Brasilianer klare WM-FavoritenZwei Tage nach dem Finale in Gstaad beginnt heute der Saisonhöhepunkt mit der Beachvolleyball-WM in Berlin.
(Marco Keller und Stefan Baumgartner/Si)

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Die Brasilianer gilt es zu schlagen.
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In Berlin führen die Titelgewinne einmal mehr über die brasilianischen Teams. Die Schweizer befinden sich nach bisher durchzogenen Leistungen in Lauerstellung.
Im Jahr 2005 wird auf der World Tour wieder vermehrt portugiesisch gesprochen: 15 von 21 Podestplätzen gingen an die Ballartisten aus Brasilien, die die Weltrangliste bei den Männern mit drei und bei den Frauen mit zwei Teams anführen.
Favoriten auszumachen ist schon deswegen nicht ganz einfach, wenn auch die Weltranglisten-Ersten noch ein bisschen stärker als die übrigen scheinen. Die Titelverteidiger Ricardo/Emanuel sicherten sich in Gstaad den ersten Titel seit den Olympischen Spielen in Athen und sind das kompletteste Duo. Larissa França/Juliana Felisberta Silva gewannen drei von vier Titeln und wurden in Osaka Zweite. Schweizer in Lauerstellung
Die nackten Resultate würden den Schweizern nicht viel Hoffnung auf Edelmetall lassen. Von den 28 Halbfinalplätzen, die heuer auf den beiden World Tours vergeben wurden, besetzten sie nur zwei. Markus Egger/Martin Laciga wurden in Schanghai Dritte, Simone Kuhn/Lea Schwer in Osaka Vierte.
Allerdings gibt es zwei Faktoren, die (mindestens) einen Exploit möglich machen könnten. Zum einen sind die Leistungsunterschiede der Teams nicht sehr gross, zum andern haben alle Schweizer Spieler schon bewiesen, dass sie höchsten Ansprüchen genügen, wenn auch vielfach mit früheren Partnern.
Ein Überblick über den Formstand der vier besten Schweizer Paare, die derzeit alle in den Top 10 der Weltrangliste klassiert sind. Markus Egger/Martin Laciga (5. im FIVB-Ranking):
Das ruhigste Paar hatte den besten Start, liess aber nach einem Turniersieg in der europäischen Tour und dem 3. Rang in China in den letzten Wochen leicht nach (9. und 7.). Laciga: «Am Anfang ging alles sehr leicht, und wir haben auch spielerisch überzeugt. Jetzt kommt die Phase, wo wir um die Fortschritte kämpfen müssen. Wir haben noch zu viele Höhen und Tiefen. Wenn wir das abstellen können, bin ich für Berlin zuversichtlich.» Sascha Heyer/Paul Laciga (6.):
Das grösstgewachsene Duo der diesjährigen Tour brauchte etwas länger, um auf ein gutes Niveau zu kommen, war aber am Wochenende in Gstaad mit Rang 5 für das Schweizer Highlight besorgt. Die beiden extrovertierten «Alphatiere» sind noch nicht perfekt aufeinander eingespielt, machen aber mit Emotionen einige Defizite wett. Heyer: «Resultatmässig lief es bis vor Gstaad nicht so gut, aber spielerisch können wir zufrieden sein. Wenn wir beide aggressiv spielen, haben wir noch klares Steigerungspotenzial. Dieses wollen wir an der WM zeigen.» Patrick Heuscher/Stefan Kobel (8.):
Die Olympia-Bronzemedaillen-Gewinner von Athen konnten die gesteigerten Erwartungen noch nicht erfüllen. Der 5. Rang in Zagreb war der klare Höhepunkt, die WM-Hauptprobe missriet den Vorjahrssiegern in Gstaad mit Platz 9. Heuscher: «Im letzten Jahr lief bis an die Olympischen Spiele alles perfekt. Jetzt war alles viel chaotischer, wir hatten mit Verletzungen, Krankheit und Formtiefs zu kämpfen. Aber wir können uns steigern.» Simone Kuhn/Lea Schwer (6.):
Die beiden einstigen reinen Angriffsspielerinnen haben zusammen einen viel versprechenden Einstand hinter sich und belegten in den letzten drei Turnieren stets Ränge in den Top 10. Defensiv müssen die beiden grossgewachsenen Athletinnen noch zulegen, ihr Potenzial ist aber gross. Kuhn: «Ich war nicht sicher, ob wir von Anfang an gut harmonieren würden. In Berlin wäre eine weitere Top-10-Klassierung super.» Fragezeichen USA
Auf Grund der Weltranglisten sind die Favoritenrollen verteilt: Hinter Brasilien, das neun Paare unter den ersten zehn der Männer und Frauen stellt, sind dort nur noch die Schweiz (4) und Gastgeber Deutschland (3) mit mehreren Paaren vertreten.
Die grosse Unbekannte bilden die Amerikaner. Wegen langwierigen Streitereien zwischen der US-Tour und dem phasenweise fragwürdig operierenden Weltverband ist bis zur Stunde noch nicht bekannt, ob sie überhaupt antreten. Besonders bei den Frauen ist dies von eminenter Bedeutung, weil die Olympiasiegerinnen Misty May/Kerri Walsh in die brasilianische Phalanx einbrechen könnten. Grosser Aufwand und viel Spektakel
Die Spiele auf dem Berliner Schlossplatz im Herzen der Metropole und in unmittelbarer Nähe zum Alexanderplatz sollen zum riesigen Spektakel werden. Der Centre Court fasst 8000 Zuschauer, daneben wird auf fünf weiteren Plätzen «gebaggert».
Die Organisatoren rechnen mit mindestens 100 000 Fans vor Ort und täglich zwei Millionen an den TV-Geräten. Für die Übertragungen zeichnet erstmals RTL verantwortlich, das den Fernsehsport schon mit der Formel 1 und dem Skispringen in neue Dimensionen führte. Während sieben Stunden sind Live-Übertragungen angesagt, darunter beide Endspiele. Spielplan:
Schweizer Teams. Männer: Patrick Heuscher/Stefan Kobel (Frauenfeld/Dübendorf), Markus Egger/Martin Laciga (Wangs/Nidau), Sascha Heyer/Paul Laciga (Zürich/Kerzers). -- Frauen: Simone Kuhn/Lea Schwer (Luzern/Riehen), Nadia Erni/Karin Trüssel (Luzern/Bern). Podest- und Schweizer Platzierungen an den letzten drei WM
Männer. 2003 in Rio de Janeiro: 1. Ricardo/Emanuel (Br). 2. Holdren/Metzger (USA). 3. Benjamin/Marcio Araujo (Br). 5. u.a. Laciga/Laciga und Heuscher/Kobel. 17. u.a Heyer/Egger. -- 2001 in Klagenfurt: 1. Baracetti/Conde (Arg). 2. Ricardo/Loiola (Br). 3. Kjemperud/Hoidalen (No). 5. Laciga/Laciga. 17. Heuscher/Kobel und Heyer/Egger. -- 1999 in Marseille: 1. Emanuel/Loiola (Br). 2. Laciga/Laciga (Sz). 3. Para/Guilherme (Br). In der Qualifikation ausgeschieden: Heyer/Tschudi, Patrick Egger/Vesti.
Frauen. 2003 in Rio de Janeiro: 1. May/Walsh (USA). 2. Behar/Shelda (Br). 3. Cook/Sanderson (Au). 5. Schnyder/Kuhn. -- 2001 in Klagenfurt: 1. Behar/Shelda (Br). 2. Pires/Minello (Br). 3. Celbova/Dosoudilova (Tsch). 17. Skrivan/Gintzburger. 33. Schnyder/Kuhn. -- 1999 in Marseille: 1. Behar/Shelda (Br). 2. Davis/Jordan (USA). 3. Masakayan/Youngs (USA). In der Qualifikation ausgeschieden: Benoît/Hartmann, Fontana/Chiaradia, Skrivan/Gintzburger, Kölliker/Scheuerpflug.
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