Bob: Weltcup in St. Moritz
Bob: Privatduell Götschi - Reich, Langen ist doppelter Favorit in St. Moritz
publiziert: Donnerstag, 10. Jan 2002 / 14:16 Uhr

St. Moritz - Christoph Langen hat seinen Gegnern den Tarif für die Weltcuprennen in St. Moritz schon im Training erklärt. Es käme nicht überraschend, wenn sich der Deutsche am Samstag im Zweier-und anderntags auch im Viererbob durchsetzen würde.

Von den drei Schweizer Fahrern blickt nur Martin Annen dem Wochenende mit einer gewissen Gelassenheit entgegen. Der Schwyzer hat sich jeglichen Selektionsdrucks bereits entledigt -- sowohl für die EM, die am 19./20. Januar im Rahmen des Weltcups in Cortina d'Ampezzo ausgetragen werden, als auch für die Olympischen Spiele im Februar. Annen kann zwar noch den Gesamtweltcup in beiden Disziplinen gewinnen, reelle Chancen besitzt er dazu aber nur, wenn der Amerikaner Todd Hays seine bisherigen Resultate in den verbleibenden Weltcuprennen in St. Moritz, Cortina und La Plagne nicht zu bestätigen weiss.

Götschis Griff nach dem Strohhalm

Reto Götschi steht im Moment am stärksten unter Druck. Für ihn geht es um die Rettung der bisher verkorksten Saison. In St. Moritz will er den Strohhalm packen, der es ihm ermöglicht, sich nochmals als aktiver Olympia-Teilnehmer im Zweierbob ins Gespräch zu bringen. Die Rechnung ist einfach: Götschi muss am Samstag mindestens Sechster werden und darf gleichzeitig auf Christian Reich maximal zwei Weltcup-Punkte verlieren, das heisst höchstens einen Rang hinter dem Aargauer klassiert sein. Wenn ihm das eine oder das andere misslingt, wird er nicht für die EM nominiert und kann er auch die Anforderung an Olympiakandidaten (zwei Weltcup- Platzierungen unter den ersten sechs) nicht mehr erfüllen.

Christian Reich ist als Schweizer Meister für die Viererbob-EM (wie Ivo Rüegg im Zweierbob) gesetzt. Götschi hingegen benötigt am Sonntag eine Spitzenklassierung, um in Cortina auch mit dem grossen Schlitten dabei zu sein. Mit dem Gewinn einer Medaille könnte er Ralph Rüegg aus dem Feld schlagen, der eine Woche zuvor in der SM stürzte, ein leichtes Schleudertrauma davon trug, nächste Woche aber wieder einsatzbereit wäre.

Wenn er in St. Moritz nur eine Durchschnittsleistung bringt, verliert Göltschi seinen Startplatz wieder an Rüegg, was ihm schon vor dem letzten Weltcuprennen im Dezember in Igls widerfahren war. Inzwischen hat sich heraus gestellt, dass Götschis teils penible Vorstellungen mit dem Viererbob auf einen lange Zeit unentdeckten Materialdefekt zurückzuführen sind.

Annen und Reich mit Standard-Formation

Auf Kunsteisbahnen ist es wichtig, der ersten, zehn Mitglieder umfassenden Startgruppe anzugehören, weil die Eisqualität unter Belastung meistens bald nachlässt. In St. Moritz hingegen kann die zweite Gruppe je nach Wetter sogar von Vorteil sein; im oberen Teil der Bahn nimmt die Sonneneinstrahlung mit der Zeit zu, was dem Natureis einen beschleunigenden Wasserfilm verleiht. Der Schweizer Coach Hans Hiltebrand überlässt daher die Wahl der Startgruppe den Athleten. Annen darf sich als «Schweiz 1» im Zweier- und im Viererbob zuerst dazu äussern; im Zweierbob ist Götschi die Nummer 2, im Viererbob Reich.

Martin Annen wird am Samstag mit Beat Hefti und am Sonntag mit Silvio Schaufelberger, Hefti und Cédric Grand antreten. Ziemlich schlechte Erfahrungen mit seinem neuen Viererbob an der Schweizer Meisterschaft, die er als Dritter hinter Reich und Götschi beendete, zwangen ihn zum Umstieg auf das im vergangenen Winter verwendete Gerät, mit dem er sich im Training auf Anhieb wieder recht gut zurecht fand.

Christian Reich startet im Zweierbob mit Steve Anderhub, seinem schnellsten Hintermann. Auch den grossen Schlitten werden wie gewohnt Urs Aeberhard, Guido Acklin und Anderhub anschieben. Hinter Reto Götschi wird im Boblet Thomas Keller Platz nehmen. Im Viererbob möchte der fahrerisch nach wie vor verlässliche Zürcher die bisher ungenügenden Startzeiten optimieren. Er bootete zu diesem Zweck Nick Siegenthaler und Keller aus und berief an deren Stelle Daniel Mächler und Stefan Bamert aus dem Team seines Klubkollegen Ivo Rüegg. Bamert hatte am vergangenen Samstag mit Rüegg die Zweierbob-SM gewonnen. Weltcup-Stand (4/7) *

Zweierbob:
1. Todd Hays (USA) 132. 2. Martin Annen (Sz) 124. 3. Christoph Langen (De) 106 (3 Rennen). 4. Pierre Lueders (Ka) 102. 5. Rene Spies (De) 98 (3) und Andre Lange (De) 98. 7. Reto Götschi (Sz) 91. 8. Yannick Morin (Ka) 90. 9. Wolfgang Stampfer (Oe) 89. 10. Christian Reich 88 (3) und Günther Huber (It) 88.

Viererbob:
1. Hays 135. 2. Lange 129. 3. Annen 125. 4. Langen 98 (3). 5. Stampfer 88. 6. Arend Glas (Ho) 85. 7. Lueders 84. 8. Bruno Thomas (Fr) 81. 9. Jewgeni Popow (Russ) und Matthias Benesch (De) je 80. 11. Reich 79 (3).

* unter Berücksichtigung der Disqualifikation von Sandis Prusis (Lett) wegen Dopings.

(Hans Hug, St. Moritz /sda)

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