Comdays 2009: Mobil, schnell und vernetzt
publiziert: Dienstag, 20. Okt 2009 / 21:48 Uhr

Biel - Der erste Tag der diesjährigen Bieler Kommunikationstage Comdays stand ganz im Zeichen der Telekommunikation. Nach der Eröffnung durch den ehemaligen Aussenminister Deutschlands, Joschka Fischer, und seinem Rat nach vorne zu schauen, war die Leitfrage der Comdays lanciert: «Ist die Zukunft mobil?»

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«Es reicht nicht, up to date zu sein, man muss up to tomorrow sein», so Joschka Fischer, ehemaliger Bundesaussenminister Deutschlands, zur Eröffnung der diesjährigen Comdays in Biel.

Nicht die Vergangenheit oder die aktuelle Krise sei von Bedeutung, sondern die Geisteshaltung, der Blick nach vorn. Damit könne man sich den Herausforderungen der neuen, global vernetzten Welt stellen.

Mobile Zukunft: ja!

Ein wichtiger Schritt in Richtung vernetzte Welt sei, die Frequenzen technologieneutral zu vergeben, damit alle Dienste und Technologien in einem Gerät verschmelzen können, sagte Matthias Kurth, Präsident der deutschen Regulierungsbehörde Bundesnetzagentur.

Gleichzeitig sei es wichtig, die Menschen bei der Nutzung der neuen Technologien zu unterstützen, wie Gurudth Banavar, Direktor des indischen IBM-Forschungslabors erklärte. Ein spezielles Projekt soll helfen, Bildungsdefizite und Kommunikationsbarrieren zu überwinden.

Die Devise lautet: Sprechen und hören mit einem einfachen Handy, statt lesen und schreiben am Computer.

Für Torbjörn Nilsson von Ericsson sind insbesondere mobile Breitbanddienste wichtig. Sie seien umweltschonend, einfach zu nutzen und wirtschaftlich bedeutsam. Mit mobilem Breitband sei ein weiterer Schritt Richtung «Internet everywhere» möglich. Wie Torbjörn Nilsson findet Olaf Swantee von Orange, dass das Funkspektrum begrenzt sei und Datentransfers enorm zunehmen würden. Erfahrungen hätten gezeigt, dass beispielsweise wenige Nutzerinnen und Nutzer von Smartphones so viele Daten senden und empfangen, wie alle anderen Handy-Nutzerinnen und Nutzer zusammen. Diese Entwicklung werde sich fortsetzen.

Mehr Wettbewerb

Vagn Sørensen von TDC und Eric Tveter von Cablecom sagten zwar, dass die Mobilkommunikation in den nächsten Jahren wichtig sei, «mobile only» aber nicht dem Kundenbedürfnis entspreche. Die Zukunft liege in der Kombination von Festnetz- und Mobilkommunikation. Damit alle davon profitieren, forderte Sørensen mehr «Wettbewerb statt Mastenwälder, Kabelsalat und Grabenkämpfe».

Nicht in die Infrastruktur müsse investiert werden, sondern in Elektronik und Dienste. Die freie Wahl zwischen Mobilfunk- und Festnetz sei die beste Garantie für den Wettbewerb, so Tveter.

Monika Dusong vom Westschweizer Konsumentenverband FRC forderte mehr Preistransparenz. Man solle den «Tarifdschungel» verlassen. Zudem wünschte sie, dass die Verträge kundenfreundlich ausgestaltet sind und nicht automatisch verlängert werden.

Wie steht es um Privacy and Security?

Mit Funknetzen solle vorsichtig umgegangen werden, mahnte Professor Jean-Pierre Hubaux vom EPFL. Die technologische Entwicklung schreite schneller voran, als Sicherheitslösungen dafür vorhanden seien. Kundinnen und Kunden wünschten sich einen hohen Schutz ihrer Privatsphäre und würden ihren Anbieter zukünftig danach wählen. Er hat der Branche entsprechend geraten, in diesen Bereich zu investieren.

Konsens im Glasfaserbereich

Im anschliessenden Panel diskutierten die Teilnehmer über den kürzlich erfolgten Konsens im Glasfaserbereich. Die Einigung auf das Mehrfasermodell und den Bau nur eines Netzes haben die Chefs der Telecomanbieter Carsten Schloter (Swisscom) Christoph Brand (Sunrise) und der Elektrizitätswerke, David Thiel (IWB), Peter Messmann (EWZ) und Andreas Widmer (WWZ) begrüsst. Viele Panelteilnehmer waren aber der Meinung, dass «der Teufel im Detail liegt», wie es Christoph Brand ausdrückte. Wichtig sei, dass in Zukunft alle Anbieter «gleich lange Spiesse» hätten, sagte David Thiel. Dem widersprach Ruedi Noser, Nationalrat und Unternehmer: Gleich lange Spiesse würden den Wettbewerb verhindern und nicht fördern. «Die Entwicklungskorridore für den Wettbewerb sind offen», entgegnete Martin Dumermuth vom Bundesamt für Kommunikation (BAKOM). Die Richtung stimme. Damit der Wettbewerb effektiv spielen und Diskriminierungen vermieden werden könnten, seien regulatorische Auffangnetze nötig.

Über ein günstiges Netz zu verfügen, sei das Ziel von St. Gallen, erklärte Fredy Brunner, Stadtrat. Angsar Gmür vom Hauseigentümerverband zeigte sich erfreut über die erstmalige Einladung zu einer Diskussionsrunde und forderte die Diensteanbieter auf, ihren potentiellen Kunden die Technologievorteile zu erklären.

Den Schlusspunkt setzte Bundesrätin Micheline Calmy-Rey. Sie stellte fest, dass wir in der Schweiz immer mehr Informationen aus einer immer grösseren Anzahl von Quellen erhalten. Als Politikerin müsse sie schneller darauf reagieren und wäre froh, wenn sie sich auch einmal Zeit nehmen könnte, um zu schweigen und zu überlegen.

8. Biel-Bienne Kommunikationstage, 20. / 21.10.2009, im Kongresshaus, Biel

(Peter Linsin/news.ch mit Agenturen)

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