Bruno Kernens «gemässigte» Feier
publiziert: Dienstag, 14. Feb 2006 / 06:59 Uhr

So kontrolliert wie seine Bronze-Fahrt verlief die Medaillenfeier von Bruno Kernen. Als der erste Schweizer Medaillengewinner von «Torino 2006» die In-Disco «Tabata» verliess, feierte sein Kumpel Bode Miller noch lange allein weiter.

«Ich habe meine Feier der Medaillenfarbe angepasst.»
«Ich habe meine Feier der Medaillenfarbe angepasst.»
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Es sei näher bei Mitternacht gewesen als beim Morgengrauen, sagt Bruno Kernen diplomatisch, als er nach dem Zeitpunkt seiner Heimkehr gefragt wurde. «Ich habe meine Feier der Medaillenfarbe angepasst. Schliesslich war es ja nur Bronze und nicht mehr Gold.»

Kein Vergleich mehr also zu jenem legendären und überbordenen Fest von 1997, als Matthias Hüppi auf einem Tisch stand und mit den Refrains der siegestrunkenen Festgemeinde stundenlang Schnitzelbänke kreiierte.

Knöcheltief im Champagner

Der TV-Reporter Hüppi blieb als Einziger im rustikalen Beizchen «Du Grand Père» im Weiler Champlas Janvier unterhalb Sestriere trockenen Fusses. Die andern standen knöcheltief im Bier und Champagner.

Heuer griff Bruno Kernen erst abends um zehn Uhr zum Champagner, als er mit seinem Berufskollegen Michael Walchhofer auf Silber und Bronze anstiess. «Schliesslich bin ich neun Jahre älter und vernünftiger geworden», fügt er an.

Das Programm nach seinem Medaillengewinn war dicht gedrängt. Erst die (etwas prosaische) Siegeszeremonie in Borgata, Dopingkontrolle, Medienkonferenz, TV-Interviews bei allen drei Schweizer Stationen, dann auch beim ORF.

Erst abends um zehn Uhr kam Kernen dazu, etwas zu essen -- nach über 24 Stunden Fasten. «Da ich vor einem Rennen nie frühstücke und auch fürs Mittagessen keine Zeit fand, hatte ich einen ziemlichen Hunger.»

Nach 300 SMS platzte der Speicher

In der Zwischenzeit war Kernen damit beschäftigt, seinen SMS-Speicher zu leeren. Nach 300 SMS war der Speicher proppenvoll, so dass er Platz schaffen musste für ständig neu eintreffende Glückwünsche. Dafür erhielt er im Gegensatz zu 1997 kein einziges Telegramm mehr. «Das ist», so Kernen, «wahrscheinlich aus der Mode gekommen.»

In gewissen Dingen ist der sonst so trendige Kernen durchaus konservativ geblieben, vor allem was die Trainingslehre anbetrifft. «Ich stamme aus der alten Schule der Aera Heinzer, Mahrer und Besse. Dem Training aus dem Reagenzglas kann ich nicht so viel abgewinnen. Früher hatten wir noch einen Zehnkämpfer als Konditionstrainer. Wenn ich einen Berglauf mache, habe ich aus wissenschaftlicher Sicht vielleicht nicht optimal trainiert, dafür skispezifisch.»

So hatte Kernen in diesem Sommer «so viel Golf gespielt wie noch nie» -- und war übrigens mit einer fantastischen Runde von 3 über Par Klubmeister geworden.

«Als Olympiasieger wäre ich zurückgetreten»

24 Stunden nach seiner Medaille verriet Kernen auch, was er damit gemeint habe, als er sagte: «Nur bei einer Option wäre ich zurückgetreten.» Das wäre der Olympiasieg gewesen. «Ja», sagt Kernen, «dann hätte ich aufgehört.» Jetzt fährt er noch mindestens bis 2007 weiter, obwohl er anfügt, «definitiv entscheide ich mich erst Ende Saison.»

Diese Bronzemedaille habe seiner beruflichen Zukunft «sicher nicht geschadet», findet Kernen. Im Moment absolviere er eine Handelsschule, doch was er künftig einmal mache, wisse er nicht: «Ich bin ein Adrenalin-Junkie. Ich brauche deshalb etwas, das mich herausfordert.»

Das Geheimnis der «Kernen-Wochen»

Kernen gab auch noch einen Einblick in sein Gefühlsleben vor seinem letzten wirklich grossen Rennen: «Ich spürte das Messer am Hals, weil es meine letzte Olympia-Abfahrt war. Plötzlich habe ich angefangen zu schlottern. Eine völlig neue Erfahrung für mich.»

Er verriet auch, dass er mit dem Sportpsychologen Hanspeter Gubelmann Kontakt gehabt habe: «Ich sage sicher nicht, wie oft wir miteinander telefoniert haben. Aber es hat Zeiten gegeben, in denen wir intensiver miteinander gearbeitet haben.»

Vielleicht hilft Gubelmann ihm irgendwann noch mal auf die Sprünge, wie er die legendären «Kernen-Wochen» (Doppelsieg in Veysonnaz, zwei WM-Medaillen 1997, zwei Podestplätze am Lauberhorn 2003) vielleicht in «Kernen-Monate» oder «Kernen-Winter» ausdehnen könnte.

«Ich bin jetzt seit 1992 im Weltcup. Und seither versuche ich das zu ergründen, ohne eine Antwort zu finden.» Vorläufig befindet er sich aber noch in der ersten Olympia-Woche, die sich ja nicht so schlecht angelassen hat.

(von Richard Hegglin, Sestriere/Si)

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