Bradley Wiggins hielt Gegner unter Kontrolle
publiziert: Sonntag, 8. Jul 2012 / 17:30 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 8. Jul 2012 / 19:33 Uhr
Der junge Pinot Thibaut bei seinem grösten Triumpf in seiner Karriere.
Der junge Pinot Thibaut bei seinem grösten Triumpf in seiner Karriere.

Thibaut Pinot gelang in der Schweiz der erste Etappensieg eines Franzosen in dieser Tour de France. Der 22-Jährige gewann die 8. Etappe in Pruntrut. Bradley Wiggins (Gb) verteidigte das Maillot jaune.

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Die Fahrt durch den Jura mit nicht weniger als sieben Bergpreiswertungen brachte an der Spitze des Gesamtklassements keine Änderung. Am bis zu 17 Prozent steilen Col de la Croix kristallisierte sich der harte Kern heraus, zu dem Wiggins, Cadel Evans, Vincenzo Nibali, Chris Froome und Jürgen van den Broeck zählten. Unter den Top Ten gab es nur zwei Änderungen. Rein Taaramae (Est) büsste seinen 4. Platz ein und liegt jetzt auf Position 10. Nicolas Roche rutschte vom 8. auf den 9. Rang ab.

«All diese Steigungen sind nicht wirklich hart», hatte Wiggins vor dem Start gesagt, «aber wir müssen ein Auge darauf haben, wie sich das Rennen entwickelt.» In Rage geriet der Gesamterste, als er an der Pressekonferenz zu einer Stellungnahme aufgefordert wurde, weil die Stärke seiner Helfer Erinnerungen an das Team US Postal weckt, das die Gegner dominiert hatte und das nun im Mittelpunkt von Dopingenthüllungen steht. «Wie kann man eine solch dumme Frage stellen! Wir wenden unsere Zeit für andere Sachen auf,» empörte sich Wiggins und zog erzürnt von dannen.

Animierte Etappe

Begonnen hatte die mit 157,5 km bislang kürzeste Etappe der Rundfahrt mit einem Feuerwerk von selten gesehener Güte. Der 40-jährige Jens Voigt aus dem Team von Fabian Cancellara versuchte vom Start weg alles, damit sich eine Fluchtgruppe bildete. Während 50 km kam es in diesem Tagesprogramm, das von vielen Fahrern schwieriger als eine Alpenetappe eingestuft wurde, ständig zu Angriffen und Kontern. Dass das Feld die Angreifer meistens im Blickfeld hatte, war in erster Linie das Verdienst von Edvald Boasson Hagen, der sich für seinen Teamleader Wiggins aufopferte.

Ruhiger wurde es im Feld erst, als sich eine grosse Gruppe von Fahrern an der Spitze befand, die im Gesamtklassement keine Gefahr darstellten. Jérémy Roy versuchte sich zuerst als Solist, erhielt dann aber Zuzug durch Fredrik Kessiakoff. Der Schwede, in der Tour de Suisse Sieger des Zeitfahrens in Gossau ZH, hinterliess einen starken Eindruck. Kessiakoff wurde dann aber der Schlussteil des Col de la Croix zum Verhängnis. Mit nachlassenden Kräften wurde er von Thibaut Pinot ein- und überholt. Der jüngste Fahrer im diesjährigen Feld fuhr danach souverän zum Solosieg.

Die Streckenführung dieser Tour de France behage ihm nicht, obwohl der Parcours in den Vogesen in seiner engeren Heimat vorbeiführe, hatte Pinot im Frühjahr gesagt. Aber er wolle dieses Jahr an einer dreiwöchigen Rundfahrt teilnehmen. Dennoch wurde der Youngster von den Verantwortlichen seines Teams zur bedeutendsten Rundfahrt der Welt aufgeboten und realisierte gleich den bedeutendsten Erfolg seiner Karriere. Pinot verfügt über ausgezeichnete Qualitäten als Kletterer, die er dieses Jahr auch in der Tour de Romandie (Gesamtelfter) und in der Tour de Suisse (Sechster der 8. Etappe Bischofszell - Arosa) aufblitzen liess. «Das waren die längsten 10 km meines Lebens», hielt Pinot zum Schlussteil fest, in dem er sich alleine in den Gegenwind stemmen musste.

Aufgabe von Sanchez

Für den Strassen-Olympiasieger von Peking, Samuel Sanchez, endete die Fahrt in die Schweiz im Spital. Der Spanier kam in einer Steigung aus ungeklärten Gründen zu Fall. Alejandro Valverde und Cédric Pineau stürzten über ihn hinweg. Sanchez zog sich einen Bruch in der rechten Hand sowie den Bruch des linken Schlüsselbeines zu und hat mit diesen Verletzungen kaum Aussichten, in London am Start zu sein.

Morgen Zeitfahren

 Morgen Montag sind die Augen auf das Zeitfahren über 41,5 km von Arc-et-Senans nach Besançon gerichtet. Es wird als Olympia-Test zwischen Fabian Cancellara, Tony Martin und Bradley Wiggins betrachtet. Martin wurde im Prolog in Lüttich durch einen Defekt gebremst und zog sich bei einem Sturz in der 1. Etappe einen Kahnbeinbruch zu. Der Weltmeister dieser Disziplin setzte die Rundfahrt fort, um Rennkilometer in den Beinen zu haben. Cancellara, der in Pruntrut mit 12:19 Minuten Rückstand eintraf, hatte an den acht Tagen, an denen er das Leadertrikot trug, die Erholungszeit kostende Verpflichtungen zu erfüllen.

Resultate:
99. Tour de France. 7. Etappe, Tomblaine - La Planche des Belles Filles (199 km): 1. Christopher Froome (Gb) 4:58:53 (39,989 km/h). 2. Cadel Evans (Au) 0:02. 3. Bradley Wiggins (Gb), gleiche Zeit. 4. Vincenzo Nibali (It) 0:07. 5. Rein Taaramae (Est) 0:19. 6. Haimar Zubeldia (Sp) 0:44. 7. Pierre Rolland (Fr) 0:46. 8. Janez Brajkovic (Sln), gleiche Zeit. 9. Denis Mentschow (Russ) 0:50. 10. Maxime Monfort (Be) 0:56.

11. Nicolas Roche (Irl) 1:06. 12. Fränk Schleck (Lux) 1:09. 13. Richie Porte (Au) 1:14. 14. Michael Rogers (Au) 1:24. 15. Thibaut Pinot (Fr), gleiche Zeit. 16. Samuel Sanchez (Sp) 1:31. 17. Daniel Martin (Irl) 1:39. 18. Gorka Izaguirre (Sp), gleiche Zeit. 19. Tony Gallopin (Fr) 1:44. 20. Fabian Cancellara (Sz) 1:52.

Ferner: 22. Jürgen Van den Broeck (Be), gleiche Zeit. 25. Michele Scarponi (It) 2:05. 26. Alexander Winokurow (Kas) 2:17. 27. Alejandro Valverde (Sp) 2:19. 32. Andreas Klöden (De), gleiche Zeit. 33. Sylvain Chavanel (Fr) 2:24. 37. Robert Gesink (Ho) 2:53. 40. Ivan Basso (It), gleiche Zeit. 48. Levi Leipheimer (USA) 3:11. 65. Tony Martin (De) 5:01. 89. Michael Schär (Sz) 8:00. 104. Michael Albasini (Sz) 10:07. 120. Peter Sagan (Slk) 12:01. 146. Mark Cavendish (Gb) 14:21. - 182 gestartet, 181 klassiert. Aufgegeben: Anthony Delaplace (Fr). Nicht gestartet: Ryder Hesjedal (Ka), Amets Txurruka (Sp), Rob Hunter (SA), Hubert Dupont (Fr), Oscar Freire (Sp), Maarten Wynants (Be), Imanol Erviti (Sp).

8. Etappe, Belfort - Pruntrut (157,5 km): 1. Pinot 3:56:10 (39,633 km/h). 2. Evans 0:26. 3. Tony Gallopin (Fr). 4. Wiggins. 5. Nibali. 6. Van den Broeck. 7. Froome. 8. Mentschow. 9. Zubeldia, alle gleiche Zeit. 10. Schleck 0:30.

11. Chris Horner (USA), gleiche Zeit. 12. Fredrik Kessiakoff (Sd) 0:47. 13. Roche 1:25. 14. Chris Anker Sörensen (Dä). 15. Monfort. 16. Pierre Rolland (Fr). 17. Scarponi. 18. Tejay van Garderen (USA). 19. Costa. 20. Leipheimer.

Ferner: 24. Basso, alle gleiche Zeit. 26. Taaramae 2.21. 30. Klöden. 31. Valverde. 37. Winokurow, alle gleiche Zeit. 55. Sagan 4:58. 72. Albasini 9:07. 75. Schär 10:17. 87. Martin 12:19. 90. Cancellara, gleiche Zeit. 116. Gesink 16:41. 148. Cavendish 22:19. - 180 gestartet, 178 klassiert. Nicht gestartet: Johannes Fröhlinger (De). Aufgegeben: Samuel Sanchez (Sp), Gorka Verdugo (Sp).

Gesamtklassement: 1. Wiggins 38:17:56. 2. Evans 0:10. 3. Nibali 0:16. 4. Mentschow 0:54. 5. Zubeldia 0:59. 6. Froome 1:32. 7. Monfort 2:08. 8. Van den Broeck 2:11. 9. Roche 2:21. 10. Taaramae 2:27.

11. Gallopin 3:13. 12. Costa 3:24. 13. Pinot 3:41. 14. Horner 3:43. 15. Schleck 3:47. 16. Brajkovic4:03. 17. Van Garderen 4:08. 18. Basso 4:12. 19. Klöden 4:24. 20. Rolland 4:26.

Ferner: 21. Leipheimer 4:46. 22. Scarponi 5:37. 28. Valverde 6:45. 36. Cancellara 13:36. 40. Sagan 16:43. 53. Schär 21:32. 54. Winokurow 22:47. 56. Gesink 23:12. 72. Albasini 28:35. 112. Martin 36:32. 146. Cavendish 51:59.

 

(fest/Si)

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