«Das Experiment hätte nach hinten losgehen können»
publiziert: Donnerstag, 17. Jun 2010 / 14:02 Uhr

Der dänische Musiker und Produzent Anders Trentemøller landete vor vier Jahren mit seiner Scheibe «The Last Resort» einen Monsterhit in der Elektronikszene, von Kritikern, Djs und Publikum gleichermassen geliebt. Jetzt hat er seinen Nachfolger «Into The Great Wide Yonder» vorgelegt.

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Deep, minimal, dark, so lässt sich der Sound Trentemøllers auf den Punkt bringen, und 2006, auf dem Höhepunkt der Minimal-Housemusik, war dieser Sound genau auf den Punkt hip und sehr beliebt. Seitdem liessen sich viele andere Musiker ihre Stücke durch ihn mit einem Remix veredeln, so z.B. die Pet Shop Boys, Moby, Depeche Mode oder Röyskopp.

Trentemøller kreierte einen Sound, der alle Hörer auf magische Weise auf einen Nenner bringt: Raumvoller, dramatischer und mystischer Sound, elektronisch trocken und dynamisch mit den 80ern im Geiste produziert, aber trotzdem analog und warm.

Nun stand Trentemöller vor der klassischen Schwierigkeit der zweiten Platte nach einem Erfolg. Wie geht man vor? Die Erwartungshaltung erfüllen oder neue Wege gehen? Trentemöller entschied sich für den Zwischenweg. Oder ist es der grosse Plan des Dänen?

Eigentlich Rockmusiker

Denn eigentlich wollte er immer Rockmusik machen, sattelte aber mangels Erfolg um. «Ich bin mit klassischer Rockmusik gross geworden, habe immer davon geträumt in einer Rockband zu spielen und plötzlich schien die Blase geplatzt - ich stand künstlerisch vor dem Nichts», so Anders Trentemøller in einem Interview mit dem Musiksender MTV. Erst da liess er das ganze Rockgedöns sein und fing an, rein elektronisch zu produzieren. Mit grossem Erfolg.

Auf der neuen Platte entwickelt er sich nun dahin gehend weiter, wo er ursprünglich herkommt. Was sich wie ein Paradoxon anhört, wird beim Hören der Platte schlüssig: Seinen speziellen, skandinavischen Elektronik-Sound ändert er nicht. Wäre ja auch blöd, denn das ist sowas wie sein hart erarbeitetes, unverwechselbares Markenzeichen.

Angefüllt mit Klängen, Rhythmen und Genres

Aber er füllt das Album mit Melodien und musikalischen Ideen und vermischt diese mit sehr unterschiedlichen spacigen Klängen, Rhythmen und Genres. Er nutzt dabei viele verschiedene Instrumente, einschliesslich der von ihm geliebten elektronischen und akustischen Gitarren, dazu Streicher, Theremin, Bass-Mandoline und Elektronik mit einer spielerischen Leichtigkeit, die selten zu hören ist. Die meisten Instrumente hat er dann auch selbst eingespielt.

«Das Experiment hätte nach hinten losgehen können, weil viele ein ganzes Album im Stile meiner vorangegangen Single erwarteten. Ich fand es aber langweilig diesen Schritt zu gehen und wollte Neues ausprobieren.»

Genereübergreifend

Trentemøller ist ein Album gelungen, das man sich in Ruhe anhören muss, es ist keine Platte für den Club geworden. Sowieso gibt es - gottseidank - nicht mehr diese scharfe Trennung der Hörerschaft in Elektronik- und Analoghörer. «Into The Great Wide Yonder» verbindet stil- und genreübergreifend, was sonst nur Bands wie Massiv Attack schaffen.

Für die Dancefloors der Clubs muss Trentemøller allerdings seine Stücke noch umarbeiten oder umarbeiten lassen. Doch bei seinem Know-How sehe ich da keine Probleme.

 

(Felix Steinbild, Berlin/news.ch)

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