Chinesische Unternehmen kaufen im Ausland
publiziert: Samstag, 25. Jun 2005 / 12:54 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 26. Jun 2005 / 22:50 Uhr

New York - Die chinesischen Unternehmen sind nach jahrelangen nur sehr bescheidenen Firmenaufkäufen im Ausland plötzlich in grossem Stil auf Vormarsch.

Die chinesische CNOOC machte dem US-Ölkonzern Unocal ein Übernahmeangebot im Umfang von 18 Mrd. Dollar.
Die chinesische CNOOC machte dem US-Ölkonzern Unocal ein Übernahmeangebot im Umfang von 18 Mrd. Dollar.
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Das Übernahmeangebot von 18,5 Mrd. Dollar für den amerikanischen Ölkonzern Unocal durch die CNOOC, eine Tochter der zu 70 Prozent staatlich kontrollierten China National Offshore Oil Corp., hat in Washington und an der Wall Street für grosse Aufregung gesorgt.

Die China National Offshore hatte bereits grosse Öl- und Erdgasvorkommen in Australien, Indonesien und anderen Ländern gekauft.

Vor wenigen Tage hatte der grösste chinesische Haushaltsgerätehersteller Qingdao Haier, assistiert von zwei US-Investmentfirmen, knapp 1,3 Mrd. Dollar für den drittgrössten amerikanischen Haushaltsgeräteanbieter Maytag geboten.

Die Übernahme der riesigen IBM-PC-Sparte durch den chinesischen PC-Branchenführer Lenovo für 1,75 Mrd. Dollar war erst kürzlich über die Bühne gegangen. Werden auch die Unocal- und die Maytag- Transaktion realisiert, hätten chinesische Gesellschaften mit Hilfe von Billigkrediten staatlicher Banken und eigenen vollen Kassen in diesem Jahr mehr als 20 Mrd. Dollar in den USA investiert.

Weniger Erfolg in Kanada

In Kanada hatte der chinesische Metallkonzern China Minmetals kürzlich vergeblich versucht, den riesigen Metall- und Bergwerkskonzern Noranda zu schlucken. Der chinesische Telekomausrüster Huawei Technologies zieht eine Offerte für die britische Marconi-Gruppe in Erwägung, berichtete das "Wall Street Journal".

Der chinesische Autohersteller Shanghai Automotive Industry könnte nach Darstellung der Zeitung der Übernahme der südkoreanischen Autofirma Ssanyong Motor den Kauf von "Design-Boutiquen in Italien und Deutschland" folgen lassen.

Politiker besorgt

US-Politiker beider Parteien reagieren auf die plötzliche Auslandsoffensive der Chinesen mit Sorge. Sie und die US-Gewerkschaften lamentieren bereits seit geraumer Zeit lautstark über das monumentale US-Handelsbilanzdefizit mit China und über die Massenabwanderung industrieller Arbeitsplätze in das fernöstliche Wirtschaftswunderland.

Sie wollen Strafzölle von 27,5 Prozent auf Importe aus China einführen, falls das Land nicht innerhalb eines halben Jahres seine Währung an den Devisenmärkten frei schwanken lässt. Bisher ist die chinesische Währung fest an den Dollar gebunden, um Exportvorteile zu sichern.

China hat seine riesigen Handelsbilanzüberschüsse und den Dollarsegen aus den Devisenmarktinterventionen bisher vor allem in den Kauf von US-Staatsanleihen gesteckt und hält nicht weniger als 230 Mrd. Dollar dieser Titel. Die USA sind auf diese riesigen Staatsanleihe-Käufe durch China und andere Länder angewiesen, um ihr riesiges Leistungsbilanzdefizit zu finanzieren.

Kein Rückfall in Protektionismus

US-Finanzminister John W. Snow und Notenbankchef Alan Greenspan hatten am Mittwoch vor einem Kongressausschuss lautstark vor den Strafzöllen gewarnt. Snow wollte nicht einmal Farbe bekennen, ob ein Unocal-Kauf durch CNOOC von einem bei solchen Transaktionen zuständigen Gremium für nationale Sicherheitsfragen in Washington geprüft werden wird.

Jetzt sieht es ganz danach aus, als wollten China und seine grossen Unternehmen ihre wachsende Wirtschaftsmacht nutzen, um selbst im Ausland durch Akquisitionen fremder Firmen zu expandieren. Dabei geht es nicht nur um die vorrangige Energie- und Rohstoffsicherung, sondern auch um den Kauf ausländischer Gesellschaften vieler Branchen.

(Peter Bauer/dpa)

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