Buchpreisbindung soll vielfältiges Angebot gewährleisten
Breite Allianz für Buchpreisbindung
publiziert: Freitag, 10. Feb 2012 / 21:12 Uhr
Aus Sicht der Befürworter gewährleistet die Buchpreisbindung die Büchervielfalt sowie tiefe Preise.
Aus Sicht der Befürworter gewährleistet die Buchpreisbindung die Büchervielfalt sowie tiefe Preise.

Bern - Vertreter aller grossen Parteien haben am Freitag in seltener Einigkeit für die Buchpreisbindung geworben. Mit von der Partie war auch der Kabarettist und Schriftsteller Emil Steinberger.

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Es handle sich um eine Allianz gegen den Ausverkauf von geistiger Arbeit und geistigem Eigentum, sagte Steinberger vor den Medien in Bern. «Wir sind doch nicht blöd und lassen Kopfarbeit für einen knallharten Preiskampf freigeben.»

Für SVP-Nationalrat und Autor Oskar Freysinger, der in dieser Frage von der Haltung seiner Partei abweicht, geht es um nicht weniger als die Zivilisation. Ein Buch sei schliesslich keine Ravioli-Büchse.

Ohne Buchpreisbindung werde sich das Angebot auf das beschränken, was gewinnbringend sei, warnte Freysinger. «Wollen wir Kafka, Rilke und jungen Talenten eine Chance geben oder nur Harry Potter und Dan Brown?»

Gegen Bestseller-Diktatur

Aus Sicht der Befürworter gewährleistet die Buchpreisbindung die Büchervielfalt sowie tiefe Preise. Anders als die «Markt-Fetischisten» aus dem gegnerischen Lager behaupteten, würden die Buchpreise im liberalisierten Markt über das gesamte Sortiment betrachtet nicht sinken, sagte SP-Präsident Christian Levrat. Zwar böten Discounter billige Bücher an, doch beschränkten sie sich auf Bestseller.

FDP-Nationalrat Olivier Feller pflichtete ihm bei: Eine völlig freie Marktwirtschaft bei den Büchern habe zur Folge, dass die kulturelle Vielfalt verkümmere und eine «Diktatur des Bestsellers» herrsche. «Als Liberaler habe ich keine Probleme mit diesem Gesetz.» Die Verleger würden ja die Preise festlegen, der Staat mische sich nicht ein.

Keine Steuergelder

CVP-Nationalrat Dominique de Buman betonte seinerseits, dass der Staat nicht in die Tasche greifen müsse. Das Gesetz verschaffe der Buchbranche lediglich die Möglichkeit, nach eigenen Richtlinien zu funktionieren. Damit könne eine Verarmung des Angebots bei gleichzeitigem Anstieg der Preise verhindert werden.

Für BDP-Nationalrätin Ursula Haller geht es nicht zuletzt um «Swissness». «Wir sollten unseren Autoren und Verlagen Sorge tragen», forderte sie. Ohne Buchpreisbindung würden sogar populäre Bücher wie «Dr Goalie bin ig» von Pedro Lenz bei grossen Ketten über dem empfohlenen Verlagspreis verkauft, damit «Harry Potter» noch günstiger verkauft werden könne.

Arbeitsplätze bedroht

Die Befürworter der Buchpreisbindung verweisen auch auf die Entwicklung in anderen Ländern. Was bei einer Aufhebung der gebundenen Preise längerfristig drohe, zeige sich in Grossbritannien. Dort seien die Bücherpreise gestiegen und zahlreiche Buchhandlungen verschwunden.

Auch die Grossbuchhändler könnten sich kaum noch behaupten, sagte Louis Schelbert, Nationalrat der Grünen. Supermärkte verkauften die gängigsten Bestseller zu Tiefstpreisen. Danièle Lenzin von der Gewerkschaft Syndicom warnte vor einem Verlust von Arbeitsplätzen. Ohne Buchpreisbindung sei ein Viertel der Arbeitsplätze im Buchhandel bedroht.

In der Schweiz wurde die Buchpreisbindung 2007 per Gerichtsentscheid aufgehoben. Über die Wiedereinführung auf gesetzlicher Basis entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger am 11. März. Das Parlament hatte sich dafür ausgesprochen, doch die Jungparteien von FDP und SVP sowie die Piratenpartei ergriffen das Referendum.

(fest/sda)

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Wettbewerbskäse und Zaubertrickli
Die freitägliche Arena, in der die Gesetzesbefürworter argumentativ leider nicht gerade geglänzt hatten und sich in einem ungeordneten Wirr unglücklich formulierter, aber grundsätzlich richtiger Argumente verloren, ist einmal mehr eines der übelsten neoliberalen Zaubertrickli der Gegner in den Vordergrund getreten:

Der "Wettbewerb".

Nicht wahr, das klingt doch toll in den Ohren; Wettbewerb sorgt für Innovation, für Verbesserungen, für Buhlen um den Kunden, als den man sich bei all diesen Sprüchen angesprochen glaubt.

Was ist denn eigentlich Wettbewerb? Jeder kennt dieses Glücksspiel aus dem Alltag - überall werden sie einem angeboten, diese Wettbewerbe, die man in Deutschland "Preisausschreiben" nennt.
Bei beidem ist eigentlich allen klar:

Ein Wettbewerb ist ein Glücksspiel, bei dem einer oder einige wenige einen grossen Gewinn einsacken dürfen, während der zahlenmässig viel grössere "Rest" der Teilnehmer leer ausgeht - ausser Spesen nix gewesen.

Ein Wettbewerb hat also überhaupt nichts mit Qualität oder Innovation gemeinsam - nicht im geringsten damit zu tun; weder im Alltag, noch in der neoliberalen Wirtschaftsordnung. Im einen wie im anderen Fall produziert ein Wettbewerb nur wenige Gewinner - und einen Haufen Verlierer.

Das ist aber nur die erste Hälfte des Zaubertricklis.

Für die zweite Hälfte möchte ich Bezug auf den Herrn nehmen, der sich in der Arena-Sendung als Buchhändler ausgegeben hat, aber eigentlich nur einen Internet-Versand führt. (Unter einem Buchhändler verstehe ich was anderes).

Die Schilderungen, wie sie von diesem Herrn und auch von FDP-Noser zu hören waren, zeigten vor allem ein seltsames Bild eines "Buchkäufers".
"Wir kaufen Bücher mit der Familie am Sonntagabend im Internet".... meinte Herr Noser.
Wie idyllisch!
Die Kunden, die ich - als selbiger - in den hiesigen Buchhandlungen beobachten kann, entsprechen aber so überhaupt nicht diesem Bild von der Schweizer Familie als Hauptkundschaft, die sich in gegenseitiger Uebereinkunft Bücher aus dem Internet im Doppel- und Dreierpack bestellen...
Ich weiss natürlich, dass ich als gestrafter Single keine Lobby in Bern habe, aber ich sehe auch in den Läden viele Mütter und Väter, die durch die Regale flanieren und sich da und dort einen Blick ins Buchinnere erlauben - und dies selten mit der Familie oder in der Kinderabteilung.

Wenn ich ein Buch kaufe, dann möchte ich dies nicht auf dem Internet-Explorer 2-dimensional machen, sondern ich will es in der Hand halten, bevor ich mich zum Kauf entscheide.
Ich will die Verarbeitung prüfen, die Papierqualität, ich will die Aufmachung sehen, die Art des Textflusses.... ich meine, ich kaufe zwar auch, aber nicht hauptsächlich Romane. Und wenn ich ein Sachbuch brauche, sagen wir im technischen oder naturwissenschaftlichen Bereich, dann will ich auch kurz durchblättern... wie ist es gestaltet? Wie ist der Text? Ist er sachlich-wissenschaftlich oder im Plauderton? Ist das Buch reichlich illustriert? Taugen die Bebilderungen etwas? Entspricht es meiner Vorstellung dessen, was ich erwarte?

Und nun zurück zu unserem Herr Internetverkäufer, der die Zukunft nur noch in e-books und in Günstigangeboten in seinem Versandhandel sieht:

Ich kaufe Bücher nicht in 3für2-Angeboten. Ich bestelle bei Ihnen auch nichts, wenn ich 30% Rabatt erhalte, denn ich bin als Leser auf die Autoren angewiesen und habe deshalb kein Interesse, auf diese Druck via Grossverleger auszuüben, die es sich aufgrund ihrer Marktposition leisten können.

DIESE Art Wettbewerb, um wieder auf das Zaubertrickli zu kommen, ist der Untergang einer Branche. IHRE Art Wettbewerb findet nur auf der Ebene des Preises statt. So was können sie meinetwegen bei Massenartikeln machen. ICH als Leser möchte aber nicht, dass in einigen Jahren Bücher nur noch Massenartikel sind.
IHRE Art Wettbewerb wird dazu führen, dass SIE mir nur noch Bücher verkaufen wollen (und werden), die sie en gros günstig einkaufen können. Das wiederum kann Ihnen nur ein Grossverleger anbieten und der wiederum bestimmt, was in seinen Verlag kommt und was nicht.
DIESE Art Wettbewerb führt eben NICHT, wie die neoliberalen Gauner ständig behaupten, zu besserer Qualität für die Leserschaft - sie führt zum "survival of the fittest", zum Alleinüberleben derer, die die finanziellen Mittel haben - sowohl im Handel, als auch beim Verlag, bis hin zum Autor, den SIE mir dann vor die Nase setzen, obwohl im Hintergrund hunderte besserer (nach meinem Gusto als Kunde) Autoren vor verschlossenen Türen stehen.

Dito gilt eigentlich für viele andere Branchen auch. Aber bei Joghurts können Sie vielleicht den Leuten weis machen, dass im Supermarkt-Billigbecher für 30 Rappen pro 100g dasselbe drin sei, wie in einem richtigen Joghurt.... nur.... bei Büchern ist der Unterschied der Geschmäcker eben doch frappant.
Ihr Wettbewerb wird aber nicht dazu führen, dass die Bücher mit den besten INHALTEN die meisten Käufer findet, sondern jenes, dass am billigsten produziert und am besten vermarktet wird.

Die Buchpreisbindung sorgt im Gegensatz für festgesetzte Preise, die im Vorfeld ausgehandelt werden. Der Wettbewerb spielt trotzdem - nur, jetzt halt nicht mehr auf der Preisebene. Jetzt gewinnt der Autor, der das beste Buch herausbringt.

Habe fertig mit Zaubertrickli.
PS:
Herren Internethändler und Noser:
Gute Bücher sorgen auch dafür, dass der Zauber solcher Trickli verpufft. Das möchten Sie offenbar nicht.
.
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