CO₂-Emissionen - schon wieder höher.
publiziert: Montag, 25. Feb 2013 / 11:35 Uhr / aktualisiert: Freitag, 1. Mrz 2013 / 19:11 Uhr
Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich.
Nicolas Gruber ist Professor für Umweltphysik an der ETH Zürich.

Die Zahlen sind ernüchternd, wenn auch nicht überraschend: Bei den CO₂-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger gilt es im Jahre 2011 einen satten Zuwachs von drei Prozent gegenüber dem Jahre 2010 zu verzeichnen. Damit haben die CO₂-Emissionen schon wieder einen neuen Höchststand erreicht1.

2 Meldungen im Zusammenhang
Weiterführende Links zur Meldung:

Blogbeitrag «Die halbe Miete»
Blogbeitrag von Prof. Nicolas Gruber «Die halbe Miete»
klimablog.ethz.ch

«Global Carbon Project»
Website zum «Global Carbon Project»
globalcarbonproject.org

Blogbeitrag «Ist das 2-Grad-Klimaziel am Ende?»
Blogbeitrag von Joeri Rogelj «Ist das 2-Grad-Klimaziel am Ende?»
klimablog.ethz.ch

Blogbeitrag «CO₂-Emissionen - immer höher»
Blogbeitrag von Prof. Nicolas Gruber «CO₂-Emissionen - immer höher»
klimablog.ethz.ch

Im 2011 sind die CO₂-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger bei fast 35 Milliarden Tonnen CO₂ angelangt - das sind 54 Prozent mehr als 1990 und 42 Prozent mehr als 1997, als das Kyoto-Protokoll unterzeichnet wurde. Die Voraussagen fürs Jahr 2012 lassen nochmals einen Anstieg in der Grössenordnung von zwei bis drei Prozent erwarten.

Die Entwicklung der fossilen CO₂-Emissionen folgt damit weiterhin dem oberen Rand der Projektionen, die in den 1990 Jahren unter der Annahme des «Business as usual» erstellt wurden (Special Report on Emission Scenarios (SRES), siehe Grafik). Die Emissionen liegen somit auch weit oberhalb der Pfade, die in Richtung einer Stabilisierung des Klimawandels gehen (siehe Kurven «RCP 4.5» und «RCP3-PD» in der Grafik).

Zwei-Grad-Ziel: «Restguthaben» von 700 Milliarden Tonnen CO₂

Das Fenster, das der Menschheit bleibt, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, schliesst sich daher immer schneller (siehe Blogbeitrag von Joeri Rogelj «Ist das 2-Grad-Klimaziel am Ende?» unter weiterführende Links). Um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, kann die Menschheit bis 2050 noch rund 700 Milliarden Tonnen CO₂ in die Atmosphäre ausstossen. Verbleiben wir jedoch bei den heutigen Emissionen, wird dieses Guthaben schon in 20 Jahren aufgebraucht sein. Wachsen die Emissionen weiterhin wie in den letzten 20 Jahren, sind wir schon Anfang der 2020er Jahre soweit. Nur eine schnelle und starke Trendumkehr der Emissionen erlaubt es uns, innerhalb des 2-Grad-Zieles zu bleiben.

Das sind keine grundlegend neuen Erkenntnisse (siehe mein früherer Blogbeitrag «CO₂-Emissionen - immer höher» unter weiterführende Links) zum ähnlichen Thema, aber das jährliche Aufdatieren der Daten durch das «Global Carbon Project» (siehe weiterführende Links) macht einem klar, wie gross die Herausforderung ist und wie stark die Entwicklung in den letzten Jahren dem Ziel der Stabilisierung des Klimawandels entgegenläuft.

Neuer Höchstwert auch beim CO₂-Gehalt der Atmosphäre

Aufgrund der menschgemachten Emissionen ist auch der CO₂-Gehalt der Atmosphäre wiederum auf einen neuen Höchstwert angestiegen. Im Jahre 2011 lag er im globalen Schnitt bei 390.5 ppm (ein ppm entspricht einem Teil in einer Million Teile). Im vergangenen Frühling lag zudem die monatliche mittlere CO₂-Konzentration in den hohen Breiten des Nordens zum ersten Mal über der Grenze von 400 ppm.

Glücklicherweise zahlen wir Menschen weiterhin nur etwa die halbe Miete für unsere Emissionen (siehe mein Blogbeitrag «Die halbe Miete» unter weiterführende Links). Die CO₂-Senken der Ozeane und der Ökosysteme auf dem Land haben im Jahre 2011 mehr als die Hälfte des durch den Menschen ausgestossenen CO₂ aus der Atmosphäre entfernt. Die Aufnahme des Ozeans scheint sich im Vergleich zu den Erwartungen abzuflachen - ob das tatsächlich der Fall ist oder nicht, wird in der Wissenschaft zur Zeit intensiv diskutiert.

Falls Senken ausfallen, verkleinert sich unser «CO₂-Restguthaben»

Die Landökosysteme sind dagegen erstaunlich starke Senken. Ihre Senkleistung ist seit Ende der 1980er Jahre deutlich gestiegen. Warum das so ist, ist noch unklar. Mögliche Faktoren sind unter anderem der CO₂-Düngungseffekt (Pflanzen wachsen tendenziell besser bei höherem CO₂-Gehalt), der Klimawandel und die veränderte Landnutzung.

Es ist alles andere als klar, ob die Senken auf dem Land und im Ozean in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiterhin so aktiv bleiben. Auf alle Fälle sind diese Senken in den Berechnungen des Guthabens, das uns bleibt, um das 2°C Ziel zu erreichen, schon einkalkuliert. Falls die Senken sich verkleinern oder sogar ganz ausfallen, würde das Guthaben entsprechend verkleinert - und die Zeit, die uns noch bleibt, noch kürzer. Daher ist jedes Jahr mit wachsenden fossilen CO₂-Emissionen ein verlorenes Jahr.

1 Die Zahlen stammen alle vom Global Carbon Budget). Die Zahlen sind für das Jahr 2011, dem letzten Jahr, für das bereits alle Zahlen zur Verfügung stehen.

(Prof. Nicolas Gruber/ETH-Zukunftsblog)

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