Hemmschwelle sinkt
Brutale Videospiele schmälern Selbstkontrolle
publiziert: Dienstag, 11. Feb 2014 / 09:27 Uhr
Laut einer Studie essen Jugendliche übermässig Schokolade und betrügen vermehrt.(Symbolbild)
Laut einer Studie essen Jugendliche übermässig Schokolade und betrügen vermehrt.(Symbolbild)

Ohio/Wien - Gewalt-Videospiele führen bei Jugendlichen nicht nur zu einem höheren Konsum von Schokolade, sondern auch zur grösseren Bereitschaft für kleinene Betrügereien wie das Stehlen von Gewinnlosen.

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Dies geht aus einer Studie der Ohio State hervor. Dafür wurden 172 italienische Teenager im Alter von 13 bis 19 Jahren untersucht. Laut Co-Autor Brad Bushman, Professor für Kommunikationswissenschaft und Psychologie, setzen aggressive Games die Selbstbeherrschung der jungen Spieler herab.

Priming-Effekt wirkt

"Zum einen kann man annehmen, dass auch hier der Priming-Effekt wirkt, durch den das Erleben der aggressiven und anregenden Videospiel-Situation die nachfolgenden Handlungen entsprechend beeinflusst", erklärt Psychotherapeut Dominik Rosenauer gegenüber pressetext. Dieser Effekt sei aus der Experimentalpsychologie schon länger bekannt und könne auch wirken, ohne dass sich die Probanden dessen bewusst sind.

Rosenauer zufolge führt die Belohnung des aggressiven, illegalen Verhaltens im Game in Form von Punkten dazu, dass ähnliches Verhalten auch während des Spielens erhöht wird. "Es ist anzunehmen, dass die Probanden sich vorher nicht unterschieden haben. Dennoch geht aus der Publikation nicht hervor, ob diese entsprechend gleich verteilt beziehungsweise überhaupt vorher getestet worden sind", bemerkt der Experte. Zusätzlich werde keine Aussage darüber getroffen, wie lange der Effekt nach dem Spiel angedauert hat.

Einen Langzeiteffekt bezweifelt Rosenauer. "Es ist nicht anzunehmen, dass sich hier eine andauernde Verhaltensänderung im Sinn einer Beeinflussung der Spielerpersönlichkeit gezeigt hat", schildert er. Generell sei bekannt, dass Spieler, die zu Gewalt und Aggression neigen oder nicht sehr behütet von den Eltern aufwachsen, mehr Zeit vor dem Fernseher sowie mit Videospielen verbringen. "Es ist also davon auszugehen, dass mehrere Faktoren neben dem Videospiel hier eine Rolle spielen", resümiert der Psychotherapeut.

Hemmschwelle sinkt

Die Probanden sind dazu aufgefordert worden, entweder ein gewaltsames Videogame wie Grand Theft Auto III oder ein harmloses wie Pinball 3D für 35 Minuten zu spielen. Neben den Spielern ist dabei eine Schüssel gefüllt mit M&M's platziert worden. Den Ergebnissen zufolge haben jene Versuchteilnehmer mit dem aggressive Videogame in kurzer Zeit mehr als dreimal so viel von der Schokolade gegessen als die andere Gruppe.

Anschliessend sollten die Jugendlichen verschiedene Fragen beantworten, um ein Los für jede richtige Antwort zu gewinnen. Die Lose konnten für bestimmte Preise eingelöst werden. Dabei wurden die Testpersonen dazu instruiert, sich die korrekte Anzahl an erbeuteten Losen selbstständig sowie ohne Aufsicht aus einem Kuvert zu entnehmen. Die Resultate zeigen, dass jene, die sich zuvor mit dem brutalen Game beschäftigt haben, acht Mal häufiger betrogen und sich zu grosszügig bei den Gewinnlosen bedient haben als die restlichen.

(ig/pte)

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