Das Monster und das Erfolgsprogramm
publiziert: Donnerstag, 9. Sep 2004 / 22:11 Uhr

Milan startet als Favorit in die am Samstag mit der Partie gegen Aufsteiger Livorno beginnende Serie A. Nach dem sechsten Titel seit 1992 wollen die Mailänder diesmal das Campionato und die Champions League gewinnen. Das erste Double seit 1994 soll Tatsache werden, dem Zufall wird nichts überlassen.

Milan will in diesem Jahr das Double.
Milan will in diesem Jahr das Double.
1 Meldung im Zusammenhang
Andrej Schewtschenko hat in den letzten Tagen viele Stunden im Flugzeug verbracht. Mit der ukrainischen Nationalmannschaft flog er am Montag nach Kasachstan, nach Alma Ata. Eine Reise umsonst. Wegen eines muskulären Problems verzichtete er am Mittwochabend auf das WM-Qualifikationsspiel gegen den UEFA-Neuling.

In der Nacht gings mit einem sechsstündigen Flug zurück nach Kiew, wo er am Donnerstagnachmittag mit einem eigens von Arbeitgeber Milan zur Verfügung gestellten Privatjet nach Norditalien geflogen wurde. Zwei Tage vor dem ersten Auftritt in der Serie A wollte der Meister keine Stunde zuviel auf den osteuropäischen Topskorer verzichten.

Die Geschichte hat einen einfachen Hintergrund. Bei Milan wissen sie, dass der Erfolg nicht programmierbar ist. Doch sie wissen auch, dass man die Voraussetzungen schaffen kann, dass sich die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs erhöht. Deshalb überlässt das Umfeld der "Rossoneri" nichts dem Zufall. Und ein dummer Zufall wäre, wenn Schewtschenko wegen verspäteter Linienflüge aus Osteuropa übermüdet nach Mailand zurückkehren würde -- auch wenn Livorno für den erstklassig besetzten Titelträger auch mit einem unausgeruhten "Shevagol" keine zu hohe Hürde darstellen dürfte.

Dem Erfolg ordnen sie in der "casa rossonera" alles unter. Und Erfolg hatten sie in den letzten 15 Monaten genug. Champions League, italienischer Cup, europäischer Supercup, italienische Meisterschaft und zuletzt noch den nationalen Supercup: Seit dem 28. Mai 2003 und dem Champions-League-Triumph von Manchester über Erzrivale Juventus hat Milan -- ausser dem Weltcup -- alles gewonnen.

Mit Akribie wurde der Squadra Mosaiksteinchen um Mosaiksteinchen zugefügt, bis jetzt, am Vorabend der Saison 2004/2005, dem Trainer Carlo Ancelotti ein Ensemble zur Verfügung steht, welches das Potenzial hat, nach dem Höchsten zu streben. Vor zwei Jahren wurden Verteidiger Alessandro Nesta sowie die Mittelfeldspieler Andrea Pirlo und Clarence Seedorf verpflichtet und damit das Abwehrdispositiv und die defensive Mittelreihe verstärkt.

Im Sommer 2003 wurde das Defizit der mangelnden Durchschlagskraft im offensiven Mittelfeld mit dem Zuzug des Brasilianers Kaka behoben. Und auf diese Saison hin wurde der "Fuhrpark" in jeder Reihe hochkarätig ergänzt. Jaap Stam (Ho), Vikash Dhorasoo (Fr) und Hernan Crespo (Arg) bezogen ihre Zimmer auf dem Trainingsgelände von Milanello. Die herausragende und doppelte Besetzung von jeder Position ist bei Milan keine Idee von Phantasten, sondern Wirklichkeit geworden.

Betreut wird das Personal in Milanello -- das Trainingszentrum liegt idyllisch im Grünen zwischen Mailand und Varese -- von einem Heer von Medizinern. Adriano Galliani, der Vizepräsident und operative Chef, liess als promovierter Geometer seine Beziehungen zur Universität spielen und engagierte eine Vielzahl von Medizin-Professoren.

Diese hoben die medizinische Abteilung, das so genannte "MilanLab", aus der Taufe. Dort wird jeder Spieler fast täglich zu Tests gebeten; Formkurven, Verletzungsanfälligkeiten und gesundheitliche Probleme der hochbezahlten Stars sollen so frühzeitig erkannt werden. Der Zufall soll auch hier nicht über langwierige Verletzungen und Verfehlungen im Rotationsprinzip Regie führen.

Im letzten Jahr ist dieses System ein weiteres Mal aufgegangen. Milan kam zu einem Start-Ziel-Sieg in der Meisterschaft und heftete sich den Scudetto, das Meisterschaftsabzeichen, schon drei Runden vor Schluss ans Revers. Eines aber kann auch dieses erfolgsbewährte System -- Inters Präsident Giacinto Facchetti nennt den Stadtrivalen mit halb neidischem, halb verächtlichem Unterton "Monster Milan" -- nicht verhindern: das menschliche Versagen.

Dieses trat an jenem denkwürdigen Abend des 7. April in La Coruña ein, als eine unkonzentrierte und deroutierte Milan-Truppe das Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals gegen die Galicier sang- und klanglos 0:4 verlor. Eine Demütigung nicht nur für die "Rossoneri" sondern für das gesamte (Fussball-)Italien.

Um solche Blamagen zu verhindern, wird nichts unversucht gelassen. Und im Notfall holt der Privatjet auch einen einzelnen Spieler im vier Flugstunden entfernten Kiew ab. Erfolg ist nicht programmierbar, aber bei Milan soll er wenn möglich Programm sein.

(von Stefan Wyss/Si)

Lesen Sie hier mehr zum Thema
Die Serie A startet am Wochenende als ... mehr lesen
Davide Chiumiento ist einer von zwei Schweizern in der Serie A.
 
Auch wenn das Wetter schön ist und du vielleicht rausgehen und Freunde treffen willst. Du musst jetzt zu Hause bleiben.
Einfach, schnell und zuverlässig  Der Schweizer Bundesrat hat am 16. März 2020 die ausserordentliche Lage ausgerufen, ab sofort gilt der nationale Notstand. Somit übernimmt der Bundesrat ... mehr lesen
Stellenmarkt.ch
Kreditrechner
Wunschkredit in CHF
wetter.ch
Heute Di Mi
Zürich 2°C 20°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Basel 4°C 22°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
St. Gallen 5°C 17°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Bern 1°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Luzern 4°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Genf 4°C 19°C sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
Lugano 8°C 18°C recht sonnigleicht bewölkt, ueberwiegend sonnig sonnig sonnig
mehr Wetter von über 8 Millionen Orten