Olympia Ski alpin: Riesenslalom Damen
Bronze! Sonja Nef rettet Schweizer Skiteam vor dem totalen Debakel
publiziert: Freitag, 22. Feb 2002 / 21:27 Uhr / aktualisiert: Samstag, 23. Feb 2002 / 09:57 Uhr

Park City - Endlich eine Medaille für die Schweizer Alpinen: Sonja Nef holt im Riesenslalom Bronze. Die Kroatin Janica Kostelic wird überlegen Olympiasiegerin. Silber geht an die Schwedin Anja Pärson. Sonja Nef rettete mit einem 3. Platz die Schweizer Skination vor dem totalen Debakel.

Janica Kostelic wird zur grossen Figur der alpinen Wettkämpfe und dieser Spiele: Nach Gold im Slalom und der Kombination sowie Silber im Super-G feierte sie im Riesenslalom den dritten Triumph.

Das nationale Ski-Elend schien auch im 9. alpinen Wettbewerb seine Fortsetzung zu nehmen. Sonja Nef beging mit der Nummer 1 nach dem Start einen groben Fehler, erreichte während des ganzen Kurses nie den vollen Speed und schlug sich am Ziel die Fäuste an den Helm. Nur Rang 6 -- fast eine Sekunde hinter der überragenden Janica Kostelic, auch bereits vier Zehntel auf Alexandra Meissnitzer - doch weniger als zwei Zehntel Abstand auf Michaela Dorfmeister, Anja Pärson und die verblüffende Spanierin Maria Jose Rienda-Contreras. Der Traum von Gold war bereits geplatzt, dagegen lagen Silber und Bronze noch in Reichweite -- und das ist für das gebeutelte Skiteam mittlerweile so viel wert wie Gold.

Nef: «Auch mit Bronze glücklich»

Nochmals griff Sonja Nef voll an und ging auch an die Spitze. Dennoch geriet sie ins Zittern, als Anja Pärsen, Vierte nach dem ersten Lauf, sie um über drei Zehntel übertraf. Und noch standen die uneinholbar scheinenden Meissnitzer und Kostelic am Start. Die Österreicherin, zweifache Medaillengewinnerin von 1998 in Nagano, hielt diesmal der Nervenbelastung nicht stand und fiel um 0,28 Sekunden hinter die Schweizerin zurück -- damit stand der Medaillengewinn schon vor der letzten Fahrt von Kostelic fest.

«Ich wünschte mir zwar Gold», sagte Nef, «aber ich bin auch mit dieser Bronzemedaille sehr glücklich. Ich muss froh sein, dass ich nach dem Fehler im ersten Lauf nicht ausgeschieden bin.» Damit hat eine Odysee von Sonja Nef durch die Grossanlässe ein Ende gefunden. Im letzten Jahr errang sie in St. Anton nach mehreren Pleiten an Weltmeisterschaften ihren ersten Titel, jetzt in Park City nach den verpatzten Spielen von 1988 (zwei Ausfälle) verdientermassen auch eine Olympiamedaille. «Die Enttäuschungen haben mich stark gemacht. Durch sie bin ich gereift», meinte die Appenzellerin, die im April 30 wird.

Die übrigen Schweizerinnen fuhren -- wie ihre Vorgänger und Vorgängerinnen -- «schweizerisch». Zwar griffen sowohl Lilian Kummer als auch Fränzi Aufdenblatten beherzt an, aber beide kamen nicht weit. Kummer, Weltcupsiegerin in Lienz, rutschte im Mittelteil, wo schon die beiden norwegischen Medaillenanwärterinnen Andrine Flemmen und Stina Hofgard Nilsen gestürzt waren, auf dem Innenski weg. Bei der ersten Zwischenzeit lag sie -- als Fünfte -- noch 18 Hundertstel vor Kostelic.

«Ich fühlte mich gut», meinte die Walliserin, «ich glaubte, es sei mein Tag. Aber der Schnee war dort so seifig -- warscheinlich glitt ich auf dem Innenschuh weg». Auch Fränzi Aufdenblatten besass als 8. bei der ersten Zwischenzeit -- ebenfalls vor Kostelic und Nef (!) -- noch alle Chancen, ehe auch sie von der Schweizer Pechsträhne erfasst wurde. Corinne Rey-Bellet beendete das Rennen als 13. «Die Medaille von Sonja ist gut für den alpinen Skisport», bemerkte Swiss-Olympic-Chefcoach Hansjörg Wirz, «es ändert aber nichts daran, dass gewisse Dinge überdacht werden müssen. Die Ausbeute entspricht nicht den Podestplätzen im Weltcup.»

Kostelic wie Killy und Sailer

Janica Kostelic egalisierte mit ihrem dritten Goldmedaillengewinn nicht nur die bisherigen Triple-Sieger Toni Sailer (1956) und Jean-Claude Killy (1968), sondern übertraf diese dank dem 2. Platz im Super-G sogar noch um eine Auszeichnung. Damit gelang der 20-jährigen Kroatin ein Exploit, der im heutigen Leistungssport undenkbar schien. Hätte sie auch noch an der Abfahrt teilgenommen, in dieser Verfassung wäre ihr auch in dieser Disziplin eine Medaille zuzutrauen gewesen.

«Ich war schon vor dem Riesenslalom völlig ausgepowert», meinte Kostelic, «und ich glaubte, mein Glück schon vorher aufgebraucht zu haben. Dabei habe ich in dieser Disziplin in den letzten drei Wochen höchstens zwei, dreimal trainiert». Und im Weltcup war sie nie besser als 10. und 12. gewesen. Dennoch nahm auch eine ausgelaugte Kostelic der gesamten Konkurrenz eine Sekunde und mehr ab. Da fragt man sich: Wie gross wäre wohl der Vorsprung gewesen, wenn sie nicht ausgepowert gewesen wäre? Und man stellt sich auch noch andere Fragen.

(kil/news.ch)

.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 21
Wo finden die olympischen Winterspiele 2026 statt?
Wo finden die olympischen Winterspiele 2026 ...
Austragungsort noch offen  Lausanne - Wirtschaftsvertreter der Kantone Wallis und Waadt wollen die Olympischen Winterspiele 2026 in die Westschweiz holen. Der Austragungsort ist noch offen. Alle Westschweizer Kantone und Bern sollen sich an den Winterspielen beteiligen. mehr lesen 
Ermittlungen wegen möglicher Verschwörung und Betrugs  Das US-Justizministerium hat offenbar Ermittlungen wegen des Verdachts auf systematisches Doping ... mehr lesen  
Russland steht unter Druck. (Archivbild)
Sportnation verliert vollends an Glaubwürdigkeit  Immer neue Dopingvorwürfe gegen Russland zerstören auch letzte Reste von Glaubwürdigkeit. Der ... mehr lesen  
Angeblich soll ein staatliches Dopingsystem massgeblich zum Erfolg an den Winterspielen 2014 beigetragen haben.
Titel Forum Teaser
  • kurol aus Wiesendangen 4
    Das Richtige tun Hatten wir schon, talentierte Spieler wechselten zu Bayern und ... Mi, 01.06.16 12:01
  • Kassandra aus Frauenfeld 1781
    Zu dumm nur, dass der Jorian zu 100% aus chemischen Verbindungen besteht, er warnt ... Fr, 22.01.16 21:16
  • Pacino aus Brittnau 731
    Weltweit . . . . . . wird Hanf konsumiert. Zum Genuss aber auch als Arzneimittel. ... Fr, 22.01.16 08:58
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    1 : 0 Daesh (IS) vs. Freie Restwelt Es läuft aber immer noch die erst Halbzeit. Verlängerung und ... Di, 17.11.15 22:26
  • Bogoljubow aus Zug 350
    Wenn die Russen flächendeckend gedopt haben, dann muss man die Ergebnisse sehr genau ... Fr, 13.11.15 10:53
  • jorian aus Dulliken 1754
    5'000'000 zu 0 für die Verschwörungstheoretiker! Was heute um 20:15 schönes kommt! http://www.3sat.de/programm/ ... Do, 22.10.15 19:21
  • jorian aus Dulliken 1754
    Der Fussballgott! Der Name dieses Gottes wird im Hörspiel nicht genannt, dennoch weiss ... Fr, 16.10.15 18:51
  • Koelbi aus Graz 1
    Wir freuen uns... ...auf den Test gegen den Lieblingsnachbarn am 17. November. ... Mo, 12.10.15 03:31
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Sa So
Zürich 5°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
Basel 6°C 21°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
St. Gallen 5°C 16°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
Bern 6°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
Luzern 7°C 18°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig freundlich
Genf 9°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig Wolkenfelder, kaum Regen
Lugano 16°C 19°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich wechselnd bewölkt, Regen
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten