Cyberkrieg gegen Iran - Befehle von Obama?
publiziert: Samstag, 2. Jun 2012 / 18:34 Uhr
Barack Obama sei sich bewusst, dass er mit der Aktion eine neue Art vor Kriegsführung entfesseln könnte. (Symbolbild)
Barack Obama sei sich bewusst, dass er mit der Aktion eine neue Art vor Kriegsführung entfesseln könnte. (Symbolbild)

Die Attacken mit dem Computerwurm Stuxnet auf iranische Atomanlagen sind nach Informationen der «New York Times» von US-Präsident Barack Obama persönlich angeordnet worden.

9 Meldungen im Zusammenhang
Auch als Stuxnet im Sommer 2010 an die Öffentlichkeit gelangte, habe Obama die Geheimaktion mit dem Codenamen «Olympic Games» (Olympische Spiele) noch beschleunigt. Das schreibt der Washingtoner Chefkorrespondent der Zeitung, David E. Sanger, in seinem neuen Buch, aus dem am Freitag Auszüge veröffentlicht wurden. Er beruft sich dabei auf Informationen aus Sicherheitskreisen.

Das Weisse Haus wollte dazu nicht Stellung nehmen. Er könne den Bericht weder bestätigen noch dementieren, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Josh Earnest am Freitag vor Journalisten. Zugleich wies Earnest Fragen zurück, ob es sich um eine «gezielte Indiskretion» handele. «Solche Informationen sind aus gutem Grund geheim. Sie zu veröffentlichen würde eine Bedrohung für unsere nationale Sicherheit darstellen», sagte er an Bord der Air Force One.

Frage an Obama: «Sollen wir stoppen?»

Unter den Quellen von Sanger befinden sich nach seinen Angaben auch Personen, die bei einem Krisentreffen nach der Entdeckung von Stuxnet dabei gewesen waren. «Sollten wir die Sache jetzt stoppen?», habe Obama dort gefragt. Da aber unklar gewesen sei, wie viel die Iraner über die Schadsoftware wussten, sei beschlossen worden, weiterzumachen. In den Wochen darauf sei die iranische Atomfabrik in Natanz mit einer neueren Version von Stuxnet angegriffen worden und dann mit einer weiteren. Die letzte Attacke habe rund 1000 der damals 5000 Zentrifugen zur Urananreicherung zeitweilig ausser Betrieb gesetzt.

Stuxnet war ein hochentwickelter Computerwurm, der ausschliesslich Siemens-Industriesysteme in der für Atomzentrifugen typischen Konfiguration angriff. Ziel war das Siemens-System Simatic S7, das in Industrieanlagen zur Überwachung und Steuerung technischer Prozesse verwendet wird.

Die Konfiguration von Stuxnet liess Experten von Anfang an vermuten, dass der Iran das Ziel gewesen sein dürfte. Ausserdem argumentierten sie, die Software sei so komplex und aufwendig geschrieben, dass sie nur das Werk westlicher Geheimdienste sein könne. Dem Buch zufolge waren - wie schon vermutet - amerikanische und israelische Computerexperten am Werk. Um Stuxnet zu testen, sei eine «virtuelle Kopie» der Natanz-Anlage in den USA eingerichtet worden.

Auswirkungen umstritten

Die Auswirkungen der Cyberangriffe seien umstritten, schreibt Sanger, der eineinhalb Jahre für das Buch recherchierte. Im Weissen Haus gehe man davon aus, dass das iranische Atomprogramm um 18 bis 24 Monate zurückgeworfen worden sei. Andere Experten seien skeptischer und glaubten, dass die iranischen Wissenschaftler die Anreicherung wieder schnell hochgefahren haben und das Land heute über genug Material für fünf oder mehr Atomwaffen verfügen könnte.

Obama sei bewusst gewesen, dass er mit der Aktion eine neue Art vor Kriegsführung entfesseln könne, heisst es unter Berufung auf Teilnehmer der geheimen Treffen. Seine Sorge sei gewesen, dass mit dem amerikanischen Eingeständnis von Cyberattacken auch andere Länder oder Terroristen dazu greifen könnten. Zugleich habe er gehofft, mit den Computerangriffen einen israelischen Militärangriff auf den Iran verhindern zu können, der einen grossflächigen Regionalkonflikt zur Folge haben könnte. Wenn die Cyberattacke versage, werde es keine Zeit mehr für Sanktionen und Diplomatie geben, habe Obama gewarnt.

Stuxnet aus Versehen verbreitet

Entdeckt worden sei Stuxnet als Folge eines Software-Fehlers, schreibt Sanger. Der Computerschädling, der die Anlage in Natanz eigentlich nie verlassen sollte, nistete sich dadurch auf dem Computer eines Ingenieurs ein. Als dieser den Rechner später ans Internet anschloss, erkannte Stuxnet demnach nicht, dass der Computer nicht mehr in der Atomanlage ist, und begann, sich auszubreiten. Nach Darstellung von Sangers Quellen soll der Fehler in einer Stuxnet-Modifizierung der israelischen Partner gesteckt haben.

Das Cyberwar-Programm sei noch zu Zeiten von Obamas Vorgänger George W. Bush aus der Taufe gehoben worden. Erst in der Amtszeit des aktuellen Präsidenten hätten aber amerikanische und israelische Computerexperten endgültig den komplexen Wurm fertiggestellt. Obama habe das Programm betreut und jeden weiteren Schritt persönlich autorisiert, schreibt Sanger.

Flame weckt Erinnerungen an Stuxnet

Nach Stuxnet hatten noch weitere ungewöhnliche Computer-Schädlinge für Aufsehen unter IT-Sicherheitsexperten gesorgt. So enthielt der Trojaner Duqu aus bisher nicht geklärten Gründen einige Elemente des Stuxnet-Codes. Jetzt steht ein Virus mit dem Namen Flame im Mittelpunkt, mit 20 Megabyte noch viel grösser als Stuxnet. Die Software kann das Mikrofon des Rechners einschalten und Gespräche belauschen, Bildschirminhalte und Tastatureingaben aufzeichnen sowie das Datennetzwerk ausspähen. Deutsche Experten vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sehen in Flame keine Waffe für den Cyberkrieg. Das russische Antivirus-Unternehmen Kaspersky Lab hält das Programm hingegen für gefährlich und ausgefeilt.

(Thorsten Neuhetzki/teltarif.ch)

?
Facebook
SMS
SMS
0
Forum
Kommentieren Sie jetzt diese news.ch - Meldung.
Lesen Sie hier mehr zum Thema
München - Beginnend mit dem russisch-estnischen Cyberkonflikt 2007 gab es in den vergangenen Jahren immer wieder ... mehr lesen
Das Spionageprogramm Stuxnet ist nur die Spitze des Eisbergs.
Finanztransaktionen im Libanon und in Israel überwacht. (Symbolbild)
Die IT-Sicherheitsfirma Kaspersky hat eine Schadsoftware entdeckt, die offenbar ... mehr lesen
Publinews Moskau/Ingolstadt - Kaspersky Lab veröffentlicht mit Kaspersky Security for Mac eine neue Sicherheitslösung, die ... mehr lesen
Schützen Sie Ihren Mac, Ihre Daten und Ihre Kinder.
Tallinn - Der schnelle Fortschritt im Bereich der Cyberwaffen könnte dazu führen, dass bald eine neue Generation an Schädlingen und Gegenmassnahmen das Licht der Welt erblicken könnte, die nur noch schwer zu kontrollieren sind. mehr lesen 
Boston - Experten für IT-Sicherheit haben einen neuen, hochkomplexen Computer-Virus entdeckt. Die «Flame» getaufte Schadsoftware habe tausende Rechner vorwiegend im Nahen Osten - darunter auch im Iran - befallen und sei schon seit bis zu fünf Jahren aktiv. mehr lesen 
Weitere Artikel im Zusammenhang
Teheran - Der Iran hat am Samstag erstmals eine Cyber-Attacke auf seine Industrieanlagen durch den mysteriösen ... mehr lesen
Insgesamt sind gemäss iranischen Angaben 30'000 Computer befallen. (Symbolbild)
«Stuxnet» wird auch über USB übertragen.
Der Computerwurm Stuxnet besorgt die Internet-Community. Gemäss Berichten soll ... mehr lesen
Das Atomprogramm sei eine Staatsangelegenheit, so Dschalili. (Archivbild)
Das Atomprogramm sei eine ...
Atomprogramm überparteilich  Istanbul - Der iranische Atomunterhändler Said Dschalili hat den Westen vor falschen Hoffnungen auf einen neuen Kurs seines Landes in der Atompolitik nach der Präsidentenwahl gewarnt. Teheran beharre auf dem Recht auf ein ziviles Atomprogramm. 
Irans Ex-Präsident Rafsandschani tritt bei Wahl an Teheran - Für die anstehende Präsidentschaftswahl im Iran haben am Samstag zwei politische ...
Kandidat für Irans Präsidentenamt: Akbar Haschemi Rafsandschani.
Internationale Gemeinschaft legt Iran neuen Atom-Vorschlag vor Almaty - Im Atomstreit mit dem Iran legt die internationale ... 1
Das Nordkorea-Problem  USA und Südkorea wollen gemeinsam hart gegen nordkoreanische Provokationen und Kriegsdrohungen vorgehen, die Tür für einen Dialog mit dem kommunistischen Land aber offenhalten. Das sagten Präsident Barack Obama und seine südkoreanische Amtskollegin Park Geun Hye.  
Südkorea und USA beginnen zweitägiges Militärmanöver Seoul - Für das zweitägige Manöver lief auch der atombetriebene Flugzeugträger «USS Nimitz», eines ...
Ungeachtet der Spannungen mit Nordkorea haben Südkorea und die USA eine gemeinsame Marineübung begonnen.
Titel Forum Teaser
  • jorian aus Gretzenbach 1181
    EU/Parteien Ist eine Partei gegen die EU, bekommt sie keine Gelder mehr! Dies ... heute 17:53
  • jorian aus Gretzenbach 1181
    Israel/USA Israel hat Atombomben. (Friedlich) Die USA haben die Jihadisten in ... heute 03:44
  • zombie1969 aus Frauenfeld 1555
    Jeder... Angriff auf das friedliche Israel muss hart und nachhaltig beantwortet ... heute 01:15
  • jorian aus Gretzenbach 1181
    Luxemburg Warum wird nicht über Luxemburg ... Sa, 18.05.13 17:56
  • jorian aus Gretzenbach 1181
    Syrien Der Assad muss weg, damit die Islambrüder an die Macht kommen. So ... Fr, 17.05.13 08:11
  • zombie1969 aus Frauenfeld 1555
    Krass... was da abgeht unter dem Namen "Allahs". Allerdings neigen nicht nur ... Do, 16.05.13 14:46
  • jorian aus Gretzenbach 1181
    EURO! Der € sollte, die europäischen Völker zusammenschweissen. Das Gegenteil ... Di, 14.05.13 12:11
  • mariesuisse aus Bern 200
    Guatemala es vergehen immer viel zu viele Jahre, bis Diktatoren, die ... Di, 14.05.13 10:48
Senator Orrin Hatch: «So etwas habe ich in der Vergangenheit noch nicht erlebt − ausser damals unter Nixon.»
CNN-News Dreifacher Trouble für den Präsidenten Das Weisse Haus muss in diesen Tagen an mehreren ...
Wettbewerb
Fitness für die Lachmuskeln ist garantiert.
Mitmachen und gewinnen  Freitag, 31. Mai und Samstag, 1. Juni. Das sind die Daten welche man sich unbedingt merken muss. Denn dann tritt Dieter Nuhr, einer der erfolgreichsten ...
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
MI DO FR SA SO MO
Zürich 6°C 6°C bedeckt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Basel 6°C 8°C bewölkt, wenig Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen bewölkt, wenig Schnee, Schneeregen oder Regen
St.Gallen 8°C 9°C bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Bern 9°C 12°C bewölkt, wenig Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Luzern 9°C 10°C bedeckt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Genf 10°C 14°C bewölkt, wenig Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen bewölkt, Regen
Lugano 7°C 21°C leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen leicht bewölkt, Gewitter, wenig Regen
mehr Wetter von über 6000 Orten