Britische Kolonialgeschichte vor dem Richter
publiziert: Freitag, 5. Okt 2012 / 23:56 Uhr
Das britische Aussenministerium will Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen.
Das britische Aussenministerium will Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen.

London - Drei Kenianern steht der Klageweg gegen die britische Regierung wegen Kolonialverbrechen in den 1950er Jahren offen: Am Freitag entschied ein Londoner Gericht, ein Verfahren wegen mutmasslicher Verbrechen bei der Niederschlagung der Mau-Mau-Bewegung sei zulässig.

Alles was Recht ist! Gesellschaftsgründungen, Rechtsberatung, Prozessführung etc.
«Ein faires Verfahren» zu den Vorwürfen der Kenianer sei zulässig, entschied der High Court als oberstes Gericht. Die Beweislage erscheine im Wesentlichen stichhaltig, urteilte Richter Richard McCombe. Die Justiz müsse den Klagen daher nachgehen. Die Kläger werfen den Briten brutale Misshandlungen in den Internierungslagern der Kolonialzeit vor.

Die Anwälte der mutmasslichen Opfer begrüssten das Urteil als «historisch». Eine Unterstützerin sagte vor dem Gerichtsgebäude: «Am wichtigsten ist, dass nun endlich die Wahrheit herauskommt.»

Aussenministerium will sich gegen Klage wehren

Das britische Aussenministerium erklärte hingegen, es sei von dem Urteil «enttäuscht» und kündigte an, Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen. Es erklärte, Zivilklagen müssten nach britischen Recht innert drei bis sechs Jahren vorgebracht werden.

Zudem seien die Verantwortlichen von damals mittlerweile tot oder nicht in der Lage, sich zu den Vorwürfen zu äussern. Gleichzeitig teilte es mit, die Beziehungen zwischen beiden Ländern seien heute sehr gut und beide Völker seien einander eng verbunden.

Die drei älteren Kläger - eine Frau und zwei Männer - Jane Muthoni Mara, Paulo Muoka Nzili und Wambugu Wa Nyingi geben an, während des Mau-Mau-Kriegs in den 1950er Jahren in Internierungslagern von britischen Soldaten misshandelt worden zu sein. Laut ihren Anwälten wurde Nzili kastriert, Nyingi schwer geschlagen und Mara Opfer schweren sexuellen Missbrauchs.

Richter McCombe sagte am Freitag, die vorliegenden Archivdokumente zu der Kolonialzeit könnten «ein sehr vollständiges Bild davon zeichnen, was in Regierungs- und Militärkreisen sowohl in London als auch in Kenia vor sich ging».

Vater von US-Präsident Obama interniert

Der Aufstand der Mau-Mau gegen die britische Kolonialherrschaft war von den Briten niedergeschlagen worden. Mehr als zehntausend Menschen wurden getötet, möglicherweise sogar noch deutlich mehr. Zehntausende wurden interniert, darunter der Vater von US-Präsident Barack Obama.

Die drei Kenianer beklagten, die britische Regierung habe alles getan, um die Klagen abzuschmettern, indem sie argumentierte, dass die vorgetragenen Fälle zu lange zurücklägen. Die Kläger hielten dagegen, dass es sich um aussergewöhnlich schwere Verbrechen handle. Ein vierter Kläger ist mittlerweile verstorben.

Die von der Regierung in Nairobi und der kenianischen Menschenrechtskommission unterstützten Kläger verlangen eine Entschuldigung von Grossbritannien. Ausserdem fordern sie die Einrichtung eines Wohlfahrtsfonds für etwa tausend noch lebende ehemalige Gefangene.

 

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Alles was Recht ist! Gesellschaftsgründungen, Rechtsberatung, Prozessführung etc.
Sie suchen Beratung, Sie brauchen Unterstützung. Sie setzen auf Erfolg und verlangen rasch messbare Resultate.
MENZI & PARTNER
Blaufahnenstrasse 14
8001 Zürich
Mindestens ein Verdächtiger muss sich demnach wegen Terrorvorwürfen verantworten. (Symbolbild)
Mindestens ein Verdächtiger muss sich demnach wegen ...
Dschihadistengruppe  Sydney - Die Polizei hat in Australien nach eigenen Angaben Anschläge von Sympathisanten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vereitelt. Diese hätten öffentliche Exekutionen auf den Strassen des Landes geplant, sagte Premierminister Tony Abbott am Donnerstag vor Journalisten. 
Nationen wollen schnell gegen IS-Miliz vorgehen Paris - Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) formiert sich eine breite internationale ...
Frank-Walter Steinmeier: Es ist Zeit zu handeln. (Archivbild)
Hollande ruft zu dringender Hilfe in Kampf gegen IS auf Paris - Im Kampf gegen die Extremistenorganisation Islamischer ... 1
Streit entbrannt  Rapperin Iggy Azalea (24) will gerichtlich gegen ihren Ex vorgehen - dabei geht es aber ...
Iggy Azalea  versucht ihren Exfreund rechtlich in seine Schranken zu weisen.
Iggy Azalea hat noch mehr Songs auf Lager Musikerin Iggy Azalea (24) bringt sechs neue Songs auf ihrer neu aufgelegte Platte 'The New Classic' heraus - ...
Iggy Azalea hört wohl gar nicht mehr auf Songs zu schreiben.
Titel Forum Teaser
Thomas Peter ist Professor für Atmosphärische Chemie an der ETH Zürich.
ETH-Zukunftsblog Zum Zustand der Ozonschicht Alle vier Jahre untersuchen hunderte Wissenschaftler unter der ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
DO FR SA SO MO DI
Zürich 14°C 20°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Basel 12°C 21°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen leicht bewölkt, Gewitter, Regen
St.Gallen 15°C 22°C leicht bewölkt leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
Bern 14°C 24°C leicht bewölkt leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Luzern 14°C 25°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Genf 14°C 24°C leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
Lugano 16°C 20°C bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten