Wie es das Resultat ausdrückt, war es eine Abwehrschlacht. Bei beiden Teams betrug die Angriffseffizienz weniger als 50 Prozent - Dänemark kam auf 46, Serbien musste sich mit 40 Prozent begnügen. Dass nicht allzu viele Tore fallen würden, hatte erwartet werden können. Die Serben kassierten in keiner ihrer acht Partien mehr als 22 Gegentreffer - eine unglaubliche Bilanz. Allerdings schossen sie auch nie mehr als 26 Tore.
Die Dänen, die bei jedem Angriff gnadenlos ausgepfiffen wurden, lagen im Final nie im Rückstand und liessen nur einmal ein Unentschieden (2:2) zu. Dies war in erster Linie auf die starke Leistung von Niklas Landin zurückzuführen. Der erst 23-jährige Torhüter, der in der nächsten Saison Teamkollege von Andy Schmid bei den Rhein-Neckar Löwen wird, wehrte sagenhafte 19 Schüsse ab. Im Angriff konnte sich die Equipe von Ulrik Wilbek auf Mikkel Hansen verlassen. Der Aufbauer präsentierte sich im Endspiel mit neun Toren aus 13 Schüssen in Bestform. Bei den Serben kam dagegen ausgerechnet der zum MVP des Turniers gewählte Momir Ilic nicht auf Touren; er verwertete nur zwei seiner elf Abschlussversuche.
Wer nach der Vorrunde viel Geld auf Dänemark als Europameister gesetzt hätte, der wäre nun ein reicher Mann. Die Skandinavier verloren zwei ihrer ersten drei Partien, unter anderem mit 22:24 gegen Serbien, und nahmen die Hauptrunde mit null Punkten in Angriff. Dank dreier Siege und weil Deutschland zwei "Matchbälle" vergeben hatte, erreichten sie doch noch den Halbfinal.
Keine Überraschung
Allerdings ist der Titelgewinn der Dänen keine Überraschung. An der letztjährigen WM waren sie hinter dem in Serbien schwer enttäuschenden Frankreich Zweiter geworden, wobei sie sich im Final erst in der Verlängerung (35:37) geschlagen geben mussten. An das WM-Niveau kamen sie allerdings trotz des Gewinns der Goldmedaille nicht heran.
Durch den Sieg im Final löste Dänemark als sechstes Team nach Gastgeber Grossbritannien, Frankreich, Tunesien, Argentinien und Südkorea das Ticket für die Olympischen Spiele in London. Dadurch rückte der WM-Achte Polen in eines der drei Olympia-Qualifikationsturniere nach, in denen noch sechs Plätze vergeben werden. Auch Serbien und der EM-Fünfte Mazedonien dürfen nach ihren tollen Leistungen an diesen Titelkämpfen an den Turnieren vom 6. bis 8. April teilnehmen.
Für den Gastgeber waren die Europameisterschaften trotz der Finalniederlage ein riesiger Erfolg. Bei den ersten drei Teilnahmen an internationalen Meisterschaften als Serbien (seit 2006) war der 8. Rang an der Weltmeisterschaft 2009 die beste Platzierung. Nun hätten sich die Osteuropäer beinahe die EM-Krone aufgesetzt und das serbische "Triple" am Sonntag perfekt gemacht - Novak Djokovic triumphierte bei den Australien Open, und die Wasserballer wurden bei den Männern Europameister.
Serben mit bestem Torhüter
Die beste Note bei den Serben verdiente sich Darko Stanic, der mit einer Abwehrquote von 42 Prozent der beste Stammtorhüter des Turniers war und verdientermassen ins Allstar-Team gewählt wurde. Auch im Final vermochte er mit 15 Paraden zu überzeugen. Stanic ist in der Schweiz kein Unbekannter, spielte er doch von Februar 2005 bis Mai 2006 für Suhr und die Grasshoppers. Sein Gastspiel hierzulande ging abrupt zu Ende, da er am 28. April 2006 in St. Gallen positiv auf Kokain getestet und für zwei Jahre gesperrt worden war.
Dem Kader Serbiens gehörten mit Keeper Dragan Marjanac (BSV Bern Muri) und Kreisläufer Bojan Beljanski (Kriens-Luzern) auch zwei in der NLA tätige Spieler an. Marjanac, der während rund 135 Minuten zum Einsatz kam, wehrte 22 von 74 Schüssen ab. Beljanski kam vorwiegend in der Defensive zum Zug, weshalb er bloss ein Tor (im Final) erzielte.
Bronze sicherte sich Kroatien, das Spanien 31:27 bezwang. Die Kroaten hatten zwar eine frühe Fünftore-Führung (9:4/15.) verspielt, nach dem 13:13 (31.) zogen sie allerdings wieder davon. In der 43. Minute stand es 22:16. Zu den besten Werfern bei den Osteuropäern avancierten Blazenko Lackovic und Ivan Cupic mit je sieben Toren. Kroatien, das seit 1992 Mitglied des Internationalen Handball-Verbandes (IHF) ist, gewann bereits zum zehnten Mal an internationalen Meisterschaften (inklusive Olympische Spiele) eine Medaille.
(fest/Si)