Besuch von Obama
Castro unter Druck
publiziert: Dienstag, 22. Mrz 2016 / 07:21 Uhr

Havanna - Während des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Kuba kam es zu einem Disput um politische Gefangene im Land. Es gebe mindestens 80 politische Gefangene, sagte Elizardo Sánchez, Sprecher der Kubanischen Kommission für Menschenrechte in Havanna.

4 Meldungen im Zusammenhang
Er stelle eine entsprechende Liste gerne zur Verfügung, sagte Sánchez der Nachrichtenagentur dpa. Zuvor hatte Castro in einer Pressekonferenz auf eine entsprechende Frage eines Journalisten etwas ungehalten geantwortet: «Geben Sie mir die Liste der politischen Gefangenen, um sie freizulassen.» Liege so eine Liste vor, kämen sie sofort frei.

Obama warb bei dem ersten Besuch eines US-Präsidenten seit 1928 für mehr Meinungsfreiheit in dem sozialistischen Land. «Amerika glaubt an die Demokratie», sagte Obama in Havanna. Castro verbat sich - ohne die USA direkt zu nennen - grundsätzlich eine Einmischung in innere Angelegenheiten. Obama betonte daraufhin: «Die Zukunft der Kubaner wird von den Kubanern entschieden, von niemandem sonst.»

Weitere Schritte angekündigt

Obama betonte trotz aller Differenzen: «Das ist ein neuer Tag». «Wir bewegen uns nach vorn und schauen nicht zurück.» Er kündigte weitere Schritte für eine Annäherung an: So werde American Airlines noch in diesem Jahr Direktflüge von den USA nach Kuba aufnehmen. Castro setzt auf mehr Touristen in seinem Land - und damit eine Steigerung der Staatseinnahmen.

Im Revolutionspalast sprach Obama mit Castro über eine weitere Vertiefung der Beziehungen, der Prozess war Ende 2014 zwischen den beiden begonnen worden.

Rückgabe von Guántanamo

Nach der Revolution 1959 kam es zu heftigen Konflikten und zu einem US-Handelsembargo. Erstmals ertönte beim Besuch Obamas die US-Hymne für einen amerikanischen Präsidenten im Revolutionspalast. Castro fordert eine vollständige Aufhebung des US-Embargos und eine Rückgabe des seit 1903 unter US-Kontrolle stehenden Stützpunktes Guántanamo.

Kuba band sich nach der Revolution schrittweise an die Sowjetunion, 1962 war die Welt nach der Stationierung sowjetischer Raketen am Rande eines Atomkrieges. Die USA straften Kuba mit einem Embargo, das neben einem Handelsboykott touristische Reisen von US-Bürgern sowie Geschäfte von US-Firmen mit Kuba untersagte. Es wurde zuletzt gelockert, aber der US-Kongress ist gegen eine komplette Aufhebung.

Weiter nach Argentinien

Auch Kubas Führung will vorerst nur eine behutsame Öffnung. Mitte April findet der Parteikongress der kommunistischen Partei statt. Dabei dürfte es auch um den neuen Entspannungskurs gehen und darum, wie weit die Öffnungspolitik des Karibikstaates gehen soll.

Obama will zum Abschluss seines Kuba-Besuchs am Dienstag eine im Staatsfernsehen übertragene Rede an das kubanische Volk halten. Anschliessend ist ein Treffen mit Vertretern der Zivilgesellschaft geplant und der Besuch eines Baseballspiel der Nationalmannschaft Kubas gegen die Tampa Bay Rays aus Florida - in beiden Ländern ist Baseball ein Nationalsport, daher wird der Sport als Vehikel für die Annäherung angesehen. Von Kuba aus reist Obama nach Argentinien, wo Präsident Mauricio Macri die Beziehungen zu den USA stärken will.

(bg/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Havanna - US-Präsident Obama hat in einer Rede an die kubanische Bevölkerung zu Versöhnung zwischen beiden ... mehr lesen
Havanna - Seit Wochen haben die Kubaner auf ihn gewartet - jetzt ist er da: Als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren traf Barack Obama am Sonntag in Havanna ein, der Hauptstadt des kommunistischen ... mehr lesen
Havanna - Als erster US-Präsident ... mehr lesen
Weltweite Sprachaufenthalte mit 50 Jahren Erfahrung
.
Digitaler Strukturwandel  Nach über 16 Jahren hat sich news.ch entschlossen, den Titel in seiner jetzigen Form einzustellen. Damit endet eine Ära medialer Pionierarbeit. 13
Schon wieder ein Vorfall am Weissen Haus.
Schon wieder ein Vorfall am Weissen Haus.
USA  Washington - Ein Metallteil, das über den Zaun des Weissen Hauses in Washington geworfen wurde, hat vorübergehend einen Alarm in der Residenz des US-Präsidenten ausgelöst. 
Schüsse im US-Kapitol Washington - Schüsse am Sitz des US-Kongresses: Auf dem Gelände des Kapitols in Washington ist am ...
Achtens Asien Mit seinem Besuch in Vietnam hat US-Präsident Obama seine seit acht Jahren verfolgte Asienpolitik abgerundet. Die einstigen Todfeinde USA und ... mehr lesen  
Obama in Hanoi mit der Präsidentin der Nationalversammlung, Nguyen Thi Kim Ngan auf einer Besichtigungstour: Willkommenes Gegengewicht zu China.
Obama fordert in Vietnam erneut mehr Freiheit US-Präsident Barack Obama hat seinen Besuch in Vietnam mit einem Plädoyer für Kunst- und Meinungsfreiheit ...
Titel Forum Teaser
 
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 14°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
Basel 12°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
St. Gallen 13°C 20°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig vereinzelte Gewitter
Bern 12°C 22°C freundlichleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
Luzern 14°C 21°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig recht sonnig vereinzelte Gewitter
Genf 12°C 23°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig vereinzelte Gewitter
Lugano 19°C 27°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig freundlich gewitterhaft
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten