Bus ersetzt wohl bis zu 175 Regiobahnen
publiziert: Sonntag, 14. Okt 2012 / 15:09 Uhr
«Umstellung Bahn-Bus» (Symbolbild)
«Umstellung Bahn-Bus» (Symbolbild)

Bern - Mehr als jeder zweiter Schweizer Regionalbahnlinie droht die Umstellung auf Busbetrieb. Geht es nach dem Plänen des Bundesamtes für Verkehr (BAV), muss der Regionalverkehr auf der Schiene künftig einen Kostendeckungsgrad von 50 Prozent erreichen.

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Von 300 regionalen Eisenbahnlinien weisen derzeit rund 175 einen Kostendeckungsgrad von weniger als 50 Prozent auf. Dringt das BAV mit seinen Plänen durch, müsste in Zukunft bei ungefähr jeder zweiten Linie vor grösseren Investitionen in Betriebsmittel geprüft werden, ob nicht wirtschaftlichere Alternativen bestehen.

Mit der Definition von einheitlichen Prüfkriterien werde ein Instrument geschaffen, welches einzelfallweise die Prüfung von Bahnlinien ermöglicht, begründet das BAV seine Pläne.

Der Vorschlag des BAV zum Kostendeckungsgrad für Regionalbahnlinien stammt aus einer Verordnung zur Bahnreform 2. Diese wurde letzte Woche in die Vernehmlassung gegeben, wie die «NZZ am Sonntag» berichtete. Kantone und andere andere Betroffene können bis zum 22. November zum Entwurf Stellung dazu nehmen.

Besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis

Gemäss dem im Internet veröffentlichten Verordnungsentwurf sollen Besteller bei Bahnlinien unter einem bestimmten Kostendeckungsgrad konkret prüfen müssen, ob nicht alternative Angebote mit einem besseren Kosten-Nutzen-Verhältnis existieren. Um Fehlinvestitionen in die Infrastruktur zu vermeiden, soll beim Entscheid einer Umstellung auch die Substanz der bestehenden Infrastruktur berücksichtigt werden.

Bei einer Linie, deren Infrastruktur vor kurzem Zeit komplett erneuert wurde, werde eine Umstellung in der Regel wenig Sinn machen, heisst es im Entwurf. Diene eine Strecke vorwiegend dem regionalen Personenverkehr, müsse sie allenfalls aufgehoben werden. Dabei resultierten hohe Sonderabschreibungen in der Sparte Infrastruktur.

Wenn die betreffende Strecke für andere Verkehrsarten wie den Fern- oder den Güterverkehr ohnehin weiterbetrieben werden müsse, könnten auf Seiten Infrastruktur nur geringe Einsparungen erzielt werden. Eine enge Abstimmung zwischen Verkehr und Infrastruktur sei daher zwingend notwendig, meint das BAV in seinem Begleitschreiben.

Zustand Rollmaterial berücksichtigen

Ein anderes Kriterium bei der Überprüfung von unrentablen Regionalverkehrslinien ist der Zustand des Rollmaterials. Da dieses mindestens 20 bis 30 Jahre eingesetzt werde und gerade bei Schmalspurbahnen nicht ohne Weiteres auf andere Linien verschoben werden könne, mache eine Überprüfung der Betriebsform in kurzen zeitlichen Abständen grundsätzlich wenig Sinn.

Die Vorschläge des BAV basieren auf einem Bundesratsentscheid vom 1. September 2010 über den Bericht zur Aufgabenüberprüfung (AüP). Damals wurde unter anderem beschlossen, die Massnahme «Umstellung Bahn-Bus» weiter zu verfolgen.

(bert/sda)

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