Langnau steht hinter Bundesrat von Steiger
Bundesrat Eduard von Steiger bleibt Ehrenbürger von Langnau
publiziert: Montag, 18. Feb 2013 / 19:00 Uhr / aktualisiert: Montag, 18. Feb 2013 / 19:39 Uhr
Bundesrat Eduard von Steiger.
Bundesrat Eduard von Steiger.

Bern - Bundesrat Eduard von Steiger (1881-1962) bleibt Ehrenbürger der Emmentaler Gemeinde Langnau. Der örtliche Gemeinderat lehnte es am Montag ab, von Steiger die Ehre abzuerkennen. Hintergrund ist eine Polemik um von Steigers Rolle in der Flüchtlingspolitik während des zweiten Weltkriegs.

4 Meldungen im Zusammenhang
Von Steiger habe als seinerzeitiger Justizminister angeordnet, jüdische Flüchtlinge an der Landesgrenze zurückzuweisen, kritisierten die Jungsozialistinnen und Jungsozialisten (JUSO) kürzlich.

Die Gemeinde solle deshalb von Steigers Ehrenbürgerrecht widerrufen, lautete die Forderung der JUSO. Der Langnauer Gemeindepräsident Bernhard Antener (SP) brachte das Thema daraufhin im Gemeinderat zur Sprache. Rückgängig machen will der Gemeinderat die Ehrung aber nicht, wie er am Montagnachmittag mitteilte.

Verantwortung nicht abnehmen

Dem gebürtigen Langnauer von Steiger und dessen Ehefrau wurde im Juni 1944 von der Gemeindeversammlung einstimmig das Ehrenbürgerrecht verliehen. Dass an der damaligen Gemeindeversammlung die anwesenden Langnauer Kenntnis von den dramatischen Vorgängen an der Grenze und der Rolle des damaligen Bundesrats gehabt haben, dürfe doch bezweifelt werden, kommt der Gemeinderat zum Schluss.

Dennoch hätten die damaligen Entscheidträger für ihr Handeln Verantwortung übernommen. Diese könne und wolle der heutige Gemeinderat ihnen nicht abnehmen.

Lehren ziehen

Die leidvolle Geschichte des zweiten Weltkriegs und die zweifelhafte Flüchtlingspolitik der damaligen Landesregierung könne der Langnauer Gemeinderat nicht rückgängig machen - auch nicht mit einem symbolischen Widerruf des Ehrenbürgerrechts 50 Jahre nach dem Tod des Ehepaars von Steiger.

Der Gemeinderat versuche aber, sich dafür einzusetzen, dass aus Fehlern und Irrtümern der Vergangenheit Lehren gezogen würden und dass solches Leid den Menschen nicht mehr widerfahre.

JUSO bedauert

Die JUSO bedauert laut Mitteilung vom Montag den Entscheid des Langnauer Gemeinderates. Die Jungpartei bedankt sich gleichzeitig aber auch bei der Gemeindeexekutive für ihre klare Stellungnahme.

«Wir sind froh, dass der Gemeinderat es nicht bei diesem Entscheid beruhen lassen will, sondern weitere Schritte ankündigt, damit nachkommende Generationen aus den Fehlern und Irrtümern der Vergangenheit Lehren ziehen können», heisst es.

(fest/sda)

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dann aber
muss der gesamte Bundesrat von 1942-45 berücksichtigt werden, wenn entsprechende Korrekturen an der Geschichte vorgenommen werden sollen!
Ausgleichende Gerechtigkeit?
Paul Grüninger rettete damals ca. 3600 Flüchtlinge vor dem sicheren Tod und wurde dafür mit Entlassung aus dem Dienst ohne Anspruch auf Rente "belohnt". Zudem musste er eine hohe Geldstrafe bezahlen und starb in völliger Armut. Auf der anderen Seite Eduard von Steiger, der abertausende Menschenleben zu verantworten hat wird mit Ehrenbürgerschaft belohnt. Immerhin wurde Grüninger posthum rehabilitiert. So gesehen wäre es eine ausgleichende Gerechtigkeit wenn die Schweizer Behörden auch im Falle von Steigers korrekturen an der Geschichte vornehmen würden.
Zurückhaltend
"dieses traurige Kapitel der Schweizer Geschichte weiter thematisiere, sei die JUSO zufrieden"
Aber, aber JUSO! Warum wieder so schrecklich zurückhaltend? Sagt es doch in euren eigenen Worten, auf was ihr abzielt. In etwa so: "Die Grenzen sind vollständig zu öffnen, jeder erhält ein Aufenthaltsrecht und die CH erträgt ohnehin mühelos 12 oder 15 Millionen Menschen".
Übrig bleibt dann allerdings noch die Frage mit den schwindenden Ressourcen.
wissen wir's denn?
Durchaus denkbar, dass der seinerzeitige Justizminister von Steiger dies im Sinne des Volkes entschieden hatte. Ganz sicher aber im Sinne des Gesamtbundesrats.
Möglicherweise waren massive Drohungen aus Berlin der Grund für diese fatale Anordnung.

Wie auch immer, eindeutig ist für mich, dass von Steiger mit diesem Entscheid 'sein' Volk vor noch mehr Ungemach schützen wollte - worauf wir heutzutags vergeblich warten!
Ihn postum zum (alleinigen?) Bösewicht abstempeln zu wollen, finde ich ziemlich schäbig.

Immerhin ist es doch bemerkenswert, dass sogar die JUSO mittlerweilen erkannt zu haben scheint, dass "... nachkommende Generationen aus den Fehlern und Irrtümern der Vergangenheit Lehren ziehen ..." sollen.
Manche brauche halt immer etwas länger, bis sie in der Gegenwart ankommen ...
.
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