Carunglück von Orsières war Fahrfehler
publiziert: Donnerstag, 20. Okt 2005 / 07:58 Uhr / aktualisiert: Donnerstag, 20. Okt 2005 / 08:14 Uhr

Orsières - Der Car-Unfall von Orsières VS vom 17. April ist auf eine Verkettung unglücklicher Umstände und einen damit verbundenen Fahrfehler des Chauffeurs zurückzuführen.

Der Fahrer fuhr zu weit rechts.
Der Fahrer fuhr zu weit rechts.
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Bei dem Unglück haben neben dem Chauffeur 12 Personen das Leben verloren. «Es ist sehr wahrscheinlich die Verkettung von verschiedenen unglücklichen Umständen, die zum Drama geführt haben», erklärte Untersuchungsrichter Dominique Lovey vor den Medien.

Ausgeschlossen ist, dass der Chauffeur unter Alkohol-, Medikamenten- oder Drogeneinfluss stand. Die Autopsie hat keine entsprechenden Indizien geliefert. Auch Anzeichen für ein Unwohlsein, das zum Unfall hätte führen können, gebe es keine.

Keine äusseren Umstände

Im Übrigen habe die Untersuchung gezeigt, dass bei dem Unfall auf der Passstrasse zum Grossen St. Bernhard keine äusseren Umstände wie eine defekte Fahrbahn, ein entgegenkommendes Fahrzeug, ein Hindernis oder Steinschlag eine Rolle gespielt hätten. Das erst seit 9 Monaten in Betrieb stehende Fahrzeug der Berner Carunternehmung Ernst Marti AG sei absolut fahrtüchtig gewesen.

Aufgrund verschiedener Expertisen und Simulationen geht Lovey davon aus, dass der Fahrer die Situation an der Unfallstelle falsch einschätzte, zu nahe am rechten Strassenrand in die Linkskurve einfuhr und möglicherweise angesichts der speziellen Umstände zu schnell unterwegs war.

Zu weit rechts

Gemäss Fahrtenschreiber fuhr der Car vor dem Absturz mit höchstens 56 Stundenkilometern. Diese Geschwindigkeit erkläre den Unfall aber nicht, erklärte der technische Experte Philippe Masserey. Eine Simulation habe gezeigt, dass der Car mit diesem Tempo die Fahrlinie gut hätte halten können.

Da der Fahrer aber zu weit rechts fuhr, kam es zum Unglück. Weshalb er dies tat ist Gegenstand von Mutmassungen. Die enge Fahrbahn habe bei der Linienwahl wohl eine Rolle gespielt, sagte Lovey.

Sicherheitslinie mit Schnee bedeckt

Das gelte wohl auch für den Umstand, dass die Sicherheitslinie sowie die Grasnarbe neben der Fahrbahn mit Schnee bedeckt war. Die aussen an der Strassenstützmauer befestigte Leitplanke war somit der einzige Anhaltspunkt für den Strassenrand.

Der Bus sei auf der salznassen Fahrbahn vom Strassenbelag abgekommen und mit den rechten Rädern auf dieses Band gefahren, erklärte Lovey den mutmasslichen Unfallhergang. Dabei sei der Reisecar 36 Meter vor der Absturzstelle an die Leitplanke geraten.

Reaktionszeit von 0,9 Sekunden

«Ab diesem Zeitpunkt hatte der Chauffeur praktisch keine Chance mehr, den Unfall zu verhindern.» Gemäss Experten wären dem Chauffeur noch 0,9 Sekunden geblieben, um zu reagieren. Nur 2,5 Sekunden nach der ersten Berührung mit der Leitplanke stürzte der Car mit 24 Passagieren, zwei Chauffeuren und einer Hostess den Abhang hinunter und überschlug sich.

Der Bus rutschte über den Abhang hinaus und stürzte über eine Felswand gegen 150 Meter in das Bachbett der Drance. 15 der 27 Insassen wurden schwer verletzt, die anderen getötet. Ein verletzter Mann verstarb später im Spital.

(ht/sda)

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