Bormio 85 - wenns doch immer noch so wäre
publiziert: Mittwoch, 2. Feb 2005 / 10:08 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 2. Feb 2005 / 10:58 Uhr

Das waren noch Zeiten: 1´749´000 Personen, Eins-Komma-Sieben-Millionen, zitterten im Februar 1985 um das "Knie der Nation". Pirmin Zurbriggen liess die Fans nicht im Stich. Knapp ein Drittel verfolgten 20 Jahre später die ersten Rennen der WM-Reprise.

Waren das noch Zeiten, als sich Zurbriggen und Müller noch gegenseitig die Piste runterjagten.
Waren das noch Zeiten, als sich Zurbriggen und Müller noch gegenseitig die Piste runterjagten.
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489´000 TV-Zuschauer wollten am Samstag den Super-G der Männer sehen, fast gleich viele, 484´000, den Super-G der Frauen. 1985, in der Männer-Abfahrt, war der schlechteste Schweizer in jenen Gefilden klassiert wie in Bormio 2005 der beste: Conradin Cathomen belegte hinter den drei Österreichern Franz Klammer, Peter Wirnsberger und Helmut Höflehner, die zusammen rund 50 Weltcuprennen gewannen, den 8. Platz. Niemand nahm von ihm Notiz.

Unter "ferner liefen" - im 4. Rang

Noch einer ging unter "ferner liefen" fast vergessen. Franz Heinzer wurde vom amerikanischen Nobody Doug Lewis selbst in die Anonymität verwiesen. Mit der Nr. 19 bugsierte er den jetzigen Abfahrtstrainer vom Podest und verhinderte damit einen dreifachen Schweizer Triumph. Es war der zweite von drei vierten Rängen an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen von Heinzer.

Aber auch der Zweite war damals fast nur Staffage. Den ersten Ärger erlebte Peter Müller, als ihn Karl Frehsner in die Qualifikation schickte. "Ich bin immerhin der beste Schweizer im Weltcup und stand in den letzten beiden Rennen auf dem Podest", schimpfte der Zürcher. Im Rennen verpatzte er den ersten Sprung und schien geschlagen. Nach halber Distanz lag er, an achter Stelle liegend, über eine Sekunde zurück. Mit einem unwiderstehlichen Finish drehte er auf und machte den Rückstand bis auf 11 Hundertstel wett. "Das Ziel war für mich ein paar Meter zu weit oben", bedauerte Müller.

18 Tage nach Operation wieder auf Ski

Aber Müller hätte wahrscheinlich mit einen Sieg die herrschende Zurbriggen-Mania nur gestört. Zwei Wochen ohne Unterbruch lieferte Pirmin Zurbriggen die Schlagzeilen auf der Frontseite der Boulevard-Presse. Nach seinem Doppelsieg in Kitzbühel stand für einen Moment die Ski-Welt still. Pirmins Knie schmerzte, die Ärzte stellten einen Meniskusschaden fest - die WM schien gelaufen.

Zurbriggen wurde in die Basler Rennbahnklinik eingeliefert, wo sich die Ärzte zu einer Arthroskopie entschlossen. Diese Operationsmethode stand damals noch ziemlich am Anfang ihrer Entwicklung, im Volksmund redete man von "Kniespiegelung". Das Wunder geschah: 14 Tage nach dem Eingriff stand Zurbriggen wieder auf Ski. 18 Tage nachher schnallte er die Rennlatten an, rekognoszierte die ihm fremde Stelvio-Piste von Bormio, startete zum ersten Training -- und stellte Bestzeit auf, quasi "mit einem Bein".

Mehr Medaillen als in Sapporo

Das war der Auftakt des Zurbriggen-Festivals. Als erster Wettkampf stand die Kombinations-Abfahrt auf dem Programm. Der Sieger -- natürlich Zurbriggen, aber "nur" zwei Zehntel vor Peter Lüscher, der wie Karl Alpiger der internen Qualifikation zum Opfer gefallen war. Doch auf die Allrounder besass Zurbriggen einen solchen Vorsprung, dass nur ein Sturz im Slalom die Goldmedaille hätte verhindern können.

48 Stunden nach der Kombinationsabfahrt - der Kombi-Slalom war erst vier Tage (!) später angesetzt - startete Pirmin Zurbriggen zur "richtigen" Abfahrt. Die unglaubliche Zahl von 1,75 Millionen Zuschauern in der Deutsch- und eine halbe Million in der Westschweiz fieberte mit. Nie vor- und nie nachher löste ein Sportereignis eine solche Resonanz aus. Zurbriggen enttäuschte seine Anhänger nicht und gewann Gold, später nochmals Gold in der Kombination und schliesslich auch Silber im Riesenslalom. Insgesamt sammelte das Schweizer Team acht Medaillen, sogar eine mehr als bei den legendären "Goldenen Tagen" von Sapporo. Wenns doch nur immer noch so wäre.

(Richard Hegglin, Bormio/Si)

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