Britischer Premier Blair am Donnerstag vor US-Kongress: Für Bush problematisch
publiziert: Mittwoch, 16. Jul 2003 / 08:00 Uhr

Washington - Der britische Premier Tony Blair galt als der treueste Verbündete von US-Präsident George W. Bush im Kampf gegen den Feind in Irak - weshalb er daheim als Bushs "Pudel" verhöhnt wurde, in den USA dagegen Heldenstatus erreichte. Die Zeiten haben sich gewandelt.

Bush bei seiner State of the Union Rede im Januar 2003.
Bush bei seiner State of the Union Rede im Januar 2003.
Heute müssen sich Bush und Blair des Vorwurfs erwehren, mit manipulierten Geheimdienstinformationen ihre Länder in den Krieg geführt zu haben.

Und der öffentliche Druck hat Risse in der Allianz zwischen den beiden Kriegspartnern aufbrechen lassen, die wohl auch der anstehende Besuch Blairs am Donnerstag in Washington nicht wird übertünchen können.

Eigentlich sollte diese Reise in die USA für Blair ein Triumphzug werden. Ihm wird die seltene Ehre zuteil, in einer gemeinsamen Sondersitzung von Senat und Repräsentantenhaus sprechen zu dürfen - womit ihm der Kongress für seine Unterstützung im Irakkrieg dankt.

Doch für Bush sei der Besuch des Briten zum jetzigen Zeitpunkt "sehr problematisch", da dadurch die Versuche gestört würden, die öffentliche Debatte über die fragwürdigen Geheimdienstberichte zu stoppen, sagt Joseph Cirincione, Aussenpolitikexperte an der Carnegie-Stiftung in Washington.

Vor dem Krieg sei Blair für den Präsidenten ein unverzichtbarer Partner gewesen, da er geholfen habe, die Unterstützung der US-Öffentlichkeit für die Militäraktion zu gewinnen. Heute sei der Brite für Bush "entbehrlich".

So hat der US-Präsident auch nicht davor zurückgescheut, seinen Ruf auf Kosten Blairs zu verteidigen.

Im Januar hatte Bush noch in seiner Rede zur Lage der Nation die fragwürdigen britischen Geheimdienstinformationen zitiert, wonach der damalige irakische Machthaber Saddam Hussein in Afrika Uran für Atomwaffen zu kaufen versucht haben soll.

In den Rücken gefallen

Der Chef des Geheimdienstes CIA, George Tenet, streute dafür Asche auf sein Haupt, dass seine Behörde den entsprechenden Satz in der Rede freigegeben hatte.

Der Rückzieher kam einem Tritt in die Kniekehle des britischen Premiers gleich - denn der hält daran fest, dass die Informationen seiner Agenten über die Afrika-Connection korrekt seien.

Der britische Aussenminister Jack Straw bestätigte zwar Medienberichte, wonach die CIA die Kollegen in London bereits im September vor der Verwendung dieser Informationen gewarnt haben soll.

Der britische Geheimdienst habe diese Empfehlung aber abgelehnt, da er über zusätzliche Informationen verfügt habe, die er nicht der CIA nicht mitgeteilt habe.

Woher diese mysteriösen Zusatzinformationen stammen sollen, bleibt im Dunkeln. Frankreich und Italien haben dementiert, dass ihre Geheimdienste die Quelle seien.

Todesstrafe für britische Gefangene?

Fraglich ist auch, ob der Premier in Washington mehr abholen kann als die symbolische Ehrung im Kongress.

Dabei könnte er einen Nachweis gut gebrauchen, dass seine "spezielle Beziehung" zu den USA konkrete Vorteile bringt - etwa für den Umgang mit den neun britischen Staatsbürgern im US-Gefangenlager Guantánamo auf Kuba.

Zwei von ihnen sollen offenbar vor militärische Sondertribunale gestellt werden, die die Todesstrafe verhängen dürfen.

In Grossbritannien meinen viele, dass die Überstellung der beiden Männer an die Behörden ihres Heimatlandes das Mindeste ist, was Bush tun kann, um Blair seine Dankbarkeit zu beweisen.

(Daniel Jahn/afp)

 
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