«Cabaret Rotstift»-Gründer Werner von Aesch gestorben
publiziert: Montag, 29. Dez 2008 / 12:04 Uhr / aktualisiert: Montag, 29. Dez 2008 / 14:09 Uhr

Schlieren ZH - Werner von Aesch, Mitgründer des «Cabaret Rotstift», ist tot. Er erlag am Montagmorgen den Folgen eines Hirnschlags, den er an Weihnachten erlitten hatte, wie die Familie der SDA mitteilte. Von Aesch war am 4. Dezember 81 Jahre alt geworden.

Werner von Aesch.
Werner von Aesch.
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«Wänn ich dis Gsicht gseh bin ich mit mim Füdli no ganz z'fride» - Sprüche wie diese machten von Aesch alias Jimmy Muff berühmt und «Skilift» zu einem der bekanntesten Schweizer Sketchs. In den fast 50 Jahren seines Bestehens lieferte das «Cabaret Rotstift» über 20 Programme mit insgesamt mehr als 300 Nummern.

Aber auch von Aeschs zweites Kind, der Schülerchor «D Schlieremer Chind», war ein Glücksfall für die Schweizer Volkskultur und deren Tonaufnahmen sind bis heute Bestseller. Einzig seine dritte Gründung, der 1. FC Rotstift (1960), schaffte es nicht in die Nationalliga.

Schweizer Dschungelkind

Werner von Aesch wurde 1927 als Auswandererkind in Ayer-Molek auf Sumatra - damals Niederländisch-Indien, heute Indonesien - geboren. Sein Vater leitete dort eine Gummi-Plantage.

Zunächst unterrichtete ihn seine Mutter, doch 1935 brachten die Eltern ihn und seinen Bruder der besseren pädagogischen Möglichkeiten wegen in die Schweiz, zu den Grosseltern in den Kanton Bern.

Die Schule sollte von Aeschs Leben werden: Nach dem Lehrerseminar unterrichtete er von 1950 bis 1988 in Schlieren. Am dortigen Schulhaus Hofacker gründete er mit Berufskollegen 1954 das «Cabaret Rotstift» und mit Schülern 1957 den Kinderchor «Schlieremer Chind» - beide wurden schnell berühmt.

Vom Skilager zum Skilift

Das «Cabaret Rotstift» bestand ursprünglich aus sechs Lehrern und zwei Lehrerinnen, deren erster öffentlicher Auftritt dazu diente, Geld für das Schulskilager zu sammeln.

In seiner letzten Formation - mit Heinz Lüthi, Jürg Randegger und von Aesch als letztem Gründungsmitglied - erhielt das Rotstift unter anderem 1986 den «Prix Walo». Von Aesch selber wurde 2004 mit der «Goldenen Lilie der Stadt Schlieren» geehrt.

Rotstift-Nummern wie «Am Skilift» und Von-Aesch-Sprüche wie «Vo Planig kei Ahnig!» oder «Wänn mal so schön gsi bisch wie ich, isches schwer. Bringsch es fasch nüme wäg» wurden Allgemeingut: Als das Trio sich im Mai 2002 mit einer letzten Vorstellung verabschiedete - natürlich am Gründungsort, dem Singsaal des Schulhauses Hofacker - soll das Publikum jeweils schon vor der Pointe gelacht haben.

Nicht nur Schenkelklopf-Humor

«Ufschlüsse Kollege, ufschlüsse, susch gits Duurzug, und ich wott mich nöd scho wieder verchelte, schliesslich känni jetz scho fascht alli Chrankeschwöschtere im Kantonsspital», meckerte von Aesch alias Jimmy Muff bekanntlich am Skilift.

Schenkelklopf-Sketches wie diesen verdankte das Publikum stets am wärmsten. Doch brachte das Rotstift auch gesellschaftskritische Nummern wie eine Satire auf die TV-Sendung «Tatsachen und Meinungen» oder Gesangsdarbietungen wie «El Rumba dellos Glatzos».

Die Leitung der «Schlieremer Chind» hatte von Aesch bereits bei seiner Frühpensionierung 1988 seinem Sohn Martin übergeben. So ganz auf Auftritte mochte er dennoch nicht verzichten und gab noch fast bis zuletzt Bühnen-Stippvisiten - natürlich als «Jimmy Muff».

(fest/sda)

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