Das Schweizer Wunder blieb aus
publiziert: Sonntag, 30. Jan 2005 / 13:18 Uhr / aktualisiert: Sonntag, 30. Jan 2005 / 22:19 Uhr

Im Super-G der Frauen vom Sonntag blieb der erhoffte Exploit aus. Nadia Styger war als Achte die beste aus dem Schweizer Trio. Zur Medaille fehlten aber nur 39 Hundertstel. WM-Gold ging überraschend an die Schwedin Anja Pärson.

Anja Pärson konnte sich über den verdienten Sieg freuen.
Anja Pärson konnte sich über den verdienten Sieg freuen.
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Mit bescheidenen Schweizer Erwartungen wie noch selten war in Santa Caterina zum Frauen-Super-G gestartet worden. Vor gut zwei Wochen in Cortina hatten die Schweizerinnen die grösste Schlappe aller Zeiten einkassiert, indem die Beste nicht über Rang 28 (Styger) hinaus gekommen war. Und in allen fünf Super-G des Winters war nie eine besser als Zwölfte gewesen. Erstmals also in dieser Saison schaffte mit Nadia Styger eine Schweizerin einen Platz in den Top 10.

Das wertete auch Nadia Styger als positiven Aspekt, wenngleich sie sofort relativierte: "Ein 8. Platz zählt an einer WM nicht viel. Aber ich bin im unteren Teil gut gefahren, so wie ich es kann. Und wenn ich den Fehler im oberen Abschnitt nicht gemacht hätte, wäre nach den vielen Ausfällen der Favoritinnen gar eine Medaille möglich gewesen. Das gibt immerhin Selbstvertrauen für die Abfahrt." Die Analyse der Zwischenzeiten bestätigt die Innerschweizerin. Nach gut 45 Fahrsekunden lag sie auf dem 23. Zwischenrang, doch auf den beiden unteren Abschnitten realisierte sie die zweit- und drittbeste Zeit, was sie noch um 15 Ränge nach vorne brachte.

Nadia Styger wurde dieselbe Stelle zum Verhängnis, an der später auch zahlreiche der grossen Stars scheiterten. "Mir wurde gesagt, dass ich die Rechtskurve nicht zu direkt anfahren soll. Das versuchte ich umzusetzen, aber ich hätte dieses Tor noch mehr ´holen´ müssen. Aber langsam bin ich wieder dort, wo ich hingehöre." Das Material jedenfalls liess keine Wünsche offen: "Ich bin wieder den alten Ski gefahren, mit dem ich letzten Winter beim Saison-Finale in Sestriere gewonnen habe. Das hat sich bewährt."

Weniger erfolgreich kämpften Sylviane Berthod (16.) und Fränzi Aufdenblatten (18.). "Das Wunder ist nicht eingetreten", brachte es Berthod auf den Punkt, "ich stand zu hart auf den Ski, fuhr wohl zu aggresiv. Demoralisiert bin ich aber nicht, ich wusste schon vorher, dass ich auf der Abfahrt bessere Chancen besitze." Ähnliches äusserte Fränzi Aufdenblatten: "Im Super-G konnte ich mir am wenigsten erwarten. Ich hätte einen Bombenlauf gebraucht, um in den Bereich der Medaillen zu kommen. Aber heute bin schlecht gefahren."

Anja Pärsons dritter WM-Titel

Mit Nummer 22 hatte Anja Pärson Bestzeit vorgelegt, und zur Überraschung aller hielt diese Marke bis zuletzt. Keine der vier bisherigen Saison-Siegerinnen reihte sich unter die Top 10 und damit wurde insbesondere für die Österreicherinnen ein mittleres Debakel perfekt: Renate Götschl verlor schon am dritten Tor den linken Stock und wurde letztlich 23., Michaela Dorfmeister, die Weltmeisterin von 2003 in St. Moritz, schied ebenso aus wie Alexandra Meissnitzer, die Weltmeisterin von 1999 in Vail. Und die Deutsche Hilde Gerg fiel als 13. ebenfalls aus allen Traktanden. Sie klagte wie auch die anderen Favoritinnen über die schlechter gewordenen Lichtverhältnisse: "Es wurde immer dunkler."

Entscheidender dürfte aber gewesen sein, dass die Favoritinnen im stark drehenden oberen Teil fast unisono eine zu direkte Linie gewählt hatten. Dort entschied Anja Pärson das Rennen für sich. 43 Hundertstel lag die Skandinavierin hier voraus. Am Ende siegte sie 0,45 Sekunden vor der Italienerin Lucia Recchia. Anja Pärson (23) holte die erste schwedische Medaille im Super-G der Frauen, aber ihren bereits dritten WM-Titel. 2001 in St. Anton war sie Weltmeisterin im Slalom geworden, 2003 in St. Moritz hatte sie Gold im Riesenslalom errungen. In Bormio zahlte sich aus, dass sie sich auf diesen Winter noch stärker auf die schnellen Disziplinen konzentriert hat. In Cortina war sie als Zweite hinter Renate Götschl erstmals im Super-G aufs Podest gefahren, nun liess sie ausgerechnet beim wichtigsten Anlass den ersten Sieg in dieser Sparte folgen.

Lucia Recchia, die 25-jährige Südtirolerin aus Bruneck, hatte wie Pärson erstmals in diesem Winter im Super-G das Podium erreicht. In Altenmarkt war sie hinter Meissnitzer Zweite geworden. Ihr Potential hatte Recchia schon früh angedeutet. 2000 an der Junioren-WM belegte sie in der Abfahrt Platz 2, hinter ... Fränzi Aufdenblatten. Und auch die Dritte, die 20-jährige Amerikanerin Julia Mancuso, hat schon auf Junioren-Ebene reüssiert. Sie gewann 2003 Super-G-Gold an den Nachwuchs-Titelkämpfen in Briançon.

Schlussklassement:
1. Anja Pärson (Sd) 1:17,64. 2. Lucia Recchia (It) 0,45 zurück. 3. Julia Mancuso (USA) 0,76. 4. Nadia Fanchini (It) 0,79. 5. Isolde Kostner (It) 0,90. 6. Tina Maze (Sln) 1,03. 7. Andrea Fischbacher (Ö) 1,09. 8. Nadia Styger (Sz) 1,15. 9. Lindsey Kildow (USA) 1,18. 10. Kirsten Clark (USA) 1,30. 11. Silvia Berger (Ö) 1,36. 12. Caroline Lalive (USA) 1,39. 13. Hilde Gerg (De) 1,43. 14. Karen Putzer (It) 1,47. 15. Carolina Ruiz Castillo (Sp) 1,51. 16. Sylviane Berthod (Sz) 1,56. 17. Ingrid Jacquemod (Fr) 1,65. 18. Fränzi Aufdenblatten (Sz) 1,69. Ferner: 23. Renate Götschl (Ö) 2,29. 30. Sarah Schädler (Lie) 4,35. 31. Tina Weirather (Lie) 4,44. -- Ausgeschieden unter anderen: Martina Ertl (De), Carole Montillet-Carles (Fr), Alexandra Meissnitzer (Ö), Michaela Dorfmeister (Ö).

(Werner Eisenring, Santa Caterina/Si)

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