Brasilien versteht Briten nicht
publiziert: Sonntag, 24. Jul 2005 / 08:39 Uhr

Brasilia - Die Erschiessung eines unschuldigen Brasilianers durch Antiterrorkräfte in einer U-Bahnstation in London hat die Regierung in Brasilien "schockiert".

Die Polizei erwischte einen Unschuldigen.
Die Polizei erwischte einen Unschuldigen.
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Die Regierung in Brasilien warte auf die Erklärungen der britischen Behörden "zu den Umständen, die zu dieser Tragödie geführt haben".

Der Familie des Opfers, des 27-jährigen Jean Charles de Menezes, übermittle man innigstes Beileid.

Brasilia betonte ausserdem, das südamerikanische Land habe "immer alle Formen von Terrorismus verurteilt".

Man habe sich immer bereit gezeigt, zur Ausmerzung dieser Geissel im Rahmen der internationalen Regeln und der Respektierung der Menschenrechte beizutragen".

Kein Grund

Ein Vetter des Opfers, Alex Alves Pereira, sagte im Gespräch mit dem brasilianischen Fernsehnachrichtensender Globonews aus London, Jean Charles habe nichts zu verstecken und auch "keinen einzigen Grund gehabt, vor der Polizei wegzulaufen".

Aussenminister Amorim, der am Samstag Richtung London abflog, um an Gespräche über Reformen der Vereinten Nationen teilzunehmen, will nun nach Angaben aus Brasilia wegen des Zwischenfalles auch seinen britischen Kollegen Jack Straw treffen.

Jean Charles de Menezes stammte aus einer kleinen Stadt des südöstlichen Bundeslandes Minas Gerais und arbeitete seit Jahren in London als Elektriker. Er wurde laut Zeugen mit fünf aus nächster Nähe abgefeuerten Kugeln am Kopf tödlich getroffen.

Gezielte Tötung

Die britische Polizei war davon ausgegangen, es handle sich um einen Komplizen der Terroristen. Sie will den Vorfall untersuchen.

Wie die "Financial Times" berichtete, sind die Londoner Terrorfahnder angewiesen worden, mutmasslichen Selbstmordattentätern gezielt in den Kopf zu schiessen. Durch Schüsse in den Körper könnten dort versteckte Bomben explodieren.

Die Fahndung nach den Verantwortlichen der fehlgeschlagenen Bombenanschläge von London lief am Samstag weiter auf Hochtouren.

Die Polizei verhörte zwei Terrorverdächtige, die am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag festgenommen worden waren.

Vielversprechende Festnahmen

Scotland Yard-Chef Ian Blair sagte dem britischen Fernsehsender BBC, die Festnahmen seien "sehr viel versprechend".

Ob es sich bei den zwei Männern um Verantwortliche der verhinderten Attentate vom Donnerstag in drei U-Bahnen und einem Bus handelte, sagte er nicht.

Die Ermittler hatten bei der Suche nach den Terroristen zwei Mal im Stadtteil Stockwell zugeschlagen und die Männer in Gewahrsam genommen.

Die erste Festnahme stehe in Verbindung zu den nicht explodierten Sprengsätzen, hiess es.

Fünfte Bombe

Die Polizei stiess inzwischen möglicherweise auf eine fünfte Bombe. Der Sprengsatz sei im Nordwesten der britischen Hauptstadt gefunden worden, teilte die Polizei mit.

Nach der Veröffentlichung von Aufnahmen der vier mutmasslichen Attentäter erhielt Scotland Yard am Freitag etwa 400 Anrufe über die Antiterror-Hotline.

Die Aufnahmen stammten von Überwachungskameras, die in den drei U-Bahnen und dem Bus installiert waren, wo die Bomben explodieren sollten. Allerdings detonierten nur die Zünder. Deshalb kam bei den Attentatsversuchen vom Donnerstag niemand zu Schaden.

Auch am Samstag gab es wieder einen Sicherheitsalarm. Die U-Bahnstation Mile End in Ost-London wurde für etwa eine halbe Stunde gesperrt.

Hunderte britische Moslems und Christen demonstrierten in der nordenglischen Stadt Leeds gegen islamistische Gewalt.

(rr/sda)

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