Cancellara und Co. müssen Sprinter eliminieren
publiziert: Freitag, 27. Jul 2012 / 16:46 Uhr
Cancellara hat sich nach der Tour de France gut erholt und ist bereit für die Olympiade. (Archivbild)
Cancellara hat sich nach der Tour de France gut erholt und ist bereit für die Olympiade. (Archivbild)

Das Schweizer Rad-Team um Fabian Cancellara hat für das olympische Strassenrennen von heute Samstag unverändert eine Medaille im Visier. Dazu müssen die Schweizer Verbündete finden, um die Sprinter zu eliminieren.

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Auf dem Rundkurs in Surrey haben die Fahrer neun Mal den Box Hill zu erklimmen. Dies bedeutet auf einer Totaldistanz von 240 km rund 25 km Steigung. Ob dies reicht, um Sprinter vom Format eines Marc Cavendish oder André Greipel auszuschalten? Nach der letzten Passage des Box Hill verbleiben über 20 km Rückfahrt ins Ziel, was den Sprintern vielleicht ermöglicht, wieder an die Spitze zurückzukehren.

«Wir haben das stärkste Team der Welt. Für die Gegner wird es äusserst schwierig, uns zu Verlierern zu machen», erklärte der Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins. Für ihn ist klar, dass er sich für die Dienste erkenntlich zeigen will, die ihm im Verlaufe der Tour zu teil geworden sind. Wiggins stellt sich vollumfänglich in die Dienste des Sprint-Asses Mark Cavendish. Der Athlet von der Insel Man soll mit dem Gewinn der Goldmedaille die Olympischen Sommerspiele für Grossbritannien lancieren. Christopher Froome, bei Sky Procycling Teamkollege von Wiggins und Cavendish, David Millar und der britische Landesmeister Ian Stannard haben das gleiche Ziel: Cavendish den Weg zu einem der wichtigsten Spurts seiner Karriere ebnen.

Es gibt einen einzigen Weg, den Sprintern das Leben zu erschweren: das Rennen so hart wie möglich zu machen. Dazu gehört, die Steigung zum Box Hill so schnell wie möglich hochzufahren. Dies ist in den letzten beiden Runden die Aufgabe von Michael Albasini. Dem in der Tour de France glücklosen Ostschweizer könnte so die Chance seines Lebens winken, indem andere Teams ebenfalls ihre Co-Captains nach vorne schicken und sich eine hochkarätige Spitzengruppe bildet. Albasini kann sich nicht mit den reinen Sprintern messen. Aber bei der Ankunft einer kleinen Gruppe ist seine Endgeschwindigkeit nicht zu unterschätzen.

Albasini bereit für London

Er habe sich schnell und gut von der Tour de France erholt und sei für London bereit, hielt Albasini fest. Er liess keine Zweifel aufkommen, dass er sich zusammen mit Michael Schär, Gregory Rast und Martin Elmiger vollumfänglich hinter Fabian Cancellara stellt. Der Berner strahlte am Vortag seines ersten von zwei Einsätzen eine grosse Ruhe aus: «Ich habe meine Vorbereitungen zu hundert Prozent richtig gemacht. Druck verspüre ich nicht, weil ich schon zwei Olympiamedaillen gewonnen habe. Wir gehen mit einem starken Team an den Start und werden unser eigenes Rennen fahren.»

Cancellara verliess die Tour de France rechtzeitig, um bei der Geburt seiner zweiten Tochter Elina dabei zu sein. Das Glück wurde kurzzeitig getrübt, weil das Neugeborene nach der Heimkehr aus dem Spital an Fieber litt. Für den stolzen Vater bedeutete dies einige Hektik, aber auch eine zusätzliche Motivation: «Wenn ich die Kleine vor mir sah, gab mir dies beim Training hinter dem Motorrad einen zusätzlichen Antrieb. Zugleich zeigte mir die Erkrankung auch, dass es im Leben Wichtigeres gibt als Sport.»

Cancellara wegen Rennen am nächsten Tag nicht Fahnenträger

Sie seien nicht nur zur Teilnahme angereist, sondern hergekommen, um etwas für die Schweiz zu erreichen, fügte Cancellara an, der in der Auswahl als Fahnenträger gestanden hatte, verständlicherweise aber am Vorabend des Strassenrennens für eine solche Aufgabe nicht zur Verfügung stand. Der Zeitfahren-Olympiasieger von Peking spricht von einer Lotterie, und er rechnet damit, dass sich selbst die Sprint-Nationen nicht ganz einig sein werden. Cancellara: «Jene, die auf die gleiche Taktik wie die Briten setzen, wissen genau, dass sie nur noch um den zweiten und dritten Platz fahren. Wiggins und Cavendish können nicht auf die Kopie des WM-Strassenrennens vom letzten Herbst in Kopenhagen hoffen, als sie das ganze Feld im Griff hatten. Dort handelte es sich um einen wirklich flachen Rundkurs.»

«Alle gegen Grossbritannien, Deutschland und Australien» könnte das Motto dieses olympischen Strassenrennens lauten, das auf teilweise schmalen und kurvenreichen Strassen ausgetragen wird, was die Übersicht erschwert. «Wer sagt denn, dass es tatsächlich zu einem Massenspurt kommt?», warf der Tour-Dritte Vincenzo Nibali als Frage auf. Der Italiener, der seinen Lohn vom gleichen Arbeitgeber bezieht wie der endschnelle Peter Sagan, der als einziger Slowake am Start steht, wollte ziemlich deutlich festgehalten wissen, dass er bei Olympia ausschliesslich für sein Heimatland fährt und nicht etwa für seinen aussichtsreichen Teamkollegen fremder Nationalität.

(knob/sda)

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