Bluttat von Annecy wurde nur mit einer Waffe begangen
publiziert: Montag, 10. Sep 2012 / 21:06 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 11. Sep 2012 / 00:04 Uhr

Annecy - Die Bluttat von Annecy gibt weiter Rätsel auf. Klar ist aber inzwischen, dass die Tat mit nur einer Waffe verübt worden war. Die siebenjährige Tochter des getöteten Ehepaars konnte noch nicht vernommen werden.

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Spezialisten hatten am Tatort die rund 25 Patronenhülsen und Kugeln untersucht. Abgegeben wurden die Schüsse aus einer Automatikpistole vom Kaliber 7,65 Millimeter. Alles deute auf eine ältere Waffe hin, hiess es am Montag aus Ermittlerkreisen.

Wegen der Vielzahl der abgegebenen Schüsse hatten die Ermittler zunächst vermutet, dass mehrere Waffen benutzt worden seien. Dass offenbar nur ein Täter schoss, lässt die Hypothese eines Profikillers wieder wahrscheinlicher erscheinen.

Bei der brutalen Tat waren am letzten Mittwoch in einem Auto in einer abgelegenen Gegend nahe des französischen Annecy das Ehepaar und die Mutter der Frau getötet worden. Auch ein zufällig vorbeifahrender Velofahrer wurde erschossen.

Unter der Leiche der Mutter versteckt

Die beiden Töchter des Ehepaars überlebten. Von ihnen erhoffen sich die Ermittler wichtige Hinweise zu den Umständen der rätselhaften Bluttat.

Die ältere Tochter erlitt durch heftige Schläge einen Schädelbruch und wies eine Schussverletzung in der Schulter auf. Sie steht nach Angaben der Staatsanwaltschaft noch immer unter Schmerz- und Beruhigungsmitteln und wird deswegen erst in den nächsten Tagen vernommen werden können. Sie war von den Ärzten am Sonntag aus dem künstlichen Koma geholt worden.

Ihre vierjährige Schwester überlebte das Verbrechen zwar unverletzt, weil sie sich unter der Leiche ihrer toten Mutter versteckt hatte.

Das Kind konnte den Ermittlern keine Hinweise liefern, weil es nur die Schüsse gehört, aber nichts gesehen hatte. Mittlerweile ist sie mit Verwandten und Betreuern nach England zurückgeflogen.

Falscher Bombenalarm

Das Motiv für die Tat blieb auch am Montag weiterhin im Dunkeln. Die französischen Ermittler schliessen nach eigenen Angaben einen Auftragsmord ebenso wenig aus wie einen missglückten Raubmord oder die Tat eines Psychopathen.

Hinweise auf einen Erbstreit stritt der Bruder des getöteten Familienvaters bisher ab. Die Polizei setzte aber seine Vernehmung fort. Er hatte sich letzte Woche bei den Ermittlern gemeldet um Presseberichte zu dementieren, wonach er sich mit seinem Bruder um das Erbe des Vaters gestritten habe.

Genauestens untersucht wird auch das Haus der Familie in Claygate, einem Vorort von London. Am Montagmorgen waren zuerst nach dem Fund «möglicherweise explosiver Substanzen» Bombenexperten angerückt und die umliegenden Häuser evakuiert worden. Zwei Stunden später gab die Polizei der Grafschaft Surrey Entwarnung.

(fest/sda)

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