Computermodell sagt mehr Krebstote wegen Fukushima voraus
publiziert: Dienstag, 17. Jul 2012 / 13:29 Uhr
Den Hauptgrund sehen die Forscher darin, dass der grösste Anteil des radioaktiven Materials ins Meer gespült wurde.
Den Hauptgrund sehen die Forscher darin, dass der grösste Anteil des radioaktiven Materials ins Meer gespült wurde.

Stanford - Durch den Reaktorunfall von Fukushima könnten im Extremfall weltweit bis zu 1300 Menschen mehr an Krebs sterben. Bis zu 2500 weitere könnten neu an Krebs erkranken - die meisten von ihnen in Japan. Dies haben US-amerikanische Forscher mit einem Computermodell errechnet.

Wir kommen zu Ihnen, damit Sie zuhause bleiben können
4 Meldungen im Zusammenhang
Die Zahlen liefern erstmals eine Einschätzung dazu, welche globalen gesundheitlichen Folgen der nukleare Unfall vom 11. März 2011 nach sich ziehen wird. Die nun errechneten Werte hätten zwar enorme Spannbreiten, sie stünden aber in klarem Widerspruch zu Aussagen beispielsweise des UN Science Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR), berichten die Forscher im Fachmagazin «Energy and Environmental Science».

«Es gibt einige Gruppen, die gesagt haben, es würde keine globalen Effekte geben», erklärt Studienleiter Mark Jacobson von der kalifornischen Stanford University. Auch das UN-Komitee habe vorausgesagt, es werde keine ernsthaften Gesundheitsfolgen durch die freigesetzte Strahlung geben. Die jetzt ermittelte Rate von zukünftigen Toten und Krebskranken sei zwar ausserhalb Japans tatsächlich sehr niedrig, aber nicht null.

Bis zu 2500 Tote wegen Fukushima möglich

Als beste Näherung kamen die Forscher auf rund zusätzliche 130 Krebstote weltweit. Die Spanne reicht dabei von 15 bis 1300 Todesfällen, wie die Wissenschaftler berichten. Diese kämen noch zu den rund 600 Menschen dazu, die bereits im Rahmen der Evakuierung und der Notfallmassnahmen im Atomkraftwerk gestorben seien.

Bei den zu erwartenden Krebserkrankungen liege der Mittelwert bei 180 Fällen, mit einer Spannbreite von 24 bis 2500 Fällen. Wie die Forscher berichten, liegen die durch Fukushima zu erwartenden Krebstoten und Erkrankungsraten damit um eine Grössenordnung niedriger als nach dem Atomunfall von Tschernobyl.

Auswirkungen für Europa extrem gering

Die mit Abstand meisten Betroffenen gebe es unter den Bewohnern Japans, sagen die Forscher. Auf dem asiatischen Festland und in Nordamerika seien die gesundheitlichen Folgen dagegen sehr gering. So prognostizieren die Wissenschaftler für die USA nur 0,2 bis 6,3 zusätzliche Todesfälle und zwischen 0,3 und 15 Krebserkrankungen.

Für Europa liegen die Werte noch niedriger. Hier ergab die Simulation 0,17 bis 4,8 zusätzliche Krebstote und 0,3 bis 11 Krankheitsfälle. «Das trägt sicher dazu bei, die Befürchtungen zu zerstreuen, dass die Fukushima-Katastrophe gravierende weltweite Auswirkungen haben könnte», betont Erstautor John Ten Hoeve von der Stanford University.

Anbauverbot verhinderte Kontaminierung

Den Hauptgrund für die vergleichsweise geringen globalen Folgen sehen die Forscher darin, dass der grösste Anteil des radioaktiven Materials ins Meer gespült wurde. Nur 19 Prozent der freigesetzten radioaktiven Elemente seien über dem Land niedergegangen, berichten sie. In Japan habe auch die schnelle Evakuierung und das Anbauverbot für Getreide, Obst und Gemüse in belasteten Gebieten dazu beigetragen, dass nicht noch mehr Menschen radioaktiv kontaminiert wurden.

Für ihre Studie hatten die Forscher ein 3D-Atmosphärenmodell genutzt, um die Ausbreitung von radioaktivem Cäsium-137, Jod-131 und Cäsium-134 von Fukushima aus zu simulieren. Die damit ermittelten Belastungswerte speisten sie in ein medizinisches Modell ein, über das sie die Krebs auslösende Wirkung der jeweiligen Kontaminierung abschätzten. Da die Belastung durch verseuchte Nahrung und Wasser nur näherungsweise bestimmt werden konnte, erhielten die Wissenschaftler für ihre Ergebnisse relativ hohe Spannbreiten.

(knob/sda)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
Tokio - Die Zerstörung des japanischen Atomkraftwerks Fukushima durch einen Tsunami 2011 hat schwere Folgen auch für die ... mehr lesen
Das Fischen vor der Küste der Provinz Fukushima unterliegt freiwilligen Beschränkungen, damit kein kontaminierter Fisch auf den Markt gelangt.
Ungeachtet aller Proteste wollen die Betreiber die Reaktoren aber schrittweise wieder in Betrieb nehmen.
Tokio - Mehrere zehntausend Menschen haben am Montag in Tokio für ein Ende ... mehr lesen
Tokio - Ein Ausschuss des japanischen Parlaments ist zum Schluss gekommen: Die Kernschmelze im Atomkraftwerk ... mehr lesen 5
Katastrophe in Fukushima war laut Untersuchungsausschuss vermeidbar.
Die Strahlung sei so stark, dass ein Mensch schon nach Minuten erkranken und in kurzer Zeit sterben würde.
Tokio - Im Wrack des japanischen ... mehr lesen
Transparenter CH Medikamentenpreisvergleich
Wir kommen zu Ihnen, damit Sie zuhause bleiben können
Ankommen. Ausatmen. Eintauchen.
Seerose Resort & Spa
Seerosenstrasse 1
5616 Meisterschwanden
Massagepraxis Zürich-Oerlikon
Alexa Gesundheitsmassagen
Schwamendingenstrasse 36
8050 Zürich-Oerlikon
Akupunktur, Tuina, Massage, Laserakupunktur, Taping
Im Labor: Vitamin D zeigt sich als Krebshemmer.
Im Labor: Vitamin D zeigt sich als ...
Gen-Mangel kann Krankheit auslösen  Denver - Vitamin D könnte eine Waffe gegen Prostatakrebs sein. Forscher der University of Colorado Denver haben herausgefunden, dass die Menge des Gens GDF-15 bei Prostataentzündungen in durchgehend niedriger Konzentration vorhanden ist. 
Das Essen von Tomaten senkt das Prostatakrebsrisiko. (Symbolbild)
Prostatakrebs: Tomaten senken Risiko signifikant Bristol - Das Essen von Tomaten könnte laut einer Studie der University of Bristol das Prostatakrebsrisiko verringern.
Ebola-Epidemie  Brüssel - Der Zyprer Christos Stylianides, neuer EU-Kommissar für Humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung, ist auch neuer ...
Christos Stylianides soll die Hilfsangebote der EU-Länder aufeinander abstimmen.
Einreisekontrollen wird es an Schweizer Flughäfen weiterhin nicht geben. (Symbolbild)
Bundesrat hält sich über Ebola auf dem Laufenden Bern - Der Bundesrat hat sich an seiner wöchentlichen Sitzung am Mittwoch über den Stand der Vorbereitungen in der Schweiz ...
US-Regierung verschärft Bestimmungen für Reisende aus Ebola-Ländern Genf/Washington - Passagiere aus westafrikanischen ...
Ebola-Nervosität steigt weltweit an Washington/Berlin/Havanna - Die Sorge vor den Auswirkungen der Ebola-Epidemie löst ...
Titel Forum Teaser
Dirk Hebel ist Assistenzprofessor für Architektur am Singapore ETH Centre (SEC).
ETH-Zukunftsblog Sand (Teil 2): nachhaltige Alternativen Der massive Abbau natürlicher Sandvorkommen in ...
Medizin Jobs und Jobs Gesundheitswesen
Übrigens: Hier könnte auch Ihr Unternehmen gefunden werden.
Erfassen Sie zuerst Ihr kostenloses Firmenporträt! Mit dem Firmenporträt präsentieren Sie Ihr Unternehmen und Ihre wichtigsten Dienstleistungen schnell und einfach auf dem wichtigsten KMU-Marktplatz der Schweiz.
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
FR SA SO MO DI MI
Zürich 2°C 7°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Basel -0°C 9°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
St.Gallen 2°C 8°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Bern 1°C 12°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Luzern 2°C 11°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen leicht bewölkt, wenig Regen
Genf 7°C 14°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt leicht bewölkt
Lugano 11°C 18°C leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig leicht bewölkt, ueberwiegend sonnig
mehr Wetter von über 6000 Orten