Das Meisterporträt des FC Zürich
publiziert: Sonntag, 24. Mai 2009 / 19:47 Uhr

Nach einjährigem Unterbruch ist der FCZ im Championat wieder topklassiert. Attraktiv wie in besten Favre-Zeiten und im Gesamtvergleich erfolgreicher als der Liga-Koloss Basel stürmte Zürich zum dritten Titel innerhalb der letzten vier Jahre.

Sportchef Fredy Bickel, Trainer Bernard Challandes und Assistenztrainer Andi Ladner feiern den Titel.
Sportchef Fredy Bickel, Trainer Bernard Challandes und Assistenztrainer Andi Ladner feiern den Titel.
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Die gute Nachricht vorweg: Risikobereitschaft und spektakulärer Angriffsfussball lohnt sich nach wie vor.

Ausser den am Ende lahmenden Young Boys berauschte sich keine Equipe mehr an ihrer Kreativabteilung. In der nationalen Skorerwertung ist der FCZ mit Almen Abdi, Eric Hassli und Alexandre Alphonse in den Top 4 gleich dreifach vertreten.

Champagner-Fussball à la FCZ, dessen Bilanz nur gegen Basel (lediglich ein Punkt) ungenügend war.

Der edle Tropfen musste reifen

Der edle Tropfen musste aber reifen. Und das in einem Business, in dem das Gros der Entscheidungsträger mit dem Begriff «Geduld» wenig bis nichts anfangen kann.

Geplant wird nicht selten von einem Monat zum nächsten. Da unterscheidet sich der Platz Zürich in der Regel nicht fundamental von der Piazza in Rom. Insbesondere die Kreditwürde von Trainern hat oft eine kurze Halbwertszeit.

Die (neue) FCZ-Führungscrew hat sich zum zweiten Mal seit der Ära Favre gegen den üblichen Zyklus gestemmt. Als Bernard Challandes´ im ersten Jahr nach Lucien Favres Absprung und dem Ausverkauf der Meister-Equipe in erhebliche (mediale) Turbulenzen geriet, wurde er vom Präsidium diskussionslos abgeschirmt. Kein kritisches Votum über den Trainer drang an die Öffentlichkeit. Diese bemerkenswerte Haltung zahlt sich nun aus.

Nicht nur Challandes wurde in seiner Arbeit bestärkt, auch andere Problemfälle löste der Verein elegant. Eric Hassli beispielsweise stürmte (oder stand) in der letzten Saison mehrheitlich ins Offside. Die Fans degradierten den Stürmer im Herbst 2007 ans Ende der Popularitätsskala. Sportchef Fredy Bickel liess den Stürmer gleichwohl nicht fallen. Hassli spürte am persönlichen Wendepunkt den Support und bedankte sich mit der besten Saison seiner Karriere.

Frühzeitig und mit scharfem Fernblick

Prima vista wirkte die Transferpolitik passiv. Aber auch in diesem Punkt handelte der FCZ frühzeitig und mit scharfem Fernblick. In der letzten Rückrunde stand Challandes bereits das komplette Kader für die aktuelle Meisterschaft zur Verfügung. Zürich engagierte ausser den «Sonderfall» Xavier Margairaz keine neuen Spieler mehr. Stattdessen trennte sich der Klub im richtigen Moment von Fremdkörpern wie Vasquez, Tahirovic, Eudis und Kondé.

Gravierende Ausfälle wie jener des tunesischen Künstlers Yassine Chikhaoui kompensierte der FCZ während Monaten mit der nächsten Garde. Adrian Nikci, der 19-jährige Zürcher Oberländer gehört dazu, oder Philippe Koch (18), der vom einen Tag auf den anderen den verletzten Stammverteidiger Florian Stahel ersetzte. Im Sturm trat das grosse Talent Admir Mehmedi (18) sporadisch aus der Warteschlaufe. Sie alle stehen für die erstklassige Nachwuchsarbeit Zürichs und für die mittelfristige Zukunft des neuen Meisters.

Nur in einem Punkt wich der FC Zürich von seiner Vorwärtsstrategie mit «eigenen» Spielern ab: Als Margairaz in Osasuna nach einer komplizierten Knieverletzung nicht mehr auf Touren kam, setzte sich Challandes für eine Rückkehr des Chef-Technikers ein. Bickel fädelte den Wunsch seines Coaches geschickt ein. Der Romand belebte das «One-Touch-Team» entscheidend und war massgeblich am 12. Titelgewinn beteiligt.

FC Zürich. -- Klubfarben: Weiss-Blau. -- Gründungsdatum: 1. August 1896. -- Stadion: Letzigrund. -- Kapazität: 26'600 Zuschauer.

Präsident: Ancillo Canepa (seit 2006). -- Sportchef: Fredy Bickel. -- Trainer: Bernard Challandes (seit 2007). -- Trainer-Assistenten: Erich Hänzi, Andy Ladner. -- Goalietrainer: Martin Brunner. -- Budget: 18 Millionen (offiziell), geschätzt: über 20 Millionen Franken.

Meistertitel: 12 (1902, 1924, 1963, 1966, 1968, 1974, 1975, 1976, 1981, 2006, 2007, 2009). -- Cupsiege: 7 (1966, 1970, 1972, 1973, 1976, 2000, 2005). -- EC-Teilnahmen: 23. Zweimal im Meistercup-Halbfinal (1964 gegen Real Madrid und 1977 gegen Liverpool)

Das Kader des Schweizer Meisters:
Tor: Johnny Leoni (25). Andrea Guatelli (It/26). Orlando Lattmann (19). -- Verteidigung: Florian Stahel (24). Daniel Stucki (27). Philippe Koch (18). Alain Rochat (26). Heinz Barmettler (21). Remo Staubli (20). Hannu Tihinen (Fi/Captain). Veli Lampi (Fi/24). -- Mittelfeld: Xavier Margairaz (25). Tito Tarchini (19). Silvan Aegerter (29). Tico (Nig/27). Adrian Nikci (19). Dusan Djuric (Sd/24). Yassine Chikhaoui (Tun/22). Almen Abdi (22). Martin Büchel (Lie/22). Marco Schönbächler (19). -- Stürmer: Alexandre Alphonse (Fr/25). Eric Hassli (Fr/28). Admir Mehmedi (Sz/18). Emra Tahirovic (seit Februar 2009 bei Örebro).

(Sven Schoch/Si)

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