sich einerseits aus den hohen Geschwindigkeiten und andererseits aus der schlagartigen Druckverminderung beim Durchzug des Schlauchs. Dieser Druckabfall könne Häuser förmlich explodieren lassen, sagt Bader.

Wasserhosen über den Seen

Häufiger als Tornados sind in der Schweiz so genannte Wasserhosen zu beobachten. Diese entstehen auf dieselbe Weise wie Tornados, sind aber weit schwächer und bilden sich über grossen Wasserflächen.

Ein Phänomen anderer Art war der Sturm «Lothar», der am Stephanstag 1999 mit grosser Zerstörungskraft über die Schweiz fegte. Bei «Lothar» habe es sich um einen klassischen Wintersturm gehandelt, erklärt Bader.

(ht/sda)

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