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CO₂-Emissionen: klare Rahmenbedingungen schaffen
publiziert: Dienstag, 22. Nov 2011 / 09:15 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 22. Nov 2011 / 19:12 Uhr
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Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich.
Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich.

Wie ich in meinem Blogbeitrag von letzter Woche schrieb (>siehe weiterführende Links), sind die weltweiten CO₂-Emissionen im 2010 um mehr als 5% gestiegen. Gleichzeitig hat die CO₂-Effizienz der Wirtschaft abgenommen. Umso mehr gilt es nun, den Anstieg der Emissionen zu stoppen. Die Schweiz sollte dafür klare Rahmenbedingungen schaffen.

1 Meldung im Zusammenhang
Die Dynamik der globalen Entwicklung und die Verlagerung der wirtschaftlichen Macht haben einen direkten Einfluss auf die Entwicklung der CO₂-Emissionen. Während sich die Märkte und damit auch die Emissionen in Europa und den USA wenig veränderten, steuerte China den grössten Teil zum Wachstum der CO₂-Emissionen im Jahre 2010 bei. Einerseits weil China auch den grössten Teil zum Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung beitrug, andererseits weil China für das Wirtschaftswachstum auch sehr hohe CO₂-Emissionen in Kauf nahm. Das ist vor allem auf den massiven Einsatz von Kohlekraftwerken zur Stromproduktion zurückzuführen. Kohlekraftwerke führen zu sehr hohenCO₂-Emissionen pro produzierte Einheit Energie, und damit auch zu einer geringen CO₂-Effizienz der Gesamtwirtschaft. Die Renaissance der Kohle als wichtigster fossiler Energieträger ist somit einer der wichtigsten Gründe für die Umkehrung des Trends einer steigenden CO₂-Effizienz der Wirtschaft. Aus klimapolitischer Perspektive ist dies ein grosser Rückschritt.

Flinte nicht ins Korn werfen

Angesichts der globalen Entwicklung der steigenden CO₂-Emissionen und sinkenden CO₂-Effizienz erscheinen die Bemühungen derjenigen Länder hoffnungslos, die sich unter dem Kyoto-Protokoll verpflichtet haben, ihre CO₂-Emissionen gegenüber 1990 zu verringern. Während die Kyoto-Länder ihre Emissionen gegenüber 1990 tatsächlich um ca. 5% verringert haben - wenn auch im Schnitt etwas weniger als versprochen - stiegen die globalen Emissionen im gleichen Zeitraum von etwa 6.2 auf nun über 9 Milliarden Tonnen Kohlenstoff (C) pro Jahr. Das ist ein Anstieg um fast 50%.

Auch wenn die Situation düster aussieht, wäre es fatal, nun die Flinte ins Korn zu werfen. Das gilt auch für die Schweiz, wo die Revision des CO₂-Gesetzes zurzeit ansteht. Ziel der Klimapolitik muss es sein, den weiteren Anstieg der globalen Emissionen möglichst rasch zu stoppen, und danach eine Reduktion anzustreben. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen früher oder später alle Länder ihren Beitrag leisten. Das wissen eigentlich auch diejenigen Länder, die zurzeit den Fortschritt der Klimaverhandlungen blockieren.

Es mag idealistisch klingen, aber ich bin überzeugt, dass die internationale Klimapolitik eine Lösung aus der jetzigen Pattsituation finden wird. Wahrscheinlich nicht dieses Jahr, aber schon bald, denn die Konsequenzen eines unkontrollierten Wachstums der CO₂-Emissionen will niemand tragen. Das bedeutet, dass diejenigen, die frühzeitig und konsequent mit dem Klimaschutz beginnen, im Vorteil sein werden. Denn die Technologien und Produkte, die Verhaltensweisen und Wertvorstellungen, die wir für die benötigte massive Erhöhung der CO₂-Effizienz brauchen, werden überall auf der Welt eingesetzt werden müssen. Die Schweiz hat hier eine riesige Chance. Dafür ist es entscheidend, dass klare und für alle Sektoren verbindliche Rahmenbedingungen gesetzt werden. Denn nur so kann meiner Meinung nach, diese Chance auch genutzt werden.

(Prof. Nicolas Gruber/ETH-Klimablog)

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