Couchepin: «Bundesrat ist kein Club der Gemütlichkeit»
publiziert: Dienstag, 2. Mai 2006 / 12:40 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 2. Mai 2006 / 12:58 Uhr

Bern - «Der Bundesrat ist kein Club der Gemütlichkeit». Wenn man Bundesrat werde, dürfe man keine Mimose sein, erklärt Bundesrat Pascal Couchepin zum Rücktritt von Regierungskollege Joseph Deiss.

Pascal Couchepin über Deiss: «Er hatte nicht mehr so viel Lust zu verhandeln.»
Pascal Couchepin über Deiss: «Er hatte nicht mehr so viel Lust zu verhandeln.»
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Die Rücktritsankündigung von Deiss sei für ihn zunächst eine grosse Überraschung gewesen, sagte Couchepin in einem in der «Südostschweiz» und der «Mittellandzeitung» erschienenen Interview.

Im Nachhinein sei er nicht mehr so sehr überrascht, zumal ihn die Haltung seines Kollegen in den letzten Wochen «ein bisschen verwundert hat». Er habe den Eindruck gehabt, Deiss habe im Bundesrat weniger als früher den gemeinsamen Entscheid gesucht. «Er hatte nicht mehr so viel Lust zu verhandeln.»

Joseph Deiss sei immer sehr engagiert gewesen. «Vielleicht mutete er sich physisch zu viel zu.» Wenn man eine schwierige Aufgabe zu erfüllen habe, müsse man sorgsam mit sich umgehen. Als Welscher und als Mensch bedauere er den Rücktritt sehr.

Bundesrat «vielleicht sogar besser» als vor 2003

Zu Deiss´ Besorgnis um den Bundesrat sagte Couchepin, dieser Institution gehe es nicht schlechter als vor der neuen Zusammensetzung seit 2003, «vielleicht sogar besser». Die Grenzen des gegenseitigen Respekts würden eingehalten. «Ich habe das Gefühl, das Klima ist besser als vor einigen Jahren.»

Dieser Bundesrat sei gut, man tausche Argumente aus, und manchmal komme es hart auf hart. Wenn man Bundesrat werde, dürfe man keine Mimose sein. Man könne nicht ständig den Kompromiss des Kompromisses beschliessen. Die meisten Vorschläge seien bereits Kompromisse, wenn sie in den Bundesrat kämen. Man könne es nicht immer jedem recht machen. Aber der Bundesrat sei kein Club der Gemütlichkeit.

Die CVP Schweiz hat die Kantonalparteien aufgefordert, bis Mitte Mai mögliche Kandidatinnen und Kandidaten für die Deiss-Nachfolge zu nennen.

Engler verzichtet

Aus dem Kanton Graubünden gibt es keine Kandidatur für die Nachfolge des zurücktretenden Bundesrates Joseph Deiss. Der von der Kantonalpartei ins Spiel gebrachte CVP-Regierungsrat Stefan Engler hat seinen Verzicht erklärt.

«Ich bin auch nicht Kandidat für eine Kandidatur», sagte Engler in einer persönlichen Erklärung vor den Medien im Regierungsgebäude in Chur. Die Leitung der CVP Graubünden habe er bereits in diesem Sinne informiert.

Es seien persönliche Gründe und andere Lebenspläne, die zum Verzicht geführt hätten, sich auf eine politische Auseinandersetzung mit ungewissem Ausgang einzulassen, erklärte der Bündner Baudirektor weiter. Er wolle sich auch in Zukunft mit aller Kraft und Freude seiner Regierungstätigkeit widmen können.

(fest/sda)

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