Gesellschaft stellt Fragen, Wissenschaft gibt Antworten
Bundesrätin Dreifuss eröffnete Festival Science et Cité
publiziert: Freitag, 4. Mai 2001 / 20:25 Uhr

Zürich - Bundesrätin Ruth Dreifuss hat am Freitag das Festival Science et Cité in Zürich feierlich eröffnet. In zehn Städten suchen in den nächsten Tagen Wissenschafter den Dialog mit der Bevölkerung und richten ihre Labors auf öffentlichen Plätzen ein.

Mit einer jüdischen Anekdote zeichnete Bundesrätin Dreifuss die Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft nach: Einst sei ein für seine Weisheit berühmter Rabbiner in höchster Aufregung durch die Strassen geeilt und habe geschrieen: «Ich habe eine Antwort; ich habe eine Antwort... Aber wer kann mir sagen, wie die Frage lautete?»

Das Festival habe zum Ziel, die Begegnung zwischen denen, die Antworten hätten, und denen, die Fragen stellten, zu fördern, sagte Dreifuss. Fragen stelle die Bevölkerung, leider aber nur selten und hauptsächlich dann, wenn Besorgnis sie dazu treibe: «Wozu nützt das?» «Welches sind die Folgen?»

Die «Cité», die Gesellschaft, sei das A und O der «Science», der Wissenschaft. Beide seien aufeinander angewiesen. Die Gesellschaft dürfe weder die Neugier der Forschenden beschränken noch die Macht den Experten überlassen, sagte Dreifuss weiter.

Dies bedinge die Notwendigkeit einer demokratischen Kontrolle. Der Wissenschafter müsse sich von der Würde des Menschen und vom Mitgefühl gegenüber den Lebewesen, die fähig seien zu leiden, leiten lassen.

Der Dialog zwischen der Gesellschaft und der Wissenschaft kann nach Ansicht der Bundesrätin die Erforschung jener Gebiete fördern, die von der Wissenschaft häufig unangetastet bleiben.

Krankheiten, die mit dem Elend der Dritten Welt zusammenhingen, interessierten die Forschenden und die Industriellen der reichen Länder nur wenig. Am wenigsten entwickelt seien die Wissenschaften über die Auswirkungen des Wandels auf Gesellschaft und Umwelt in der westlichen Welt.

Notwendiger Dialog

Der Zürcher Bildungsdirektor Ernst Buschor unterstrich die Wichtigkeit einer öffentlichen Debatte über das Für und Wider moderner Forschung. Das Festival sei ein Ort des gegenseitigen sich Erklärens und der Vertrauensbildung.

An über tausend Veranstaltungen in der Schweiz präsentieren vom 4. bis 12. Mai Wissenschafterinnen und Wissenschafter ihre Forschungsprojekte. Dass Forschende auf die Gasse gehen, ist ein neuartiges Projekt.

Das von der Stiftung «Science et Cité» organisierte Festival hat zum Ziel, Wissenschaft und Gesellschaft im Dialog einander näher zu bringen.

(kil/sda)

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