Blochers lange Rede trotz Rauchpetarde
publiziert: Samstag, 19. Jan 2008 / 08:20 Uhr / aktualisiert: Samstag, 19. Jan 2008 / 10:22 Uhr

Zürich - «Weiterfahren wie bisher»: So hat alt Bundesrat Christoph Blocher in Zürich den Oppositionskurs der SVP umschrieben. Seine Rede unter dem Titel «Auf der Seite des Volkes» erhielt immer wieder grossen Applaus.

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Blocher will den Steuerstreit mit der Personenfreizügigkeit verknüpfen.
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Bereits beim Eintreffen Blochers im Schützenhaus Albisgüetli hatte es von den über 1400 Parteimitgliedern und Gästen spontanen Applaus gegeben - begleitet von «Christoph»-Rufen.

Seine Rede begann der alt Bundesrat und designierte SVP-Vizepräsident Christoph Blocher mit einem Rückblick auf die Zeit nach der Abwahl vom 12. Dezember. Er habe stossweise Briefe bekommen, sagte Blocher. Das Volk habe gemerkt, dass es nicht recht sei, dass er aus dem Bundesrat gejagt worden sei.

Licht ins Dunkel

Blocher sieht für die Zukunft der SVP keine grossen Änderungen gegenüber bisher. «Wir machen die gleiche Politik weiter. Einfach an einem anderen Ort. Und mit anderen Mitteln», sagte er. Der Auftrag der Partei sei identisch mit dem Wahlkampfprogramm «Mein Zuhause - unsere Schweiz».

Unter Opposition versteht Blocher «Licht in das Dunkel der Unfähigkeit und Misswirtschaft» zu bringen. Wo dieses Licht fehle, entstehe «Vetterliwirtschaft, Sauhäfeli-Saudeckeli-Mentalität, Misswirtschaft, Korruption».

Kein Abwarten

Die Ankündigung der Opposition habe bereits reichlich Früchte getragen, sagte Blocher weiter. Die anderen Parteien seien unter Druck. Vielleicht müsste die SVP gar nicht viel machen in der Opposition, sondern nur fordern und die Hand aufstrecken - «dann wäre es ja dumm, wenn wir noch in den Bundesrat gingen».

Der designierte SVP-Vizepräsident bezeichnete die Neustrukturierung der SVP-Parteileitung als «ganz moderne Parteistruktur». Bern werde in Zukunft mehr von der SVP hören, als ihm lieb sei, sagte Blocher. Die SVP würde nicht mehr einfach warten, was der Bundesrat bringe, sondern mit Initiativen kommen.

Referenden angekündigt

Blocher kündigte am Freitagabend zudem die Referenden für das erweiterte Personenfreizügigkeits- und das Elektrizitätsabkommen mit der EU an, falls die EU ihre Forderungen für das Schweizer Steuergesetz nicht ein für allemal fallenlassen werde.

Neben den Kernthemen will sich die SVP auch anderen Themen zuwenden - Blocher nannte als Beispiele die Bildungs- und die Energiepolitik. Er sprach sich zudem für den Bau neuer Atomkraftwerke aus.

Rauchpetarde in Lüftung

Der alt Bundesrat genoss seine Rede sichtlich, er redete über eine Stunde. Er liess sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als plötzlich das Licht ausging und Rauch auf die Bühne drang. Er rede weiter, sagte Blocher. Ausgelöst wurde der Zischenfall durch eine Rauchpetarde, die in die Lüftung des Albisgüetli-Saals geworfen wurde, wie im Nachhinein bekannt wurde.

Nach Blochers Rede, die er mit den Worten «Hoch lebe die Schweiz!» beendete, gab es frenetischen Applaus. Viel Beifall erntete auch Toni Brunner, der designierte Parteipräsident der SVP, der die Freiheit in den Mittelpunkt seiner Rede stellte.

Brunner sorgt für Gelächter

Viel Gelächter erntete Brunner bei den Parteianhängern mit einer Aufzählung von staatlichen Einschränkungen, die Auswirkungen auf seinen Alltag hätten. Die Liste reichte von Quoten für Schweizer Musik am Radio bis zum Importverbot von Rindsdärmen für Cervelats.

Bezug nehmend auf die Führungsstruktur der SVP, zeigte sich Brunner optimistisch. Er verglich das neue Siebnergremium an der Spitze der SVP mit dem Churfirsten-Massiv und sagte, die Partei sei mit der neuen Führung bestens gerüstet für die Zukunft.

Grosses öffentliches Interesse

Blocher hatte bereits im Vorfeld der Polit-Veranstaltung angekündigt, an der Albisgüetli-Tagung den Oppositionskurs der wählerstärksten Partei an Beispielen zu erläutern. Dementsprechend gross war das öffentliche Interesse an der Tagung, welche die Zürcher Kantonalpartei der SVP jedes Jahr organisiert und heuer zum 20. Mal stattfand.

Über 100 Journalistinnen und Journalisten waren vor Ort. Zudem wurde die Veranstaltung live vom Nachrichtenradiosender DRS4, von der Fernsehstation U1 und übers Internet übertragen.

(ht/sda)

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