CO₂-Kompensation im Inland: Teuer aber innovativ
publiziert: Freitag, 12. Jul 2013 / 14:27 Uhr / aktualisiert: Freitag, 12. Jul 2013 / 14:44 Uhr
Dr. Markus Ohndorf ist Oberassistent und Dozent an der Professur für Nationalökonomie am Institut für Umweltentscheidungen (IED) der ETH Zürich.
Dr. Markus Ohndorf ist Oberassistent und Dozent an der Professur für Nationalökonomie am Institut für Umweltentscheidungen (IED) der ETH Zürich.

Während in den USA diskutiert wird, ob und wie Obamas neuer Aktionsplan zur Klimapolitik umgesetzt werden kann, ist die Schweiz bereits einen Schritt weiter.

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Ein interessanter Baustein der Schweizer Klimapolitik ist der Markt für inländische CO₂-Kompensationsprojekte. Emissionsreduktionen im Inland sind zwar recht kostspielig, bieten aber die Chance für echte Innovation.

Obamas Ankündigung eines neuen Aktionsplans zur Reduktion von Treibhausgasemissionen weckt neue Hoffnung für eine erfolgreiche Fortsetzung der internationalen Klimapolitik in den kommenden Jahren. Während man in den USA noch debattiert, wie ein solcher Plan am besten realisiert werden könnte, ist die Umsetzung des Schweizer CO₂-Gesetzes bereits in vollem Gang.

Günstiges Reduktionspotenzial ist hierzulande rar

Ein aus ökonomischer Sicht interessantes Instrument der Schweizer Klimapolitik sind inländische Kompensationsprojekte. Wie ich bereits in einem früheren Beitrag (Link) diskutiert habe, hat sich der Gesetzgeber hierzulande gegen eine Steuer auf Treibstoffe ausgesprochen. Da eine solche Besteuerung politisch nicht durchsetzbar war, hat das Parlament einen alternativen Weg eingeschlagen und beschlossen, dass Importeure fossiler Treibstoffe bis ins Jahr 2020 zehn Prozent der CO₂-Emissionen aus dem Personen- und Güterverkehr durch inländische Massnahmen kompensieren müssen. Diese Kompensationspflicht bei Treibstoffen ersetzt den bis 2012 gültigen «Klimarappen» auf Benzin und Diesel. Um das gesetzliche Reduktionsziel von 20 Prozent zu erreichen, sind im Jahr 2020 Kompensationsleistungen im Umfang von 1.5 Millionen Tonnen CO₂ erforderlich.

Aus ökonomischer Sicht ist die Vorschrift zur inländischen Kompensation nicht unproblematisch. Da die Stromproduktion in der Schweiz ausserordentlich CO₂-arm ist, sind günstige Potenziale zur Reduktion von Treibhausgasen in der Schweiz beschränkt. Dies zeigt sich in den derzeitigen Marktpreisen: Die Reduktion einer Tonne CO₂ ist im Rahmen des EU-Emissionshandels mit rund 4.2 Euro bewertet, während Reduktionszertifikate aus Entwicklungsländern gar für ungefähr 0.5 Euro zu haben sind. Für Schweizer Kompensationsprojekte rechnen Experten hingegen mit Preisen von 100 bis 150 Franken pro Tonne. Somit erscheinen Reduktionen in der Schweiz aus heutiger Sicht ausserordentlich teuer.

Machen Schweizer CO2-Kompensationsprodukte Sinn?

Andererseits bieten Inland-Kompensationen die Chance, kreativ zu werden und neue Wege in eine emissionsärmere Zukunft zu beschreiten. Grosses Potenzial birgt zum Beispiel das Bündeln («Pooling») von Kleinstreduktionen. Wie beim Kyoto-Protokoll lassen sich kleinere Reduktionsmassnahmen, etwa die Einführung intelligenter Thermostate in Haushalten, zu grösseren Projekten zusammenfassen. Dabei stellt sich die Frage, wie solch ein «Reduktions-Pooling» möglichst kostengünstig zu organisieren ist. Eine gute Möglichkeit bieten hierbei Programme wie «Off4Firms», in denen Unternehmen individuelle Reduktionen in den Haushalten ihrer Mitarbeiter mitfinanzieren und die gemeinsame Reduktionsanstrengung als Kompensationsprojekt einreichen können (siehe Blogbeitrag von Renate Schubert: Link).

Obschon also Kompensationsprojekte in der Schweiz recht kostspielig sind, können sie durchaus helfen, unsere Emissionsintensität auf innovative und unkonventionelle Weise zu verringern. Wenn wir die Gefahren des Klimawandels noch abwenden wollen, ist Kreativität in der Tat dringend gefragt.

(Dr. Markus Ohndorf, ETH Zürich/ETH-Zukunftsblog)

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