Chicken-Nuggets und Geflügelpest
publiziert: Donnerstag, 5. Feb 2004 / 10:18 Uhr / aktualisiert: Freitag, 6. Feb 2004 / 07:45 Uhr

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Wenn wir Glück - grosses Glück haben - kommen wir nochmals davon und aus der in Südasien wütenden Geflügelpest und den bekannten menschlichen Influenza-Viren wird kein neuer Supervirus entstehen. Doch die Voraussetzungen dafür sind so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Ein extrem virulenter Geflügelpestvirus, Millionen kranker und sterbender Vögel in grossen landwirtschaftlichen Anlagen und viele infizierte Menschen, die zu Reaktionsgefässen für eine Seuche werden können, wenn in ihnen der Geflügelpest- auf den Grippevirus trifft.

Das alles ist schlimm genug. Doch wesentlich erschreckender ist, dass die Menschheit sehenden Auges in dieses Desaster hinein marschiert ist. Scheinbar wütet die Geflügelpest nämlich schon seit Monaten in Südasien.

Doch weder in Thailand noch auf Java oder an einem anderen betroffenen Ort reagierten die Behörden angemessen. Kein Seuchenalarm ging in die Welt hinaus, keine Isolation der Ausbruchsgegend fand statt, keine Bestände wurden kontrolliert vernichtet. Im Gegenteil: die betroffenen Hühner wurden heimlich von ungeschütztem Personal abgekeilt, Seuchenfälle vertuscht oder als andere, harmlosere Krankheiten ausgegeben.

Die Motive sind klar: Für diese Länder ist der Export von Geflügelfleisch ein sehr wichtiger Einkommensfaktor. Die Bekanntmachung des Ausbruchs der Geflügelpest hätte sofort einen grossen wirtschaftlichen Schaden verursacht. Der Versuch, die Sache dezent und ohne Aufsehen zu erledigen, war daher verständlich.

Doch solche Viren sind schon unter optimalen Bedingungen sehr schwer einzudämmen. Wenn der Versuch heimlich, ohne übergeordnete Kontrolle und entsprechende Autorität und mit untauglichen Mitteln gemacht wird, kann das Resultat sogar schlimmer als ohne irgendwelche Massnahmen ausfallen.

Die Gier des Weltmarktes - mithin unsere Gier - nach günstigen Nahrungsmitteln erzeugte einen Doppelstandard, was Hygiene und Seuchenkontrolle angeht. In Europa und Nordamerika sind die staatlichen Kontrollen und die Meldepflicht streng genug, um praktisch jeden Seuchenherd schnell einzugrenzen und zu löschen, wenn es sich um eine bekannte Krankheit handelt.

Bei neuen Problemen - wie dem Rinderwahn - kommt selbst dieses System ins schleudern. Doch diese rigide Kontrolle mit strengen Hygienevorschriften kostet Geld. Und in Zeiten wirtschaftlicher Probleme, wird gespart, wo es geht - billiges Hühnchenfleisch kommt da gerade recht, sei es für den Privatkonsumenten oder den Grossverteiler.

Dass dieser Geiz nur befriedigt werden kann, wenn in der dritten Welt bei der Produktion dieser Hühner (Zucht kann man dem nicht mehr sagen) an der Verhinderung und Kontrolle von Seuchen gespart und gemauschelt wird, wird dabei verdrängt. Das Resultat ist jetzt zu sehen: Tägliche Meldungen neuer Geflügelpest-Ausbrüche, vermutlich Tausende infizierter Menschen und die Gefahr einer weltweiten Epidemie, gegen die es fast keine wirksamen Medikamente gibt und für die ein wirksamer Impfstoff noch sechs Monate weit weg ist.

Angesichts dieser Bedrohung sollten wir uns grundsätzlich fragen, ob billige Chicken Nuggets wirklich mehr wert als Tausende oder gar Millionen von Menschenleben sind. Wenn nicht, müssen wir die Konsequenzen ziehen.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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