Curling: Selbst der Schweizer EM-Platz ist in Gefahr
publiziert: Montag, 9. Dez 2002 / 22:21 Uhr / aktualisiert: Montag, 9. Dez 2002 / 22:57 Uhr

(Si) 8:10 (nach einer 8:5-Führung) gegen die Curling-Nobodys aus England, sechste Niederlage im sechsten Spiel: Das Desaster der Schweizer Männer um Skip Ralph Stöckli an den EM in Grindelwald hat eine nicht für möglich gehaltene Steigerung erfahren.

Dem mit Olympia-Gold (Patrick Hürlimann 1998) und Olympia-Bronze (Andreas Schwaller 2002) reich gesegneten Schweizer Männercurling droht grosses Ungemach. Aus eigener Kraft können die St. Galler den Schweizer Startplatz an den Weltmeisterschaften im April 2003 in Winnipeg nicht mehr sicherstellen. Sie müssten die drei restlichen Spiele gegen Österreich, Frankreich und Schottland gewinnen und hoffen, dass zugleich England oder Schottland alle ihre Partien verlieren. Wenn dies alles einträfe, müssten sie hierauf noch mindestens zwei Entscheidungsspiele gewinnen - zuerst um Platz 7, dann gegen den Sieger des B-Turniers. Die Möglichkeitsform wird also arg strapaziert.

Wahrscheinlicher ist, dass sich die Schweiz zum allerersten Mal nicht für die Weltmeisterschaften qualifizieren wird. Der Schweizer Verband machte 1964 erstmals mit und war seither immer dabei.

Es könnte für das Schweizer Curling sogar noch schlimmer kommen: Selbst die Teilnahme der Schweiz in der A-Gruppe der nächsten Europameisterschaften im Dezember 2003 in Courmayeur ist in akute Gefahr geraten. Wenn die Schweizer -- was beim bisherigen Turnierverlauf nicht mehr auszuschliessen ist -- Zehnte und Letzte werden, steigt ihr Verband in die B-Gruppe ab. Der kommende Schweizer Meister könnte den WM-Startplatz nur über den B-EM-Gruppensieg und ein Entscheidungsspiel gegen den A-EM-Siebten zurückerkämpfen. In der A-EM kann die Schweiz nur bleiben, wenn die St. Galler in Grindelwald Achte werden oder sich als Neunte gegen den Zweiten der B-Gruppe durchsetzen. Die Überlegungen müssen derzeit noch weiter gehen: Sollte die Schweiz die nächsten zwei Weltmeisterschaften verpassen, würde auch der Olympia-Startplatz in Turin 2006 in weite Ferne rücken.

"Irgendwo steckt der Wurm, aber wir finden ihn nicht", bilanzierte ein ratloser St. Galler Teamcoach Thomas Fritsche nach dem frustrierenden Match gegen England, der in den letzten zwei Ends eine geradezu dramatische Wende nahm. Ein krasser, fataler Fehlstein der Nummer 2 Michael Bösiger und vier aufeinander folgende missglückte Take-out-Versuche von Ralph Stöckli und Claudio Pescia -- der Italo-Zürcher übernahm erneut die Skip-Rolle von Stöckli -- ermöglichte den Engländern ein mühelos erspieltes Viererhaus zur 9:8-Führung. Im 10. End eröffneten die Engländern den Schweizern zahlreiche Möglichkeiten, um wenigstens in ein Zusatzend zu kommen. Aber wie schon am Vorabend im Match gegen Norwegen (6:10 nach einer 6:1-Führung) war der Faden bei den Schweizern gerissen.

Es sei "verflucht und verhext", sagten Ralph Stöckli und Claudio Pescia nach dem curlerischen Waterloo. "Wir fühlen uns auch verantwortlich für die ganze Nation", so Stöckli. "Wir möchten all jenen, die uns um die EM herum helfen, etwas zurückgeben, aber es gelingt einfach nicht." Der prekären Lage -- WM-Platz und A-EM-Platz gefährdet -- sind sich die Ostschweizer vollauf bewusst. "Wir versuchen, die wichtigen Spiele, die jetzt kommen, Schritt für Schritt anzugehen", so Stöckli.

Schweizerinnen besiegten Tschechien

Wenigstens halbwegs Erfreuliches gibt es von den Schweizerinnen zu berichten. Das Team um Skip Nicole Strausak entledigte sich der Pflichtaufgabe gegen Aussenseiter Tschechien mit einem 8:2-Erfolg und glich die Bilanz auf 3:3 Siege aus. Die Bernerinnen halten sich im Rennen um einen Halbfinalplatz, müssen dafür aber vermutlich alle ausstehenden Spiele gegen Schweden, Weltmeister Schottland und Finnland gewinnen.

Resultate:
Vorrunde. Männer A. 6. Runde: England (Richard Murray, Chris Smith, Harvey Curle, Skip James Dixon) - Schweiz (St. Galler Bär/Michael Bösiger, Pascal Sieber, Ralph Stöckli, Claudio Pescia) 10:8. Deutschland (Sebastian Stock) - Schweden (Peter Lindholm) 9:6. Finnland (Markku Uusipaavalniemi) - Dänemark (Ulrik Schmidt) 5:4. Schottland (Warwick Smith) - Frankreich (Dominique Dupont-Roc) 9:2. Norwegen (Thomas Ulsrud) - Österreich (Alois Kreidl) 8:6. -- Rangliste (6 Spiele): 1. Deutschland und Norwegen je 10. 3. Dänemark, Finnland und Schweden je 8. 6. England und Schottland je 6. 8. Frankreich und Österreich je 2. 10. Schweiz 0. -- Restliche Gegner der Schweiz: Österreich (Di), Frankreich (Mi), Schottland (Do).

Männer B. 6. Runde: Holland (Reg Wiebe) - Weissrussland (Viktor Nikitsin) 14:3. Italien (Paolo Zandegiacomo) - Bulgarien (Bojidar Momerin) 8:4. Wales (Adrian Meikle) - Andorra (Andrew Ferguson-Smith) 12:2. Russland (Alexej Zelusow) - Spanien (Carlos Marcos) 12:2. Luxemburg (Nico Schweich) - Lettland (Peteris Sweisbergs) 16:5.

Frauen A. 6. Runde: Schweiz (Bern/Anita Jäggi, Madlaina Breuleux, Skip Nicole Strausak, Selina Breuleux) - Tschechien (Eva Petrakova, Lenka Safrankova, Hana Synackova, Skip Pavla Rubasova) 8:1. Russland (Olga Jarkova) - Frankreich (Sandrine Morand) 10:3. Schweden (Anette Norberg) - Norwegen (Dordi Nordby) 7:5. Deutschland (Daniela Jentsch) - Finnland (Kirsi Nykänen) 10:3. Schottland (Jackie Lockhart) - Dänemark (Dorthe Holm) nach Redaktionsschluss. -- Rangliste: 1. Norwegen und Schweden je 6/10. 3. Schottland 5/8. 4. Deutschland und Russland je 6/8. 6. Dänemark 5/6. 7. Schweiz 6/6. 8. Frankreich 6/2. 9. Finnland und Tschechien je 6/0. -- Restliche Gegner der Schweiz: Schweden (Di), Schottland (Mi), Finnland (Do).

Frauen B. 4. Runde: Bulgarien (Rusiana Ruskova) - Holland (Margietha Voskuilen) 9:5. Wales (Lesley Gregory) - Andorra (Ana Arce Lopez) 11:2. Italien (Giulia Lacedelli) - England (Sarah Jonston) 9:5. Lettland (Ilwa Beizaka) - Spanien (Montserrat Marti) 13:2.

(Peter Lerch/sda)

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