Das Kanzler an das Gott
publiziert: Mittwoch, 26. Dez 2012 / 08:03 Uhr / aktualisiert: Mittwoch, 2. Jan 2013 / 18:49 Uhr
Kristina Schröder: Wenn das Ministerin über das Gott Nachdenkt
Kristina Schröder: Wenn das Ministerin über das Gott Nachdenkt

Mein guter Freund Georg dachte, er könne mich mit seiner Bemerkung «Wie doof ist das denn?» provozieren. Es ging um Schweden. Erst vor wenigen Monaten hat Schweden ein drittes, geschlechtsneutrales Personalpronomen eingeführt. Schweden will mit nach und nach alle geschlechtsspezifischen Zeichen mit «es» und alle «die, der» mit «das» ersetzen.

«Das» Gott von Kristina Schröder wird also in Zukunft nur ein Amuse-Bouche versächlichter Sprache sein. Georg meinte natürlich, dass ich als Vorreiterin des Gedankens, dass Frauen auch Menschen seien, dies total geil fände und war völlig erstaunt, dass das Gegenteil der Fall war. Klar doch. Ich bin mit Louise Pusch feministisch und äusserst lustig wachgerüttelt worden.

Jedesmal, wenn ein Vorstandsmensch mit «Liebes Mitglied» beginnt, denke ich automatisch «Liebes Mitklit» mit. Klar doch, für mich war es lange vor der Lektüre Wittgensteins erhellend, über Sprache und Macht so nachzudenken, dass ich mit meiner Wortwahl tatsächlich was veränderte. Zuerst mich und dann mein Umfeld. Meiner Schreibe ist Louise Pusch immer Patin, vor allem, wenn ich die «normale» klassische Männernorm-Sprache benütze: Denn dann ist sie präzise. Ich rede von Politikern, weil nur sie es waren, welche die Entscheidungsmacht hatten. Ich rede konsequent von Sozialarbeiterinnen, auch wenn Männer mitgemeint sind.

Wer aber auch bei Bankvorständen oder Aktionären ein - Innen reinpackt, versteckt oft die wahre Machtverteilung. Mit der Sprache verhält es sich wie mit der Political Correctness. Oft wird sie nur dann verweiblicht oder eben versächlicht, wenn es darum geht, wahre Ungerechtigkeit und wahre Machtverhältnisse zu verschleiern. Ich mag es nicht, wenn Inhalt und Sprache so auseinanderdriften, dass Finanzminister Schäuble die unanständigsten Politiken äusserst korrekt formuliert.

Was gut klingt, ist noch lange nicht richtig. Ähnlich ergeht es mir auch mit den bürgerlichen Frauen, die plötzlich alle für eine Frauenquote sind. Sie engagieren sich wohl nur deshalb für die Frauenquote, weil sie mit ihren Managerinnen sichergestellt haben, dass mehr Frauen in Machtpositionen absolut nichts am totalen Kapitalismus verändern.

Deshalb ist der schwedische Vorschlag äusserst gefährlich. Denn mit «es» wird der Mensch im Kapitalismus noch mehr zum Ding. Zum Objekt. Zur verfügbaren Konsummasse. Wie sollen wir, bitte schön, Tango als «es» tanzen? Meine schwulen und lesbischen Freunde und Freundinnen sind die genialsten Tangotanzenden. Sie spielen mit menschlichen Archetypen, einmal zu führen und das anderemal verführt zu werden. Einmal zu zeigen, das anderemal zu glänzen.

Je länger je mehr unser Wirtschaftssystem uns alle versachlicht, umso mehr müssen wir die menschlichen Plätze bewahren. Mit einer Sprache, die bewusst und klar ist und sich immer wieder neu erfindet...aber bitte nicht mit einem «ES» - «it» von Steven King lässt grüssen.

Wer Frauen möglichst zackig in den Kapitalismus integrieren will, schafft «es» ein. Denn dem Monster Verdinglichung ist jede übriggebliebene Eigenständigkeit des Menschen zuwider. Denn dann redet das Kanzler wie das Gott: Einförmig, ununterscheidbar, steril, homogenisiert und warenmässig versachlicht.

Es grüsst Sie somit weihnachtlich und politisch korrekt das Frau Stämpfli...

(Regula Stämpfli/news.ch)

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