Umstrittene literarische Einstufung an Israels Schulen
Buch über jüdisch-arabische Liebe «untauglich»
publiziert: Freitag, 1. Jan 2016 / 22:24 Uhr
Dorit Rabinyan liest Borderline. (Archivbild)
Dorit Rabinyan liest Borderline. (Archivbild)

Tel Aviv - Ein Roman über eine jüdisch-arabische Liebe soll an israelischen Oberschulen nicht im Literaturunterricht behandelt werden. Das Buch «Borderlife» der Autorin Dorit Rabinyan sei vom Erziehungsministerium als untauglich eingestuft worden.

Das berichtete die israelische Zeitung «Haaretz» am Donnerstag. Als Begründung für die Entscheidung des Ministeriums hiess es unter anderem: «Intime Beziehungen zwischen Juden und Nichtjuden bedrohen die getrennten Identitäten.» Jugendliche hätten noch nicht die Fähigkeit, die Gefahr der Assimilierung einzuschätzen.

Chef des Bildungsministeriums ist Naftali Bennett, der Vorsitzende der nationalreligiösen Partei Jüdisches Heim. Bennett verteidigte am Donnerstagabend zwar die Entscheidung, stellte aber zugleich klar, dass er nicht daran beteiligt gewesen sei.

Von Kommission empfohlen

Im Buch geht es um die schwierige Liebe zwischen einer jüdischen Israelin und einem Palästinenser. Auf Hebräisch heisst der Roman «Gader chaja» - wörtlich übersetzt bedeutet das soviel wie lebender Grenzzaun.

Es soll nicht in die Bücherliste für Oberschulen aufgenommen werden, obwohl der für den Literaturunterricht zuständige Repräsentant Schlomo Herzog sowie ein Expertenausschuss dies ausdrücklich empfohlen hatten.

«In all den Jahren meiner Karriere ist mir so etwas noch nie untergekommen», sagte Herzog zu der Entscheidung. Auch viele Literaturlehrer hatten den Wunsch geäussert, im Unterricht über das Buch zu sprechen.

Die Autorin Rabinyan sagte laut «Haaretz», es sei «ironisch, dass ein Buch, das sich mit der jüdischen Furcht vor Assimilierung auseinandersetzt, jetzt aufgrund dieser selben Angst disqualifiziert wird».

Zudem fügte sie an: «Offenbar glaubt irgendjemand im Bildungsministerium weiter daran, dass Literatur die Macht hat, die Dinge im formbaren Bewusstsein der Jugend zu ändern (...), das scheint mir ein Anlass für Optimismus zu sein.» Die Autorin war für das Werk mit dem Bernstein-Preis für hebräische Literatur ausgezeichnet worden.

Kritik von anderen Autoren

Israelische Autoren reagierten empört auf die Entscheidung. Sami Michael sprach von einem «schwarzen Tag für die hebräische Literatur» und Meir Shalev empfahl Schülern, das Buch einfach in ihrer Freizeit zu lesen.

Der international renommierte Autor und Friedenspreisträger des deutschen Buchhandels, Amos Oz, warb in einer lakonischen Stellungnahme dafür, auch die Bibel auf den Index zu setzen, wenn es um das Problem von «sexuellen Beziehungen» zwischen Juden und Nicht-Juden gehe.

«Haaretz»-Kommentator Alon Idan warf der Behörde vor, «die Reinheit des jüdischen Bluts schützen» zu wollen und eine «institutionalisierte Rassentheorie» zu vertreten. Auf den Punkt gebracht könne es nur eine Interpretation der Haltung des Ministeriums geben: «Juden und Arabern ist Sex miteinander verboten.»Haaretz

(bert/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. mehr lesen 19
Benjamin Netanjahu macht einen weiteren Schritt Richtung Frieden.
Benjamin Netanjahu macht einen weiteren Schritt Richtung ...
Positive Elemente für Friedensinitiative  Jerusalem - Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat sich zu neuen Verhandlungen über einen Friedensplan arabischer Staaten bereit erklärt. Netanjahu sagte am Montagabend in Jerusalem, die Friedensinitiative von 2002 enthalte positive Elemente. mehr lesen 
Lieberman in Israels Parlament als Verteidigungsminister vereidigt Jerusalem - Der rechts-nationalistische Politiker ...
Palästinenser wollen internationalen Rahmen für Friedensgespräche Jerusalem - Der palästinensische Ministerpräsident Rami ...
Andreas Kyriacou Die Klage des türkischen Möchtegern-Alleinherrschers Recep Erdogan gegen den Deutschen Satiriker Jan Böhmermann ... mehr lesen   2
Recep Tayyp Erdogan: Liefert Anstoss, Strafgesetzbücher zu entschlacken.
Avigdor Lieberman ist ehemaliger Aussenminister.
Lieberman wird Verteidigungsminister  Tel Aviv - Die ultrarechte Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) hat sich der rechts-religiösen Regierung Benjamin Netanjahus angeschlossen. ... mehr lesen  
Titel Forum Teaser
  • keinschaf aus Wladiwostok 2823
    phallophobe Geschichtsrückblicke "Und die grösste Denkerin des 21. Jahrhunderts? Verdient ihr Geld mit ... Sa, 13.08.16 17:48
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Alle Demonstranten gefilmt. Der Erdogan lässt doch keine Domo gegen sich zu! Die ... Di, 21.06.16 16:42
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Konzernrecht? Konzernpfusch! Was ist denn das? Konzerne werden vorwiegend von Vollidioten geführt. ... Fr, 10.06.16 17:49
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Das wird die Deutschen aber traurig machen. Wenn man keinen Flughafen und keinen Bahnhof ... Mi, 08.06.16 17:49
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) kommt immer mehr unter Druck. Davon sind inzwischen auch ... Do, 02.06.16 19:22
  • zombie1969 aus Frauenfeld 3945
    Der... Daesh (IS) ist in diesen Tagen an allen anderen Fornten unter Druck. ... Mi, 01.06.16 12:39
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Nach Frauenfeld, verehrter zombie wo sie sich mit der Maffia zu einem Zombiestaat vereinen und ganz ... Mi, 01.06.16 11:02
  • Kassandra aus Frauenfeld 1778
    Blödsinn! Das Schaf ist selbst daran Schuld, dass es vom Wolf gerissen wird, ... Mi, 01.06.16 00:50
Jonathan Mann moderiert auf CNN International immer samstags, um 20.00 Uhr, die US- Politsendung Political Mann.
CNN-News Was würde «Präsident Trump» tatsächlich bedeuten? Noch ist absolut nichts sicher, doch es ...
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Fr Sa
Zürich 15°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Basel 18°C 32°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
St. Gallen 16°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Bern 17°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Luzern 17°C 30°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Genf 17°C 31°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
Lugano 19°C 28°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig recht sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten