Bush will Hilfe - aber absolute Oberhand im Irak behalten
publiziert: Montag, 8. Sep 2003 / 08:41 Uhr / aktualisiert: Montag, 8. Sep 2003 / 09:25 Uhr

Washington - US-Präsident George W. Bush hat die internationale Staatengemeinschaft bei ihrer Ehre gepackt. Europa, Japan und der Nahe Osten profitierte schliesslich auch von der Befriedung des Irak, deshalb hätten sich die Verpflichtung, ihren Beitrag zu leisten.

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In seiner Fernsehansprache appellierte er an die Weltgemeinschaft, die Differenzen über den Irak- Krieg hinter sich zu lassen und gemeinsam an einem friedlichen und demokratischen Irak zu arbeiten - aber bei aller Konzilianz blieb eines klar: Die USA haben keine Absicht, sich das Zepter im Irak aus der Hand nehmen zu lassen, weder militärisch noch beim Wiederaufbau.

Lippenbekenntnis

Chaos und Anschläge im Irak sowie die immensen Kosten für den Wiederaufbau haben die US-Regierung zwar nach monatelangem Widerstand wieder in den Schoss der internationalen Gemeinschaft getrieben.

Doch die mit der von Washington vorgeschlagenen neuen UNO-Resolution demonstrierte Absicht, die Vereinten Nationen im Irak stärker einzubinden, sieht immer mehr wie ein Lippenbekenntnis aus.

"Ich sehe nicht, dass die Regierung den Vereinten Nationen tatsächlich volle Kontrolle geben will. Das genau ist aber nötig". kritisierte der demokratische Senator Edward Kennedy.

Kräfteverteilung unklar

Wie genau sich die USA die künftige Aufgabenverteilung im Irak vorstellen, liess Bush in seiner Rede offen. Von einer grösseren Rolle für die Vereinten Nationen selbst war überhaupt nicht die Rede.

Aussenminister Colin Powell hatte schon vor Bushs Rede deutlich gemacht, dass die USA das Heft im Irak fest in der Hand zu behalten gedenken, auch beim Wiederaufbau. "Die führende Rolle muss von den USA gespielt werden", stellte er in einem Fernsehinterview klar.

"Wir sind in dem Land einmarschiert, wir haben Regierungsverantwortung." "Das ist typisch Bush: "Ich weiss, was richtig ist, hier ist, was getan werden muss, und ihr müsst tun, was ich euch sage"", kritisierte Ivo Daalder von der renommierten Denkfabrik Brookings- Institut Bushs Haltung.

Ausgang offen

So bleibt die Frage, ob die USA ihr Hauptziel, durch Einbeziehung der Vereinten Nationen mehr ausländische Soldaten in den Irak zu bekommen, erreichen werden.

Kenneth Adelman, Berater von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld während dessen erster Amtszeit in den 70er Jahren, argwöhnt, dass nicht wenige vermeintliche US-Partner die fehlende UNO-Resolution als Ausrede für die Ablehnung der bisherigen Bitten nutzten. "Ich habe meine Zweifel, dass ein UNO-Mandat mehr Soldaten oder mehr Geld bringen wird", meinte er.

Machtpoker

Robert Kagan, vom Friedensforschungsinstitut Carnegie Endowment sieht vor allem französische Hürden am Horizont. Frankreichs Zustimmung zu den US-Plänen ist unverzichtbar, weil das Land im Weltsicherheitsrat Vetorecht hat.

"Aussenminister Dominique de Villepin hat Gedichte geschrieben in Erwartung des Tages, an dem die Amerikaner kommen und um Hilfe betteln", schrieb Kagan in der "Washington Post". "Der Preis, den er und Präsident Jacques Chirac im Gegenzug einfordern, wird masslos hoch sein."

(Christiane Oelrich/dpa)

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