Bush in Afrika - Wie wichtig ist ihm das Öl?
publiziert: Dienstag, 8. Jul 2003 / 10:53 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 8. Jul 2003 / 11:10 Uhr

Washington - Seit dem Ende des Irak-Krieges richtet sich das Interesse der amerikanischen Aussenpolitik mehr und mehr auf den afrikanischen Kontinenten. Humanitäre Anliegen schreibt sich die US-Administration auf die Fahne und massive Erhöhung der Unterstützungsgelder im Kampf gegen Aids werden versprochen. Welche Rolle aber spielt das Schwarze Gold beim derzeitigen Besuch von US-Präsident Georg Bush in Afrika?

Südafrika ist nicht auf der Liste von Bush. Bild: Anti-Aids Kampagne in Südafrika.
Südafrika ist nicht auf der Liste von Bush. Bild: Anti-Aids Kampagne in Südafrika.
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Africa Action

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Dass seine erste Afrikatour irgendetwas mit Öl zu tun haben könnte, bestreitet US-Präsident George W. Bush vehement.

Dies sei "eine der absurdesten Verschwörungstheorien", die er gehört habe, sagte er vor seiner Abreise am Montagabend in einem Interview.

Doch auch wenn Bush bei öffentlichen Auftritten lieber humanitäre Anliegen wie den Kampf gegen Aids und Armut in den Vordergrund stellt - das strategische Interesse der USA am schwarzen Gold des afrikanischen Kontinents steht ausser Frage.

Abhängigkeit reduzieren

Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 ist dieses Interesse stark gewachsen, da die USA ihre Abhängigkeit von Ölimporten aus dem arabischen Raum reduzieren wollen.

Vor allem die gewaltigen Ölvorkommen in der Bucht von Guinea lassen US-Ölmanager ins Schwärmen geraten.

Nach Schätzung der texanischen Ölfirma Vanco belaufen sich die Reserven allein in Westafrika auf 100 Mrd. Barrel. Das entspricht den Vorkommen in Irak.

Vanco-Chef Gene Van Dyke sagt voraus, dass Westafrika schon bald zehn Mio. Barrel pro Tag produzieren werde - und damit mehr als Saudi-Arabien, der weltweit grösste Ölproduzent.

Gute Qualität

Das westafrikanische Öl ist meist von hoher Qualität, und die Transportwege in die USA sind wesentlich kürzer als vom Nahen Osten.

Doch vor allem erscheint den Strategen in Washington die Ölversorgung aus Afrika weniger anfällig für politische Turbulenzen als die aus dem arabischen Raum.

Robert Murphy, Wirtschaftsberater im US-Aussenministerium, bezeichnet es als unwahrscheinlich, dass mögliche politische Konflikte zu einem gemeinsamen Embargo der afrikanischen Öllieferanten gegen die USA führen könnten.

Interesse wegen Öl

Dass nicht zuletzt das Öl den afrikanischen Kontinent stärker in das Blickfeld der US-Aussenpolitik hat rücken lassen, geben Regierungsmitglieder in Washington unumwunden zu.

Der Afrikabeauftragte der US-Regierung, Walter Kansteiner, betonte bereits im Januar 2002 auf einem Symposium, dass das afrikanische Öl "für uns nationales strategisches Interesse gewonnen hat".

Aus Washingtoner Sicht hat das afrikanische Öl auch den Vorteil, dass es nicht in den Machtbereich der OPEC fällt.

Die meisten afrikanischen Staaten gehören der Organisation Erdöl exportierender Länder nicht an; Nigeria wollen die USA zum Austritt bewegen.

Fortschritt dank Öl?

Bush schwärmt vom "grossen Potenzial" des afrikanischen Kontinents. Ob Afrika aber durch den Ölboom vorangebracht werden kann, bezweifeln Kritiker.

Nigeria etwa, wo die meisten Menschen weiter in krasser Armut leben und die Demokratie auf sehr wackeligen Füssen steht, ist nicht gerade ein ermutigendes Beispiel.

Auch in Äquatorialguinea, das seit Jahren dank des Öls die höchsten Wachstumsraten der Welt verzeichnet, wartet die Bevölkerung weiter auf Demokratie und Wohlstand.

Das Öl habe die Korruption in Afrika "angeheizt", sagt Salih Booker, Direktor der Initiative Africa Action mit Sitz in Washington.

Und es habe die herrschenden Eliten dazu bewegt, an der Regierungsgewalt festzuhalten, da sie sich so den Zugang zum Ölreichtum sichern könnten. Bislang sei das Öl für Afrika "mehr ein Fluch als ein Segen".

(Daniel Jahn/afp)

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