Bruno Kernen: Bronze nach Aufholjagd
publiziert: Sonntag, 12. Feb 2006 / 19:00 Uhr

Bruno Kernen hat dem enormen Erwartungsdruck standgehalten. Der Berner Oberländer gewann in der Olympia-Abfahrt Bronze. Gold ging an den Franzosen Antoine Dénériaz, Silber an den Österreicher Michael Walchhofer.

Bruno Kernens Fahrt war nicht optimal - sie reichte jedoch für Bronze.
Bruno Kernens Fahrt war nicht optimal - sie reichte jedoch für Bronze.
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Kernens Erfolg ist umso bewerkenswerter, zumal er nach einer nicht optimalen Fahrt zustande kam. Der Berner Oberländer verpasste den ersten Sprung vollends und liess derart viel Zeit liegen.

Kernen schien auf jener Strecke geschlagen, auf der er vor neun Jahren Weltmeister geworden war. Doch dann startete er eine nicht für möglich gehaltene Aufholjagd und wurde mit dem Gewinn der ersten Olympia-Medaille belohnt.

«Der Grat zwischen Übermotivation und kalkuliertem Risiko in einem solch wichtigen Rennen ist sehr schmal», sah Kernen einen Grund für seinen Schnitzer. «Dass es trotzdem noch gereicht hat, macht mich enorm stolz und stellt für mich eine besondere Genugtuung dar.»

Durststrecke beendet

Kernens Erleichterung ist verständlich. An Weltmeisterschaften gewann er zwar schon einen ganzen Medaillensatz, Olympische Spiele hatten ihm bisher aber kein Glück gebracht. 1994 in Lillehammer war er verletzt, 1998 in Nagano schied er aus und 2002 in Salt Lake City blieb er in der internen Qualifikation hängen.

Für das Schweizer Team endete eine 16 Jahr dauernde Durststrecke. Die letzten Olympia- Medaillen in der Abfahrt hatten Pirmin Zurbriggen und Peter Müller mit dem Doppelerfolg 1988 in Calgary geholt.

Walchhofer durfte lange auf den ganz grossen Coup hoffen. Die Zeit, die der mit der Nummer 10 gestartete Salzburger vorgelegt hatte, schien allen Angriffen standzuhalten -- bis Antoine Dénériaz mit der «30» kam.

Rennen des Lebens

Der Franzose fuhr das Rennen seines Lebens und distanzierte Walchhofer gleich um 72 Hundertstel. Dénériaz hat wohl schon drei Abfahrten gewonnen. Nach dem Kreuzbandriss, den er sich vor einem Jahr in Chamonix (Fr) zugezogen hatte, hatte er sich in diesem Winter aber schwer getan. Über den 7. Platz war er im Weltcup bisher nicht hinaus gekommen.

Im wichtigsten Moment seiner Karriere war der 100-Kilo-Brocken aber zur Stelle und sorgte dafür, dass acht Jahre nach dem Sensationstriumph von Jean-Luc Crétier in Nagano erneut Frankreich in der Königsdisziplin den Olympiasieger stellt.

An seiner Rückkehr ganz an die Spitze habe er trotz allem nie gezweifelt, sagte Dénériaz. «Nach dem Kreuzbandriss musste ich viel Geduld aufbringen, habe aber gleichwohl das ganze Jahr am Traum gearbeitet, hier in Sestriere eine Medaille zu gewinnen.»

Die Nummer 30 betrachtete Dénériaz, der am 6. März den 30. Geburtstag feiert, nicht als Nachteil. «Damit habe ich auch schon einmal in Gröden gewonnen. Also dachte ich mir: ´Weshalb soll es nicht auch heute klappen?´»

Enttäuschungen abseits des Podiums

Zweitbester Schweizer war Tobias Grünenfelder. Der Glarner, der sich in der internen Ausscheidung um den vierten Startplatz gegen Didier Cuche durchgesetzt hatte, wurde Zwölfter. Ambrosi Hoffmann und Didier Défago blieben nur die Ränge 17 und 26.

Bei einem Grossanlass gehören die Fahrer abseits des Podiums zu den Verlierern. Diesmal vermochten primär die Amerikaner ihrer Favoritenrolle nicht gerecht zu werden.

Der Weltmeister Bode Miller, der im Abschlusstraining einen bestechenden Eindruck hinterlassen hatte, wurde Fünfter. Daron Rahlves, der in der ersten Übungsfahrt am Donnerstag mit einer überragenden Bestzeit hatte aufhorchen lassen, belegte sogar nur Platz 10.

Mehr erhofft hatten sich unter anderen auch Hermann Maier (6.), Marco Büchel (7.) und Fritz Strobl (8.), der Olympiasieger von 2002. Kjetil André Aamodt verpasste als Vierter seine achte Olympia-Medaille (und die 20. an Titelkämpfen insgesamt) um sechs Hundertstel.

Resultate:
1. Antoine Dénériaz (Fr) 1:48,80. 2. Michael Walchhofer (Ö) 0,72 zurück. 3. Bruno Kernen (Sz) 1,02. 4. Kjetil Andre Aamodt (No) 1,08. 5. Bode Miller (USA) 1,13. 6. Hermann Maier (Ö) 1,20. 7. Marco Büchel (Lie) 1,24. 8. Fritz Strobl (Ö) 1,32. 9. Patrick Staudacher (It) 1,49. 10. Daron Rahlves (USA) 1,53. 11. Pierre-Emmanuel Dalcin (Fr) 1,55. 12. Tobias Grünenfelder (Sz) 1,64. 13. Manuel Osborne (Ka) 1,65. 14. Lasse Kjus (No) 1,84. 15. Scott Macartney (USA) 1,88. Ferner: 17. Ambrosi Hoffmann (Sz) 1,92. 26. Didier Défago (Sz) 2,71. 35. Claudio Sprecher (Lie) 4,54.

(bert/Si)

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