Nach 2 Jahren
«Costa-Concordia»: Wrack immer noch vor Giglio
publiziert: Dienstag, 7. Jan 2014 / 09:43 Uhr
Mittlerweile konnte das Wrack in einer einzigartigen Aktion aufgerichtet werden.(Archivbild)
Mittlerweile konnte das Wrack in einer einzigartigen Aktion aufgerichtet werden.(Archivbild)

Die Havarie des Kreuzfahrtschiffs «Costa Concordia» jährt sich zum zweiten Mal und noch immer liegt das Wrack vor der toskanischen Insel Giglio. Im Juni soll versucht werden, das inzwischen aufgerichtete Schiff abzuschleppen.

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Zum Gedenken an das Unglück vom 13. Januar 2012 werden am Montag Inselbewohner und angereiste Angehörige der Opfer zunächst eine Messe feiern. Abends um 21.45 Uhr und sieben Sekunden, dem exakten Zeitpunkt des Aufpralls, soll sich dann an Giglios Kirche eine Prozession in Bewegung setzen.

"Sie endet dann an der Hafenmole, wo wir eine Gedenktafel für die Opfer aufgestellt haben, mit einem Gebet", sagte Gemeindepräsident Sergio Ortelli. Nie wieder ein solches Desaster, lautet eine Botschaft des Gedenkens auf der beliebten Ferieninsel, die sich Normalität zurückwünscht.

Im September konnte nämlich das Wrack zwar in einer einzigartigen Aktion aufgerichtet werden. Seither liegt der Kreuzfahrtriese zum Leidwesen der vom Tourismus lebenden Inselbewohner wie ein Mahnmal in Ufernähe. Das Wrack soll nicht vor Juni abgeschleppt werden. Wie und wohin, das ist auch zwei Jahre nach der Havarie noch nicht definitiv klar.

Kostspielige Bergungsaktion

Es handelt sich um eine der teuersten und kompliziertesten Bergungsaktionen aller Zeiten. Und sie kommt nur schleppend voran. Das kolossale Wrack an Ort und Stelle zu zerlegen, hätte massive Risiken für die Umwelt gebracht.

Etwa 400 Spezialisten arbeiteten Tag und Nacht auf Dutzenden Plattformen und Kränen daran, das halbversunkene Schiff in einem Stück zu sichern. Sie legten einen Betonboden, auf dem die "Costa Concordia" aufgerichtet werden konnte. Alles dürfte noch weit mehr kosten als die ursprünglich veranschlagten 230 Millionen Euro (ca. 283 Mio. Schweizer Franken) - die Summe steigt ständig und liegt derzeit bei mehr als 600 Millionen Euro (ca. 740 Mio. Schweizer Franken).

Falls alles klappt, dann soll das Unglücksschiff in eine Werft auf dem italienischen Festland abtransportiert und verschrottet werden. Viele Betroffene hatten ein pauschales Entschädigungsangebot der Genueser Reederei angenommen. Andere wiederum vertrauen auf gewiefte US-Anwälte, die ihnen versprechen, viel Geld für sie herauszuholen. Die Verfahren sind noch in vollem Gang.

Kapitän nicht als letzter von Bord

Bei der Havarie des 290-Meter-Kolosses vor der Insel Giglio waren vor zwei Jahren 32 Menschen ums Leben gekommen. Das gefährlich nahe an das toskanische Eiland herangesteuerte Schiff hatte einen Felsen gerammt und war unweit des Ufers mit aufgeschlitztem Rumpf gekentert. Der riskante Kurs soll gewählt worden sein, um die beliebte Insel zu "grüssen" und den Passagieren etwas zu bieten.

In einer chaotisch anmutenden Evakuierungsaktion versuchten verzweifelte Passagiere, die nahe Insel zu erreichen. Insgesamt waren mehr 4200 Personen an Bord des Schiffes.

Die Devise dieser Nacht lautete: Rette sich, wer kann - offenbar auch für Kapitän Francesco Schettino. Von ihm fehlte plötzlich an Bord jede Spur. Er hatte sein Schiff mitten in der Evakuierung verlassen. Später sagte Schettino, er sei versehentlich in ein Rettungsboot gerutscht.

Schettino im Fokus

Das bizarre Verhalten des süditalienischen Kapitäns erregte weltweit Aufsehen und rückte ihn in den Fokus der Ermittler. Er steht als einziger verbliebener Angeklagter seit Juli in Grosseto vor Gericht.

Ein erstinstanzliches Urteil in dem Mammutverfahren mit 1000 Zeugen dürfte noch etliche Monate auf sich warten lassen. Fünf Mitbeschuldigte hatten kurz vor Prozessbeginn ohne Verfahren eine Strafe ausgehandelt, was aber noch juristisch angefochten wird.

Während Schettino beharrlich aussagte, die Reederei Costa Crociere habe den gefährlichen Kurs angeordnet, gab diese den Schwarzen Peter immer wieder zurück: Der Kapitän sei verantwortlich.

Und dann ist da noch die zu klärende Rolle der Moldawierin Domnica Cemortan. Sie gab im Prozess zu, ein Verhältnis mit Schettino gehabt zu haben. Die 26-Jährige soll in der Unglücksnacht mit dem Kapitän auf der Brücke gewesen sein.

(ig/sda)

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