Das Kino am Ende?
publiziert: Dienstag, 27. Dez 2005 / 15:24 Uhr / aktualisiert: Dienstag, 27. Dez 2005 / 15:52 Uhr

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Die Zahlen sind erschütternd. Nicht nur in der Schweiz – international. Die Besucherzahlen der Kinos gehen von Jahr zu Jahr zurück. Von etwa 8 Prozent in den USA bis über 20 Prozent in Deutschland. Und der Trend ist eindeutig. In der westlichen Welt ist das Kino am verwelken. Und das reisst auch kein emotional geschädigter Affe wieder raus.

Es wird des langen und breiten darüber diskutiert, warum dies so ist. Doch die Antwort ist ziemlich einfach: Man kann es gerade so gut auch zu Hause haben. Denn seien wir ehrlich, wann war ein Kino-Besuch das letzte Mal ein Erlebnis und nicht ein Grund zum Nerven?

14 Franken Eintritt, eine lächerliche Tüte Popcorn für 4 Franken, eine Dose Cola aus dem Automat für gerade so viel, Sitze mit zu wenig Beinfreiheit (falls sie das nicht kennen, sind Sie unter 1.80 gross), plaudernde Mit-Zuschauer, Kaugummi am Boden, schlecht eingestellter Ton und ein Projektor, der nicht sauber fokussiert ist... die Liste liesse sich beliebig verändern.

Kommt dazu, dass es meist nur drei Monate geht, bis die DVD draussen ist. Hat man sich dazu noch ein halbwegs gescheites Heimkino eingerichtet, ist die Motivation, zu zweit einen Fünfziger für das zweifelhafte Vergnügen Kino hin zu legen, relativ gedämpft? Ja, lassen wir es dabei bewenden.

Zu Hause dagegen kann man eine neue DVD zum Party-Anlass machen. Freunde kommen vorbei, man zieht den Film in tollem Sound rein und das Bier gibt's zum Grossverteiler-Preis dazu. Das Kino in der jetzigen Form ist vielleicht nicht tot. Aber – um sich bei Frank Zappa anzulehnen – es riecht etwas komisch.

Wie üblich gibt die Industrie natürlich allen anderen Faktoren die Schuld: Raubkopierer, Wirtschaftslage, warme Sommer, kalte Winter, zu gute Fernsehserien. Doch nicht die Tatsache, dass es nur noch wenige gute Filme produziert werden oder jene, dass genau diese Firmen die Filme mit Vollgas für den Heimgebrauch verwerten und so die Exklusivität des Kinos zerstören. VHS-Kassetten waren eben keine Kino-Alternative, sondern nur trauriger Abklatsch. DVDs und vor allem die neuen, hochauflösenden Formate, die vor der Einführung stehen – Stichwort HDTV – hingegen, werden dem Kino den Garaus machen.

Oder ihm – wenn die Betreiber klug sind – neues Leben einhauchen. Neue Projektoren machen es nämlich möglich, im HDTV-Format Fussballspiele und andere Live-Events zu übertragen. In einer Qualität, die tatsächlich die Bezeichnung Live-Like verdient. Konzertübertragungen, Formel 1 – Rennen, usw. Ereignisse, die vom Publikum und seinen Reaktionen profitieren sind ideal. Allerdings funktioniert dies nur mit neuen Sitzkonzepten, neuen Marketingpartnern und Zusammenarbeit mit neuen Content-Providern, die bis anhin nichts mit Kinos zu tun hatten. Kurz und gut, das Kino muss neu erfunden werden.

Solange es noch einigermassen funktioniert, werden die momentanen Kinobetreiber und die Studios gleich weiter wursteln. Es sind nun vor allem Leute gefragt, die den Mut haben, mit neuen Konzepten vor zu preschen und das Kino aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts ins neue Jahrtausend zu führen. Ansonsten wird es den Bach runter gehen und zur Drittwelt-Unterhaltungsmedium werden.

(von Patrik Etschmayer/news.ch)

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