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Browser ersetzt die PC-Programme
publiziert: Dienstag, 11. Nov 2008 / 07:56 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 11. Nov 2008 / 08:30 Uhr

Bern - Für die meisten Büroarbeiten braucht man nur noch ein Programm. Der Browser kann nicht nur Informationen aus dem Internet besorgen, sondern textet, organisiert und kalkuliert.

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Der Browser wird zum universellen Programm.
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Die Verlierer dieser neuen Technik sind herkömmliche Programme wie Word und Excel.

Früher diente der PC hauptsächlich als Schreibmaschine. Wer damit Texte verfassen wollte, musste ein Textverarbeitungsprogramm kaufen und installieren. Microsoft Word zählt hier zu den bekanntesten Produkten.

Wer mit seinem PC auch kalkulieren wollte, kaufte ein weiteres Programm, meist Microsoft Excel. Die Regel, dass man auf einem PC nur Arbeiten erledigen kann, für die man die passenden Programme gekauft hat, ist inzwischen aber hinfällig.

Heute kann mit dem PC Word-Dokumente oder Excel-Kalkulationen erstellen, ohne je ein Produkt von Microsoft gekauft zu haben oder überhaupt Windows zu nutzen.

Ein Alleskönner

Das universelle Programm für alle Aufgaben ist der Internetbrowser. Ursprünglich brauchte man ein solches Programm nur, um sich von www zu www durch das Internet zu klicken. Inzwischen ist der Browser aber zum Alleskönner geworden. Mit ihm kann man direkt und kostenlos komplexe Dokumente erstellen, Kalkulationen durchführen und sogar Fotos retuschieren. Diese Kunststücke beherrschen sowohl der Internet-Explorer als auch Apples Safari oder der unabhängige Firefox.

Der Browser wird zum universellen Programm, weil er dazulernen kann. Er erhält dazu Programmcodes aus dem Internet und erweitert so mit unzähligen kleinen Programmhäppchen seine Fähigkeiten.

Flexibel und flink

Da der Browser immer nur jene Funktionen aus dem Internet dazulernt, die er benötigt, bleibt dieses System flexibel und flink. Wer seinen Browser in Word verwandeln will, tippt einfach die Adresse http://writer.zoho.com ein und klickt auf den Link Schnellerstellung. Sekunden später startet die Textverarbeitung im Browser.

Beim ersten Aufruf muss der Browser noch viel dazulernen, was bei einer langsamen Internetverbindung länger dauern kann. Ein späterer Start geht dann aber rasch, weil der Browser einmal benutzte Programmteile auf der PC-Festplatte speichert.

Man kann in Zoho - wie von einer Textverarbeitung gewohnt - irgendwo in den Text klicken und tippen. Es lassen sich unterschiedlichste Schriften, Auszeichnungen und Farben verwenden. Grafiken oder Fotos lassen sich vom PC einfügen und der Text sofort ausdrucken.

Wer sich bei Zoho kostenlos registriert, kann die Dokumente sogar direkt per E-Mail versenden oder in unterschiedlichsten Formaten auf dem PC speichern. Selbstverständlich kann man auch ein bereits auf dem PC vorhandenes Dokument ins Internet kopieren und dort überarbeiten. Zoho unterstützt sogar Teamwork: Dokumente können für andere Internetbenutzer freigegeben werden. Diese können dann, ebenfalls direkt im Browser, ein solches Dokument überarbeiten.

Kostenlose Textverarbeitung im Browser gibt es neben Zoho auch von Google (http://docs.google.com), Thinkfree (www.thinkfree.com/) und Adobe (http://www.acrobat.com/).

Microsoft reagiert

Browserprogramme machen für viele Privatanwender die Office-Lösungen von Microsoft überflüssig. Microsoft hat inzwischen diese Konkurrenz erkannt und reagiert.

An der Entwicklerkonferenz PDC2008 zeigte der Software-Riese erstmals «Office Web Applications», die Browserversionen von Word und Excel. Die Browserprogramme werden aber erst im nächsten Jahr, zusammen mit Microsoft Office 14, verfügbar. Die Lösung wird wohl kostenlos sein und durch Werbeeinnahmen mitfinanziert werden.

Heikler Datenschutz

Für professionelle Anwendungen sind aber echte PC-Programme wie Word und Excel - oder deren kostenlose Alternative OpenOffice - weiterhin nötig. Denn die Konkurrenz aus dem Internet beherrscht nicht alle Funktionen.

Sie schwächelt beispielsweise bei der Rechtschreibprüfung oder beim Erstellen komplexer Kalkulationen. Ferner lassen sich die meisten Browserprogramme nur nutzen, während man mit dem Internet verbunden ist. Heikel ist auch der Datenschutz: Die Browserprogramme lagern die Dokumente auf dem Rechner eines Dienstanbieters, dort könnten sie auch von Drittpersonen eingesehen werden.

Fotos und Zeichnungen

Neben den klassischen Büroprogrammen gibt es inzwischen Hunderte weiterer Browserprogramme. So lassen sich bei Picnik (www.picnik.com) oder Splashup (www.splashup.com) Fotos einfach überarbeiten und retuschieren.

Auch in diesem Segment müssen die Marktführer mitziehen, so gibt es unter www.photoshop.com/express eine kostenlose Minivariante des Bildbearbeitungsprogrammes PhotoShop. Bei draw.labs.autodesk.com kann man kostenlos zeichnen, bei mindomo.com Mindmaps erstellen.

Komplettes Büro im Web

Sliderocket.com erstellt Diashows im Internet, und Google Calendar verwaltet Termine. Bei eyeos.org findet man sogar ein komplettes Büro im Internet. Inzwischen gibt es Tausende solcher Browserlösungen von denen einige hundert bei www.gweb20.net aufgelistet sind.

Selbst die Browser auf den Mobiltelefonen werden inzwischen mit solchen Miniprogrammen aufgerüstet. Der Handy Browser Opera Mini lässt sich mit über 100 sogenannten Widgets ergänzen.

(von Kurt Haupt, mid/sda)

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