Das Gegenteil von gut: gut gemeint
publiziert: Montag, 28. Jun 2010 / 09:00 Uhr

Die vom Nationalrat beschlossene 20-prozentige Reduktion der CO₂-Emissionen nur im Inland wäre erreichbar, wenn man sich auf die massive Substitution von Heizöl und eines Teils des Benzins durch Erdgas konzentrieren würde. Diese Massnahmen würden rasch, wirtschaftlich und zuverlässig eine deutliche Reduktion von CO₂ im Inland bewirken.

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Gastautor Jean-Marc Hensch ist Direktor des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie.
Gastautor Jean-Marc Hensch ist Direktor des Verbands der Schweizerischen Gasindustrie.
Wie schrieb doch vor kurzem der Stadtrat von Zürich in Beantwortung einer Anfrage aus der grünen Partei: „Die Substitution von Ölheizungen mit Erdgasheizungen leistet in der Stadt Zürich seit Jahren den grössten Beitrag zur Reduktion von CO₂.” Eigentlich eine Binsenwahrheit, aber es ist schon lange her, seit dies eine politische Behörde so laut und deutlich gesagt hat.

Zielführende Lösungen notwendig

Somit sollten wir eigentlich erwarten, dass die öffentliche Hand diese Erkenntnis beherzigt und nun Erdgas als die optimale Strategie zur CO₂-Reduktion fördert und unterstützt. Doch wer die politische Realität kennt, weiss: Dies wird kaum passieren. Für Erdgas spricht sehr viel, nicht nur der geringere CO₂-Ausstoss. Aber es ist ein fossiler Brennstoff. Man verlangt nicht nach zielführenden, sondern nach politisch korrekten Lösungen. Dabei wird die Welt in gut und böse eingeteilt, in schwarz und weiss. Wer auf der falschen Seite landet, wird geächtet, wer auf der richtigen Seite steht, kassiert Subventionen. Man behandelt Erdgas wie Kohle, gleichzeitig tut man aber so, als ob importierter Strom aus eben dieser Kohle keine CO₂-Emissionen hervorrufen würde. Weil bewusst nur von der praktisch CO₂-freien Schweizer Stromproduktion gesprochen wird und nicht vom effektiven Verbrauch (siehe www.stromundklima.ch).

Die „korrekte” Politik sieht dann so aus:

  1. Effizienten kondensierenden Erdgas-Heizungen werden Steine in den Weg gelegt, während Elektrowärmepumpen zulasten des Steuerzahlers und des Stromkonsumenten finanziell gefördert werden. Selbst wenn sie an einem Standort stehen, der sie an kalten Tagen wie die inzwischen verpönten Elektroheizungen arbeiten lässt. Ganz abgesehen davon, woher der Strom für ihren Antrieb kommt und mit wie viel CO₂ dieser belastet ist.
  2. Über die kostendeckende Einspeisevergütung KEV werden kleine und kleinste und daher ineffiziente Biogas-Verstromungsanlagen gefördert. Statt einen Anreiz zu setzen, ökologisch sinnvoller das Biogas ins Erdgas-Netz einzuspeisen und zum Beispiel in der Mobilität einzusetzen.
  3. Oder man denke an die massive, wirtschaftlich völlig verfehlte Subventionierung der Photovoltaik, statt auf die wesentlich einfacheren, verlässlicheren und deutlich billigeren Sonnenkollektoren zu setzen, welche die Wärme direkt nutzen. Dabei wäre das Potenzial sehr gross: Die Kollektorfläche pro Einwohner der Schweiz entspricht bis heute lediglich anderthalb A4-Blättern. Da wäre so viel zu tun - speziell in Kombination mit Erdgas-Heizungen.

Diese Entwicklungen bringen dem Klima nichts. Und sie schaden unserer Volkswirtschaft. Unseren Politikern kann das egal sein. Sie handeln ja völlig „korrekt”. Und meinen es gut.

(Jean-Marc Hensch/ETH-Klimablog)

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